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Gewürzmuseum

Ein Erlebnis für alle Sinne

06.06.2016
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Von Ute Kühlmann / Eine Prise Curry, ein wenig Kardamom oder ein Hauch Zimt verleihen Speisen das gewisse Etwas, doch auch die Heilkraft vieler Gewürze wird hoch geschätzt. Ein neues Museum im oberfränkischen Kulmbach mit interaktivem Ausstellungskonzept bietet auf über 1200 Quadratmetern Fläche weit mehr als Vitrinen und Hinweistafeln.

Gewürze waren nicht nur früher begehrte und kostbare Güter, sondern sind noch heute im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Sie sind aus vielen traditionellen Hausmitteln nicht wegzudenken: Echter Kümmel (Carum carvi L.) und Kubebenpfeffer (Piper cubeba) sind sogar die Arznei- und Heilpflanzen des Jahres 2016. Ob bei Entzündungen oder Blähungen: Viele Gewürze haben erwünschte »Nebenwirkungen«. Daher suchen manche Verbraucher häufig nicht nur nach neuen Geschmacksvariationen für Speisen, sondern auch nach Gewürzen mit positiven Effekten auf die Gesundheit. Gleichzeitig erwarten sie aber auch verlässliche Informationen über die Herkunft und Verarbeitung der Würzpflanzen.

Wer erfahren möchte, woher Pfeffer, Galgant oder Safran stammen, wie die oft kostbaren Gewürze verarbeitet werden, welche heilende Wirkung sie besitzen und wie sie verwendet werden, findet diese Informationen im neu eröffneten Deutschen Gewürzmuseum in Kulmbach. Das Museum entführt die Besucher in das geheimnisvolle Reich der Gewürze. Auf einem Rundgang durch die Ausstellung erfahren sie Interessantes über die Gewürzhändler des Mittel­alters, deren abenteuerliche Reisen zu Land und zu Wasser. Sie tauchen ein ins bunte Treiben der großen Handelsstädte von einst und können Gewürzpflanzen aus allen Erdteilen unter die Lupe nehmen.

Orient in Oberfranken

Im orientalischen Bazar – gleich zu Beginn der Ausstellung – können die Besucher eine Fülle von Gewürzen sehen, riechen und befühlen. Nach dieser Einstimmung führt sie der Weg entlang der historischen Gewürzroute. Dort erfahren sie an verschiedenen Stationen, wie die edlen Rohstoffe einst über Flüsse und mit Lasttieren in die Handelsstädte rund um das Mittelmeer und von dort über die Alpen bis in die Verteilzentren nach Deutschland gelangten. Aus dieser Zeit stammen Reise­berichte und Exponate vom Gewürztransport mit Handelsschiffen oder auf dem alten Fernhandelsweg, heute bekannt als Seidenstraße. Solche Handelsreisen waren langwierig, kostspielig und häufig auch sehr gefährlich – für die kostbare Fracht ebenso wie für Händler, Kaufleute und Investoren.

In dem aufwendig gestalteten Botani­kum erfährt der Besucher alles über die Herkunft von Gewürzpflanzen und über ihre Nutzung. Ein Schwerpunkt der Ausstellung ist der Einsatz von Gewürzen im Handwerk, in der Lebensmittelindustrie und Pharmazie. Doch der Besucher erhält im Gewürzmuseum nicht nur einen Einblick in die mittelalterliche Gewürzwelt, Filmbeiträge beleuchten die Arbeit von Gewürzmühlen vergangener Tage bis hin zur modernen Verarbeitung und Qualitätskontrolle.

Heilkraft, Mythos, Magie

Ob arabische Ärzte, Mediziner im antiken Griechenland oder Benediktinermönche im Mittelalter, sie alle schworen auf die heilenden sowie vorbeugenden Wirkungen der Gewürze und Kräuter, zum Beispiel bei Augenentzündungen oder Zahnschmerzen. Der Themenraum samt historischem Apothekerschrank lädt die Besucher ein, sich über die Heilkraft einer Vielzahl von Gewürzen zu informieren. Einige davon sind auch heute als Arzneimittel anerkannt und fanden Eingang in das Europäische oder das Deutsche Arzneibuch. Dazu gehören unter anderem Pfeffer, Ceylonzimt, Muskatnuss, Gewürznelke, Kurkuma, Ingwer, Galgant und Kardamom.

Aufgrund ihrer Heilkräfte und ihres intensiven Aromas schrieben die Menschen früher manchen Gewürzen auch magische Fähigkeiten zu: Geräuchert dienten sie als Botschaft für die Götter oder wurden als Aphrodisiakum eingesetzt. Im Ausstellungsteil zu »Mythos und Magie« findet der Besucher zu diesen Aspekten zahlreiche Informationen, beispielsweise über die Verwendung als Liebeszauber.

Abschließend kann jeder in der Lounge »Spice-Club« noch in Koch- und Gewürzbüchern der Adalbert-Raps- Bibliothek stöbern, in aktuellen Food-Magazinen blättern oder per Gewürz-App raffinierte Rezepte herunterladen.

Vielseitige Welt

Die Konzeption des Deutschen Gewürzmuseums beruht auf modernen Ansätzen aus den Museumspädagogik und dem Einsatz neuer Technologien. So führen beispielsweise Monitore und QR-Codes die Besucher auf Internet­seiten, die einzelne Themen vertiefen oder Rezepte zum Nachkochen anbieten. »Wir wollten das vielschichtige Thema Gewürze spannend und erlebbar inszenieren – und sind begeistert, auf welchen Zuspruch das Museum seit seiner Eröffnung im Oktober 2015 stößt«, resümiert Sigrid Daum, Geschäftsführerin des Gewürzmuseums.

Apotheker als Experte

Gefördert wird das Gewürzmuseum durch die Adalbert-Raps-Stiftung. Ihr Gründer, der 1888 geborene Apotheker Adalbert Raps hatte eine große Leidenschaft für Heil- und Gewürzpflanzen. Er beschäftigte sich als Unternehmer zeitlebens intensiv mit dem Thema Gewürze in der Heilkunde, aber auch mit deren Einsatz in der Industrie. Eine der zentralen Aufgaben der Adalbert-Raps-Stiftung ist es heute, zu Ehren des Stifters neben sozialen Projekten auch das Wissen über Gewürze zu fördern und entsprechende Forschungsvorhaben zu unterstützen.

»Sich für das Kulmbacher Gewürzmuseum einzusetzen, ist für uns Ehrensache«, betont Frank Kühne, Vorstand der Adalbert-Raps-Stiftung. /

Ausflugsziel Kulmbacher Mönchshof

Das Gewürzmuseum ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Für Gruppen, beispielsweise PTA-Schüler, sind nach Vereinbarung besondere Öffnungszeiten möglich. Der Eintrittspreis beträgt regulär 6 Euro, für Kinder unter 6 Jahren ist der Eintritt frei, und für Jugendliche, Senioren und Gruppen ab zehn Personen gibt es Ermäßigungen.

Neben der Welt der Gewürze haben auch das Bayerische Brauereimuseum und das Bäckereimuseum im Kulm­bacher Mönchshof ein Zuhause gefunden. Das ehemalige Brauereigelände bietet ideale Voraussetzungen für Tagesausflüge: Das Kombi-Ticket für alle drei Museen kostet 12 Euro. Unter dem Motto »Bier, Brot & Gewürze« stellen die Museen im Mönchshof gerne individuelle Tagesprogramme für Gruppen zusammen. Und für alle, die noch viel mehr erfahren wollen, bietet das Museumspädagogische Zentrum immer wieder Vorträge, Koch-Workshops, Brau-Seminare und viele weitere Events an. Weitere Informationen unter www.kulmbacher-moenchshof.de