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DAC/NRF

Schwerpunkt Defekturprüfung

28.07.2014  10:53 Uhr

Von Michael Hörnig, Antje Lein und Holger Reimann / Das Augenmerk der ersten Ergänzungslieferung zu DAC/NRF 2014 liegt auf mehreren neuen Prüfanweisungen für Defekturarzneimittel und zwei Vorschriften für die dermatologische Anwendung. Außerdem wurde damit begonnen, die Allgemeinen Hinweise zu Darreichungsformen neu zu strukturieren.

Mit der Novelle der Apothekenbetriebsordnung im Jahr 2012 stiegen bei Defekturarzneimitteln die Anforderungen an die Qualitätsprüfungen. Das betrifft auch die Vorschriften in DAC/NRF, wenn die Rezepturen im Defekturmaßstab angefertigt werden. Die DAC-Anlage J »Weitergehende Prüfung der Defekturarzneimittel« enthält nun weitere Defekturprüfanweisungen für fünf NRF-Vorschriften: Chlorhexidindigluconat-Mundspüllösung 0,1 % / 0,2 % (NRF 7.2.), Hydrocortisonacetat-Suspension 0,5 % mit Lidocainhydrochlorid und Dexpanthenol (NRF 7.14.) sowie Aluminiumchlorid-Lösungen und -Gel (NRF 11.1., 11.24., 11.132.). Da einige der Vorschriften mehrere Konzentrationsstufen enthalten, mussten die Anweisungen spezifisch angepasst werden. Außerdem erfordert dies die differenzierte Angabe der Prüfresultate in mehreren separaten Dokumenten.

Laut Aussage der Arbeitsgemeinschaft der Pharmazieräte Deutschlands (APD) unterstützt die amtliche Apothekenüberwachung das Stufenmodell der DAC-Anlage J. Dieses Modell ist sehr flexibel. Das zeigt sich besonders am stark reduzierten Prüfaufwand, wenn der Herstellungsprozess im QMS gut dokumentiert ist und die Apotheke regelmäßig an externen Qualitätskontrollen teilnimmt sowie mikrobiolo­gische Tests durchführen lässt.

Die in DAC/NRF veröffentlichten Prüfanweisungen basieren auf dem Prinzip, in der Apotheke das jeweilige Risiko zu beurteilen und eigenverantwortlich geeignete und apotheken­gerechte Qualitätskontrollen auszuwählen. Dieses Prinzip lässt sich auf andere Defekturarzneimittel und Zwischenprodukte übertragen, die nicht im DAC/NRF stehen.

Die neue DAC-Monographie Triamcinolonacetonid-Verreibung 1 Prozent in Nichtionischer hydrophiler Creme SR (T-107) ergänzt die Prüfvorschriften für Rezepturkonzentrate. Wieder aufgenommen wurde die DAC-Monographie Ehrenpreiskraut, da zahlreiche Rückmeldungen aus Apotheken den bestehenden Bedarf für eine Vorschrift zur pharmazeutischen Qualitätssicherung der Droge zeigten. Die Monographien Alfatradiol und Emulgierende Augensalbe sowie die DAC-Monographien mit den Anfangsbuchstaben K und L wurden aktualisiert. Außerdem wurde die Sammlung farbiger Abbildungen als Hilfestellung zur Identifizierung pflanzlicher Drogen erweitert. Darüber hinaus wurden die beiden Anlagen »Schmelzpunkttabelle« und »Brechungsindextabelle« mit den Informationen aus Arzneibuch und DAC/NRF ergänzt und überarbeitet.

Die Prüfmethoden einzelner Ausgangsstoffe der Alternativen Identi­fizierung nach DAC/NRF mussten für diese Ergänzungslieferung umfangreicher überarbeitet werden. Grund waren Schwierigkeiten bei der Bestimmung des Mischschmelzpunktes. Der Mischschmelzpunkt ist die Schmelztemperatur einer Mischung aus gleichen Anteilen der zu prüfenden Substanz und einer geprüften Vergleichssubstanz, die gemessene Temperatur darf nur um ± 1°C von den Schmelztemperaturen der Einzelstoffe abweichen. Diese Prüfmethode ist äußerst stör­anfällig und Bedarf oft der visuellen Kontrolle durch den Prüfenden. Sowohl die Apothekenaufsicht als auch einzelne Apotheken machten das Team des DAC/NRF darauf aufmerksam, dass einige vollautomatische Schmelzpunktbestimmungsgeräte, die diese Kontrolle des Schmelzvorganges nicht zulassen, bei der Messung des Mischschmelzpunkts einiger Ausgangsstoffe negative beziehungsweise falsche oder nicht-auswertbare Werte ergaben. Dies betrifft solche Stoffe, die unter Verfärbung schmelzen. Deshalb wurde entschieden, bei diesen Ausgangsstoffen weitere Prüfmethoden als Alterna­tiven zu entwickeln und zu veröffentlichen.

Allgemeine Hinweise neu gestaltet

Um in der Apotheke ein Rezeptur- oder Defektur-Arzneimittel strukturiert anfertigen zu können, bedarf es strukturierter Informationen, die sich auf die Anforderungen an das Arzneimittel beziehen. Dazu gehören beispielsweise Angaben zu Besonderheiten der Applikationsart und des Applikationsortes, zu bestimmten Patientengruppen und zur Hygiene. Dem trägt die Überarbeitung der allgemeinen Kapitel zu Darreichungsformen Rechnung. Begonnen wurde mit folgenden Texten:

  • I.6. Dermatika – Zubereitungen zur kutanen Anwendung,
  • I.9. Kapseln,
  • I.11. Flüssige Zubereitungen zum Einnehmen und
  • I.12. Zubereitungen zur rektalen und zur vaginalen Anwendung.

Diese Kapitel enthalten nun übereinstimmend eine kurze Einführung mit dem Verweis auf Definitionen und Normen im Kapitel »Darreichungsformen« im Europäischen Arzneibuch, sowie Abschnitte zum galenischen Konzept, zu Hygiene, Konservierung und Herstellung. Im Herstellungsteil finden sich Informationen zu sinnvollen Inpro­zess­prüfungen, zu Packmitteln, Applikationshilfen und zur Endprüfung des konfektionierten Produkts. Zur Umsetzung der ApBetrO können diese Texte als darreichungsformspezifische Herstellungsanweisungen für Rezepturarzneimittel herangezogen und in der Apotheke bei Bedarf ergänzt werden.

Dermatologische Rezepturen für Kinder

In die NRF-Rezepturvorschriften wurden zwei neue Zubereitungen für die Dermatologie aufgenommen: Hydrophile Prednicarbat-Creme 0,08 % / 0,15 % / 0,25 % (NRF 11.144.) und Hydrophile Prednicarbat-Creme 0,08 % / 0,15 % / 0,25 % mit Octenidindihydrochlorid 0,1 % (NRF 11.145.). Prednicarbat hat als topisch angewendetes Steroid einen Therapeutischen Index (TIX) von 2, das heißt, ein günstiges Verhältnis von erwünschten zu unerwünschten Wirkungen. Die Substanz gehört zur Wirkstärkeklasse II der mittelstark wirksamen Externsteroide. Die beiden neuen Externa eignen sich für die Behandlung schwacher bis mittelstarker Ekzeme, für verschiedene Therapieschemata wie die Intervall- oder die proaktive Therapie und können auch bei Säuglingen und Kleinkindern angewendet werden. Insbesondere mit Blick auf die dermatologische Anwendung bei Kindern sind die verschiedenen Konzentrationsstufen gedacht. Das unterscheidet die Zubereitungen von Fertigarzneimitteln mit 0,25 % Prednicarbat als einziger Konzentration. Die Praxis zeigt, dass Dermatologen und Kinderärzte Prednicarbat in niedriger Dosierung zunehmend den schwach wirkenden TIX-1-Glucocorticoiden vorziehen. Darüber hinaus bietet die Kombination mit Octenidindihydrochlorid die Möglichkeit, auch bakteriell infizierte Ekzeme zu behandeln.

Tool zur Einwaagekorrektur

Verursachen Kristallwasser oder Begleitstoffe in Rezeptursubstanzen einen Mindergehalt, ist es inzwischen fester Bestandteil der Arzneimittelzubereitung in der Apotheke, den Mindergehalt durch Berechnung eines Korrekturfaktors bei der Einwaage der Substanz auszugleichen. Seit Jahren unterstützt die EXCEL-Datenbank bei den »DAC/NRF-Tools« als digitale Arbeitshilfe diese Berechnung. Die Datei der Ergänzungslieferung 2014/1 zeigt sich nun im neuen Kleid: Sie ist mit den alphabetisch in Tabellenblättern geordneten Rezeptursubstanzen sehr viel übersichtlicher und sicherer, weil zusätzliche Größen wie Molekülmassen oder Referenzwerte, sofern sie für den Korrekturfaktor relevant sind, bereits in die Berechnung integriert sind. So kann die mühsame Suche aus separaten Listen entfallen. Berücksichtigt werden müssen lediglich die Angaben aus den Prüfzertifikaten und der Unterschied zwischen dem vom Arzt verordneten Stoff und der verwendeten Rezeptursubstanz. Im DAC/NRF-Text I.2.1.1. sind Grundformeln und Gehaltsdefinitionen kurz erläutert. /

Informationen auch online

Seit Herbst 2013 können alle Abonnenten zusätzlich zur Loseblattausgabe und der DAC/NRF-DVD über www.dac-nrf.de auf das Werk auch online zugreifen. Hierfür müssen sie lediglich ihren individuellen Zugangscode zur aktuellen Ergänzungslieferung unter »Mein Konto« einpflegen. Über den Ablauf der Gültigkeit des alten Codes wird der Nutzer auf der Internetseite beim Login automatisch informiert. Wie gewohnt ist der neue Code im Loseblattwerk auf dem »Merkblatt – Zugangscode« im Serviceteil zu finden, für Abonnenten der DVD steht er auf der Rückseite des Benutzerhandbuches.