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Interferone

Therapie mit Nebenwirkungen

28.07.2014
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Von Verena Arzbach / Interferone sind momentan noch wichtige Bausteine in der Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose und Hepatitis. Ihrer guten Wirkung stehen aber starke Nebenwirkungen gegenüber.

Bei der Behandlung einer Hepatitis B oder C gab es lange keine Alternative: Die Patienten erhielten eine Kombination mehrerer Wirkstoffe, einer davon war immer ein Interferon. Seit Mitte Februar 2014 der Wirkstoff Sofosbuvir neu zugelassen wurde, hat sich das geändert, denn dieser muss nicht mehr zwingend mit einem Interferon kombiniert werden.

Bald sollen noch mehr Wirkstoffe folgen, die Ärzte ohne Interferon verordnen können. Anders sieht es bei der Therapie der Nervenerkrankung Multiple Sklerose aus. Zwar erweitern auch auf diesem Gebiet viele Neuentwicklungen die Therapieoptionen, Interferone gehören aber nach wie vor zur Basisbehandlung.

Interferone sind eigentlich körpereigene Botenstoffe, sogenannte Zytokine, die das Immunsystem stimulieren. Nach ihrer Herkunft werden sie in verschiedene Klassen unterteilt: Leukozyten produzieren Interferon alpha (IFN-α), Fibroblasten Interferon beta (IFN-β) und Lymphozyten Interferon gamma (IFN-γ). Die Interferone wirken auch antiviral und hemmen das Wachstum bestimmter Tumorzellen. Wie genau sie die Zellen beeinflussen, ist noch nicht komplett geklärt, denn der Wirkmechanismus der Interferone ist ziemlich komplex.

Protein mit Zuckerketten

Die Interferone zum therapeutischen Einsatz werden rekombinant hergestellt. Die Moleküle bestehen aus Aminosäureketten, sie sind also Proteine. Die meisten tragen Zuckerketten an verschiedenen Stellen. Dabei variiert der Aufbau des Moleküls, gekennzeichnet durch die Kombination aus einer Zahl und einem kleinen Buchstaben. INFβ-1a und INFβ-1b sowie IFN-α2a und IFN-α2b unterscheiden sich jeweils an zwei Stellen in ihrer Aminosäuresequenz. INFβ-1b, das in bakteriellen Zellkulturen produziert wird, trägt im Gegensatz zu dem in Säugetierzellen hergestellten INFβ-1a keine Zucker-Seitenketten. Bei den PEG-Interferonen ist das Interferon-Molekül zusätzlich mit langen Polyethylenglykol-Molekülen verknüpft. Dadurch werden die Substanzen im Körper langsamer abgebaut und müssen nur noch einmal statt dreimal wöchentlich injiziert werden. Somit treten auch weniger Nebenwirkungen auf und die Patienten vertragen die Therapie besser.

Obwohl Interferone körpereigene Substanzen sind, verursachen sie als Therapeutika erhebliche unerwünschte Wirkungen. Viele Patienten fürchten die grippeähnlichen Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit und Übelkeit. Diese Beschwerden treten zwar unterschiedlich stark, aber bei relativ vielen Patienten auf. Um die Symptome abzumildern, können die Patienten zum Beispiel eine halbe Stunde vor der Injektion des Interferons ein Schmerzmittel einnehmen. Eine weitere Möglichkeit ist, das Interferon abends zu spritzen. Dann fällt ein Teil der Beschwerden in die Nacht und die Patienten bemerken die Nebenwirkungen nicht, weil sie schlafen. Auch sollten sich Patienten in den ersten Wochen der Therapie nicht allzu Belastendes vornehmen, denn zu Beginn ist ihre Leistungsfähigkeit häufig eingeschränkt. Eine gute Nachricht, mit der PTA und Apotheker Patienten zum Durchhalten motivieren können: Die Nebenwirkungen treten besonders stark während der ersten Behandlungsmonate auf, im späteren Verlauf der Therapie lassen sie meist nach.

Indikationen von Interferonen

Interferon Indikationen (Beispiele)
IFN-α2a (Roferon-A®) Bestimmte Leukämie-Formen, Kaposi-Sarkom, kutanes T-Zell-Lymphom, Hepatitis B, C, malignes Melanom
IFN-α2b (Intron-A®) Bestimmte Leukämie-Formen, Kaposi-Sarkom, kutanes T-Zell-Lymphom, Hepatitis B, C, multiples Myelom
INFβ-1a (Avonex®, Rebif®) schubförmige Multiple Sklerose
INFβ-1b (Betaferon®, Extavia®) schubförmige Multiple Sklerose, sekundär progredient verlaufende Multiple Sklerose
INFγ-1b (Imukin®) Verringerung der Häufigkeit schwerwiegender Infektionen bei septischer Granulomatose oder schwerer, maligner Osteopetrose
Peginterferon alfa-2a (Pegasys®) Hepatitis B, C
Peginterferon alfa-2b (PegIntron®) Hepatitis C

Wirkung auf Haut und Psyche

Seltenere unerwünschte Wirkungen sind Hautveränderungen. Bei manchen Patienten wird die Haut sehr trocken, bei anderen entstehen Ausschläge oder Schuppenflechte. Interferone können auch das Blutbild verändern, zum Beispiel kann die Zahl der Leukozyten und Thrombozyten abfallen (Leuko- und Thrombozytopenie). Einige Patienten werden mitunter während der Therapie sehr nervös, ängstlich und leiden unter depressiven Verstimmungen bis hin zu Selbstmordgedanken. Deshalb sollten Ärzte Patienten mit bereits bestehenden Depressionen mit Suizidneigung keine Interferone verordnen. Als Kontraindikationen für die Interferon-Gabe gelten außerdem schwere Herzerkrankungen sowie schwere Nieren- oder Leberschäden.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während einer Interferontherapie sicher verhüten. Auch Männer, die mit Interferonen behandelt werden, sollten währenddessen keine Kinder zeugen. Es gibt aber keine sicheren Hinweise darauf, dass Interferone das Ungeborene schädigen oder die Fehlgeburtsrate erhöhen. Wird eine Frau während einer Interferon-Therapie also ungeplant schwanger, muss sie keine Fehlbildungen oder eine Frühgeburt fürchten. /