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Kinder vor Kurzsichtigkeit schützen

22.05.2015  11:39 Uhr

Von Annette Immel-Sehr / In vielen Staaten Europas und Amerikas werden immer mehr Menschen kurzsichtig. Hierzulande ist derzeit etwa jeder Dritte betroffen. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung allerdings in den Ländern Südostasiens.

Doch es gibt relativ einfache Strategien, der sogenannten Myopie vorzubeugen: Studien haben ergeben, dass Kinder umso seltener eine Kurzsichtigkeit entwickeln, je häufiger und länger sie sich im Freien aufhalten. Helles Licht fördert die Freisetzung von Dopamin in der Netzhaut und verhindert das Längenwachstum des Augapfels. Bei Kurzsichtigen ist meist der Augapfel zu lang und damit sind Hornhaut und Linse von der Netzhaut weiter entfernt als normal. Dadurch sehen die Betroffenen weit entfernte Gegenstände verschwommen, nahe Dinge dagegen scharf.

Warum manche Menschen kurzsichtig werden und andere nicht, ist seit vielen Jahren Thema der Forschung. Vermutlich spielen Erbfaktoren eine Rolle, können aber nicht der einzige Grund sein. Eine im Jahr 1969 veröffentlichte Studie an der Volksgruppe der Inuit im Norden Alaskas ergab, dass von den noch in isolierten Gemeinschaften aufgewachsenen Erwachsenen nur zwei von 131 kurzsichtig waren. Ein veränderter Lebensstil führte jedoch bei ihren Kindern und Enkeln dazu, dass bereits mehr als die Hälfte betroffen waren. Andere Studien haben gezeigt, dass Kurzsichtigkeit eng mit dem Ausbildungsstand verknüpft ist. Ausbildung bedeutet häufig mehr Aufenthalt in geschlossenen Räumen und oft auch stundenlanges Lesen. Dabei spielt das Licht offenbar eine Rolle. Denn in Innenräumen werden meist nicht mehr als 500 Lux erreicht, an sonnigen Tagen dagegen selbst draußen im Schatten etwa 10 000 Lux. Forscher vermuten, dass sich Kurzsichtigkeit bei Kindern verhindern lässt, wenn sie sich täglich etwa drei Stunden lang bei mindestens 10 000 Lux im Freien aufhalten. /

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie und Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft