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Babys erstes Jahr

Zahn um Zahn

22.05.2015
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Von Daniela Hüttemann / Wenn ihr Baby Zähne bekommt, leiden die Eltern meist mit. Ein paar Mittel und auch Tipps aus der Apotheke helfen, die Schmerzen zu lindern. Gleichzeitig können PTA und Apotheker die Gelegenheit nutzen und die Eltern darauf hinweisen, wie wichtig die Pflege der Milchzähne ist und was sie dabei beachten sollten.

Wann sich bei Babys der erste Zahn zeigt, ist sehr unterschiedlich: Meist entdecken die Eltern zwischen dem sechsten und achten Lebensmonat als erstes einen unteren Schneidezahn. In seltenen Fällen kommen jedoch schon Neugeborene mit ersten sichtbaren Zähnchen auf die Welt. Angelegt sind die 20 Milchzähne bereits im Mutterleib. Jeder einzelne ist mit Schmerzen verbunden. Meist dauert dies einige Tage (und Nächte). Die stärksten Schmerzen scheint dabei den Babys zu bereiten, wenn die erste Spitze ihren Weg durch das Zahnfleisch bricht.

Viele Kinder haben in dieser Zeit gerötete Wangen und eventuell leicht erhöhte Temperatur. Das ist völlig normal. Durchfall und Erkältungen gehen aber vermutlich eher auf parallele Infekte zurück und treten nur zufällig gleichzeitig auf. Das sollten Eltern bei jungen Säuglingen eventuell von einem Kinderarzt abklären lassen.

Schon in den Tagen vor dem Durchbruch ist die Gaumenleiste an der entsprechenden Stelle oft geschwollen und gerötet, manchmal auch entzündet. Aus dem kleinen Mund läuft mehr Speichel als sonst und das Baby versucht häufig selbst, sich durch Beißen auf harte Gegenstände Linderung zu verschaffen. Die Eltern können ihrem Kind dann einen gekühlten Beißring oder ein Stück Brotrinde zum Kauen anbieten oder die schmerzende Stelle sanft mit dem Finger massieren.

Zusätzlich können sie eine erbsengroße Menge eines analgetischen Gels mit Lidocainhydrochlorid oder Kamillenextrakt auftragen. Entsprechende Zahnungsgele sind so zusammengesetzt, dass sie trotz des vermehrten Speichelflusses eine gewisse Zeit an der Mundschleimhaut haften bleiben. Im vergangenen Jahr warnte die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA vor der Anwendung viskoser Lidocain-Zubereitungen bei zahnenden Kindern mit dem Argument: In Einzelfällen sei es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen gekommen. Die Kleinen hatten zu große Mengen der Zubereitung verschluckt, weil die Eltern ihnen größere Lösungsmengen aus Flaschen verabreicht hatten. Aus Deutschland sind solche Zwischenfälle bei Anwendung der für Kleinkinder und Säuglinge zugelassenen Gelformulierungen nicht bekannt.

Gegen starke Schmerzen können die Eltern dem Säugling Paracetamol (zugelassen ab Geburt) oder Ibuprofen (je nach Präparat für Kinder ab sechs bis acht Monaten) als Suppositorien oder Saft verabreichen. Dabei müssen sie die Altersbeschränkung sowie den Mindestabstand zur nächsten Dosis streng einhalten, aber auch die Dosierung entsprechend des Gewichts des Kindes. Darauf sollten PTA oder Apotheker bei der Abgabe hinweisen und bei Säften am besten die altersentsprechende Dosierung – für die Eltern deutlich sichtbar – direkt auf die Packung schreiben.

Gut gepflegt von Anfang an

Die tägliche Zahnpflege beginnt mit dem ersten Zahn. Allerdings müssen das in den ersten Lebensjahren die Eltern übernehmen. Dazu können sie die Milchzähne entweder mit einer altersgerechten Zahnbürste mit kleinem Kopf oder einem Fingerling putzen. Am besten betten sie das mindestens einmal tägliche Putzen von Anfang an in ein Ritual ein, führen es also jeden Tag zur selben Zeit in derselben Abfolge durch, zum Beispiel direkt nach dem Morgen- und Abendbrei. Sobald das Baby dazu in der Lage ist, darf es die Zahnbürste auch selbst halten und unter Aufsicht in den Mund stecken. Aber bis zum Grundschulalter gilt: Die Eltern müssen nachputzen. Wenn das Kind dabei die Zahnpasta verschluckt, können größere Mengen zwar zu Bauchschmerzen führen, sind aber nicht gefährlich.

Uneins sind Kinder- und Zahnärzte, wenn es um den Einsatz von Zahnpasta geht. Während einige sie für verzichtbar halten, geht es im Kern um die Frage, ob diese Fluorid enthalten sollte. Wichtig ist in jedem Fall, eine Kinderzahnpasta zu verwenden, da die Fluoridmengen in Pasten für Erwach­sene zu hoch sind. Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte plädiert dafür, zur Kariesprophylaxe während der ersten 12 bis 18 Lebensmonate Fluorid- gemeinsam mit Vitamin D-Tabletten zuzuführen (Tagesdosis 0,25 mg Fluorid) und auf Fluorid in der Zahnpasta zu verzichten. Die Zahnärzte dagegen sprechen sich für Fluorid in der Zahnpasta aus (500 ppm), da das Mineral direkt am Zahn besser seine Schutzwirkung entfalten könne. In beiden Varianten reicht im ersten Lebensjahr die einmal tägliche Anwendung. Auf keinen Fall sollten Fluorid-haltige Tabletten und eine Fluorid-haltige Zahnpasta gleichzeitig zum Einsatz kommen. Eltern sollten sich für eine der beiden Möglichkeiten entscheiden und nicht weiter verunsichern lassen, denn nach derzeitigem Kenntnisstand gibt es kein absolutes Richtig oder Falsch. Mindestens genauso wichtig für die Kariesprophylaxe sind neben der gründlichen Zahnpflege regelmäßige Kontrollen sowie eine gesunde Ernährung.

Mit dem Baby zum Zahnarzt?

Momentan sieht der Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung die erste Zahn-Vorsorgeuntersuchung frühestens in einem Alter von 30 Monaten vor. Viele Krankenkassen bieten jedoch jetzt schon als freiwillige Regelleistung ein- bis zweimal jährliche Check-up-Termine bei Zahnärzten für die Kleinsten an. Die Zahnpflege und Fluorid-Prophylaxe sind auch Thema bei den Vorsorgeuntersuchungen (U) beim Kinderarzt. Die Zahnärzte setzen sich derzeit für einen Anspruch auf eine Vorsorge ab dem ersten Milchzahn ein.

Denn klar ist: Auch die Milchzähne müssen gut gepflegt werden. Zahnschäden in frühem Alter können nicht nur zu Schmerzen, Eingriffen teils unter Vollnarkose und Schwierigkeiten bei der Sprachentwicklung führen. Kariöse Milchzähne erhöhen auch das Risiko für Probleme bei den bleibenden Zähnen. Zu einer guten Mundhygiene gehört daher auch, das Kind möglichst nicht an zuckerhaltigen Getränken nuckeln zu lassen (dazu gehört auch Säuglingsmilch) und möglichst ohne zugesetzten Zucker auszukommen. Tees sollten beispielsweise grundsätzlich nicht gesüßt werden. Wer das als Baby von Anfang an nicht kennt, wird erst gar keinen süßen Zahn entwickeln. /

Hilfe aus dem Internet

Mehr Informationen zu Zahn­gesundheit unter

www.kindergesundheit-info.de/ themen/risiken-vorbeugen/ zahngesundheit/