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Verhütung

Nicht-hormonelle Methoden

22.05.2015  11:39 Uhr

Von Carina Steyer / Wer ohne Hormone eine Schwangerschaft verhüten möchte, kann zwischen zahlreichen Methoden wählen: von Barrieremethoden über Spiralen bis zur natürlichen Familienplanung. Eines haben die meisten nicht-hormonellen Methoden gemeinsam: Die Sicherheit hängt entscheidend von der richtigen Anwendung ab.

Das Kondom ist die beliebteste nicht-hormonelle Verhütungsmethode der Deutschen: Bei einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gaben rund 37 Prozent der 18- bis 49-jährigen Befragten an, mit Kondomen zu verhüten.

Vermutlich verwenden Paare bereits seit mehr als 1000 Jahren Kondome (Präservative). Hinsichtlich des verwendeten Mate­rials haben sich die Verhütungsmittel allerdings stark von den heutigen unterschieden. Die erste wissenschaft­liche Aufzeichnung stammt aus dem Jahr 1564. Der italienische Anatom Gabrielle Fallopio beschreibt ein mit Lotionen getränktes Leinensäckchen, das vor sexuell übertragbaren Erkrankungen schützen sollte. Vermutlich war der erzielte Schutz nicht zufriedenstellend. Die heutigen Kondome aus Latex oder Gummi sind jedenfalls nachweislich die einzigen Verhütungsmittel, die vor sexuell übertragbaren Erkrankungen schützen. Sie gelten mit einem theoretischen Pearl-Index von 0,5 bis 2 auch in Sachen Verhütung als sicher.

Pearl-Index

Der Pearl-Index wurde nach dem amerikanischen Wissenschaftler Raymond Pearl benannt. Er ist ein Maß, um die Sicherheit von Verhütungsmitteln zu beurteilen: je kleiner der Pearl-Index, desto sicherer die Verhütungsmethode. Ein Pearl-Index von 3 besagt folgendes: In einem Jahr traten 3 Schwangerschaften auf, wenn 100 Frauen ein Jahr lang die gleiche Verhütungsmethode angewendet haben. Allerdings sind die Angaben je nach Literatur unterschiedlich. Daher können die Angaben zum Pearl-Index nur als Anhaltspunkt dienen ohne Anspruch auf allgemeine Gültigkeit.

Qualitätskondome werden während der Herstellung auf ihre Dichte überprüft und Produktionsfehler sind sehr selten. Etwa 1 von 1000 Kondomen zerreißt unerwartet. Unerwünschte Schwangerschaften sind häufig das Resultat von Anwendungsfehlern. Vor allem jüngere Paare und Anwender mit wenig Erfahrung machen meist solche Fehler. Am seltensten trat eine ungewollte Schwangerschaft bei Ehepaaren auf, die lange Jahre die gleiche Verhütungsmethode anwendeten. Der – sicher oft unbewusste – Wunsch nach einem Kind scheint die Sicherheit stark zu beeinflussen: Bei Paaren, die bereits Kinder hatten, kam es bei Benutzung eines Kondoms wesentlich seltener zu einer Schwangerschaft als bei kinderlosen Paaren.

Frauen können sich durch den Gebrauch eines Vaginalkondoms vor einer unerwünschten Schwangerschaft und gleichzeitig vor sexuell übertragbaren Erkrankungen zu schützen. Das Frauenkondom, auch als Femidom bezeichnet, besteht aus einem dünnen, reißfesten Kunststoff und ist mit zwei biegsamen Ringen ausgestattet. Den Ring am geschlossenen Ende muss die Frau tief in die Scheide einführen. Der zweite Ring bleibt außerhalb der Vagina und bedeckt die Schamlippen. Die Frau kann das Femidom bis zu zehn Stunden vor dem Geschlechtsverkehr in die Vagina einbringen. Bei mehrfachem Geschlechtsverkehr muss es jedes Mal erneuert werden – wie das Kondom für Männer. Eine eindeutige Aussage über die Sicherheit des Femidoms ist nicht möglich, da diese extrem von der richtigen Anwendung abhängt. Die Handhabung ist etwas schwieriger als beim Kondom für Männer, doch mit ein bisschen Erfahrung für die meisten Frauen kein Problem.

Weitere Barrieremethoden

Als Barriere vor dem Muttermund dienen die Portiokappe und das Diaphragma. Die Portiokappe wurde bereits im Jahr 1838 erstmals von dem Gynäkologen Friedrich Adolf Wilde beschrieben. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war sie als Verhütungsmittel relativ beliebt. Aufgrund der hohen Unsicherheit benutzen Frauen sie heutzutage jedoch kaum noch. Portiokappen sehen aus wie kleine Hüte. Sie müssen vor dem Verkehr in die Scheide eingeführt und über den Gebärmutterhals geschoben werden. Dort saugen sie sich fest und verhindern, dass Spermien in die Gebärmutter gelangen. Das Diaphragma, auch als Pessar bezeichnet, wurde etwa 40 Jahre nach der Portiokappe erstmals beschrieben. Es besteht aus einem federnden Metallring, über den eine schalenförmige Gummimembran gespannt ist. Die Frau setzt das Diaphragma vor dem Verkehr in die Scheide ein. Dort bildet es eine Art Zwischenwand, die das weitere Vordringen der Spermien verhindert.

Sowohl Portiokappen als auch Diaphragmen müssen immer in Kombination mit einem Spermizid verwendet werden. Wichtig für die Sicherheit dieser beiden Barrieremethoden ist auch, dass die richtige Größe verwendet wird. Frauen haben in der Praxis eines Gynäkologen oder in einer Beratungsstelle, beispielsweise von Pro familia die Möglichkeit, unterschiedliche Größen auszuprobieren und das für sie am besten geeignete Produkt zu finden. Für die Portiokappe wird ein Pearl- Index von 6, für das Diaphragma von unter 3 angegeben.

Chemische Verhütung

Schon seit Langem haben Menschen versucht, mit Spermiziden Schwangerschaften zu verhüten. Die alten Ägypter verwendeten eine Mixtur aus Honig, Natron und Krokodilexkrementen. Heute wird vor allem Nonoxynol-9 verwendet, dessen Wirkung auf der Auflösung der Zellmembran der Spermien beruht. Damit verlieren die Spermien ihre Befruchtungsfähigkeit. Das Spermizid muss mindestens 10 bis 15 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingebracht werden und verliert nach etwa einer Stunde seine Wirksamkeit. Die Sicherheit hängt erheblich von der richtigen Anwendung ab. Früher nahm man an, Spermizide würden auch vor einigen sexuell übertragbaren Krankheiten schützen. Dies wurde inzwischen widerlegt. Insgesamt gilt die alleinige Verwendung von chemischen Verhütungsmitteln als unsicher.

Endgültige Methoden

In der Umfrage der BZgA gaben 10 Prozent der Befragten an, sie hätten sich für eine Sterilisation entschieden. Das sagten vor allem die Über-40-Jährigen, denn in diesem Alter haben die meisten ihre Familienplanung abgeschlossen. Bei Männern ist die auch als Vasektomie bezeichnete Sterilisation relativ unkompliziert und kann ambulant unter örtlicher Betäubung erfolgen. Ärzte unterscheiden dabei zwischen der Resektion und der Ligatur. Bei dem ersten Verfahren durchtrennen sie die Samenleiter, beim zweiten binden sie sie ab. Danach können Samenzellen nicht mehr von den Nebenhoden in die Harnröhre gelangen. Mithilfe eines sogenannten Spermiogramms lässt sich nachweisen, ob der Eingriff erfolgreich war. Die Kosten der Vasektomie muss der Mann selbst tragen, seit über zehn Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten nicht mehr.

Bei der Sterilisation der Frau werden die Eileiter entweder verschlossen, durchtrennt oder teilweise entfernt. Anschließend findet der Eisprung zwar immer noch statt, aber keine Eizelle kann die Eileiter mehr passieren und somit auch nicht befruchtet werden. Die Operation erfolgt mithilfe einer Bauchspiegelung oder im Rahmen eines Kaiserschnitts oder einer geplanten Bauchoperation. Etwa 2 bis 6 Prozent der Frauen werden pro Jahr dennoch schwanger. Ob die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen, hängt davon ab, ob der Arzt den Eingriff als medizinisch notwendig ansieht. Als Begründung für die Kostenübernahme akzeptieren die Krankenkassen, wenn die Schwangerschaft den körperlichen oder seelischen Gesundheitszustand der Frau gefährden oder sogar verschlechtern würde.

Intrauterinpessare

Intrauterinpessare sind eher unter der Bezeichnung Spirale bekannt. Laut Umfrage der BZgA ist die Spirale mit 10 Prozent ein nicht ganz so häufiges, aber dennoch verbreitetes Verhütungsmittel. Der Name entstand, da die ersten Intrauterinpessare zu Beginn des 20. Jahrhunderts tatsächlich eine Spiralform hatten, heute sind sie meist T-förmig. Intrauterinpessare bestehen aus einem Polyethylen-Körper, der mit einem Kupferdraht umwickelt ist. Hormonfreie Spirale verhindern eine Empfängnis durch die Kupferionen, die die Spirale nach und nach freisetzt. Die Kupferionen verändern das Milieu in der Gebärmutter, sodass Spermien nicht mehr befruchtungsfähig sind. Sollte es dennoch zur Befruchtung einer Eizelle kommen, verhindert die Spirale, dass sich diese Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut einnistet.

Der Gynäkologe schiebt die Spirale mithilfe eines Röhrchens durch den Muttermund in die Gebärmutterhöhle ein. Dafür eignet sich der zweite bis fünfte Zyklustag am besten, da der Muttermund zur Zeit der Periode leicht geöffnet ist. Erst in der Gebärmutter entfaltet sich der Spiralkörper zu seiner T-Form. Die richtige Lage überprüft der Arzt mit einer Ultraschalluntersuchung. Spiralen sollten nicht länger als etwa fünf Jahre in der Gebärmutter verbleiben. Nachdem die Spirale gezogen ist, kann direkt eine neue eingesetzt werden – falls der Wunsch nach Empfängnisverhütung weiter besteht.

Weiterentwicklungen der Spirale sind die Kupferkette und ganz neu, der Kupferperlen-Ball. Die Kupferkette besteht aus einem Kunststofffaden, auf den vier bis sechs Kupferzylinder aufgezogen sind. Im Unterschied zur Kette, die der Gynäkologe in der Gebärmutterwand befestigt, liegt der Kup­ferperlen-Ball frei in der Gebärmutter. Auf dem Faden des Kupferperlen-Balls sind 17 Kupferperlen aufgefädelt. Nach dem Einführen dreht sich der Faden und nimmt eine rundliche Form an.

Natürliche Familienplanung

Als natürliche Familienplanung, auch NFP abgekürzt, werden alle Methoden bezeichnet, bei denen die Frau auf verschiedenen Wegen ihre fruchtbaren und unfruchtbaren Tage während des Zyklus bestimmt und so eine Befruchtung der Eizelle verhindert. In den 1920er-Jahren entdeckten zwei Gynäkologen, der Österreicher Hermann Knaus und der Japaner Kyusaku Ogino, unabhängig voneinander, dass der Eisprung 12 bis 16 Tage vor der Regelblutung stattfindet. Knaus nahm an, dass Frauen drei Tage vor bis einen Tag nach dem Eisprung fruchtbar sind. Ogino legte seiner Berechnung eine Überlebenszeit der Spermien von drei Tagen zugrunde. Um den Eisprung möglichst sicher bestimmen zu können, empfahlen beide Fachärzte den Frauen, sechs bis zwölf Zyklen zu beobachten. Heute gilt die Methode als sehr unsicher, was auch im Pearl-Index zum Ausdruck kommt: Er liegt bei 5,9 bis 47.

Eine andere Methode entwickelte in den 1930er-Jahren der katholische Pfarrer Wilhelm Hillebrandt. Seine Methode basiert auf dem Anstieg der Körpertemperatur nach dem Eisprung. Bei den meisten Frauen steigt die Temperatur, parallel zum Progesteronspiegel, ein bis drei Tage nach dem Eisprung um 0,2 bis 0,4 Grad Celsius an. Bei diesem auch als Temperaturmethode bekannten Verfahren gelten nur die Tage nach dem Temperaturanstieg als unfruchtbar. Sie wird als sichere Methode eingestuft. Manche Experten beziehen auch die Zeit vor dem Eisprung in die unfruchtbaren Tage ein: Aus den letzten sechs bis zwölf Zyklen wird der früheste Tag des Temperaturanstiegs ermittelt und davon acht Tage abgezogen. Dieser Tag gilt dann als letzter unfruchtbarer Tag. Allerdings büßt die Methode dann an Sicherheit ein. Heute können Frauen bei der Temperaturmethode auch Mini-Computer nutzen, die den Eisprung berechnen. Die Sicherheit lässt sich weiter erhöhen, wenn die Temperaturmethode mit Hormon-Messungen im Urin kombiniert wird. Vor dem Eisprung steigt der Estradiol-Gehalt deutlich an und es kommt zur vermehrten Freisetzung von luteinisierendem Hormon (LH). Beide Hormonveränderungen lassen sich mittels Teststäbchen im Morgenurin bestimmen. Die Teststäbchen werden in einen Mini-Computer eingeführt und ausgewertet.

Drüsen im Gebärmutterhals bilden sogenannten Zervixschleim, dessen Menge und Qualität sich im Laufe des Zyklus verändert. Er fließt umso reich­licher und wird gleichzeitig klarer, je näher der Eisprung rückt. Diese Beschaffenheit ermöglicht es den Spermien, bis zur Eizelle vorzudringen und einige Tage in der Gebärmutter zu überleben. Nach dem Eisprung wird der Zervixschleim dicker und für die Spermien wieder undurchdringbar.

Bei der Schleim- oder Ovulationsmethode beobachtet die Frau, ob der Schleim dick- oder dünnflüssig ist. Sobald sie etwa fünf bis sechs Tage vor dem Eisprung am Scheidenausgang klaren Schleim feststellt, verzichtet sie auf Geschlechtsverkehr. Der Pearl- Index dieser Methode liegt bei 1,2 bis 3. Ausschließlich angewendet gilt die Methode als sehr unsicher, da viele Fehler auftreten können. Werden diese in den Pearl-Index einberechnet, steigt er auf 15,5 bis 34,9.

Seit den 1980er-Jahren haben Wissenschaftler die verschiedenen Ansätze der natürlichen Familienplanung untersucht. Als einzig sicher gilt die symptothermale Methode, die Kombination aus Temperatur- und Schleimmethode. Diese Methode bezieht sich nicht nur auf das Auftreten des Zervixschleims, sondern auch auf dessen Aussehen und Spinnbarkeit. Dazu gibt es genaue Regeln, die den Beginn und das Ende der fruchtbaren Phase definieren. Frauen können diese Methode in Kursen lernen sowie aus Büchern oder Informationsseiten im Internet. Unterbleibt dann während der so ermittelten fruchtbaren Tage der Geschlechts­verkehr, liegt der Pearl- Index bei 0,4. /

Buchtipp

Natürlich und sicher

Arbeitsgruppe NFP (Hrsg.) TRIAS-Verlag, 17. Auflage,
150 Seiten, Euro 12,95, ISBN 3-431-04003-9

Weitere Informationen im Netz

Pro familia Beratungszentren

http://www.profamilia.de/angebote-vor-ort.html

Informationen und Beratung zur natürlichen Familienplanung

http://www.nfp-online.de/

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Natuerliche-Familienplanung.105835.0.html

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