PTA-Forum online

Fast die Hälfte aller Infarkte verläuft stumm

06.06.2016
Datenschutz

Von Elke Wolf / Atemnot, Schmerzen und Brennen in der Brust gelten als klassische Symptome, die einen Herzinfarkt begleiten. Doch bei vielen fehlen diese typischen Beschwerden.

Laut einer aktuellen Studie an der Wake Forest School of Medicine in Winston-Salem (USA) verläuft sogar fast jeder zweite Herzinfarkt »stumm«. Doch auch dabei wird der Herzmuskel irreversibel geschädigt, und das Risiko der Patienten zu versterben ist ebenfalls erhöht.

Die Studie, deren Ergebnisse im Fachmagazin Circulation veröffentlicht wurden, schloss insgesamt 9498 Personen im Durchschnittsalter von 55 Jahren ein. Ihr EKG war unauffällig, und bezüglich kardiovaskulärer Erkrankungen galten sie als gesund. Bei späteren Untersuchungen über einen Zeitraum von durchschnittlich neun Jahren erlitten 386 Patienten einen Herzinfarkt, der sich durch typische Beschwerden ankündigte und den Ärzte als solchen erkannten. Innerhalb von neun Jahren verliefen fast genauso viele Infarkte jedoch im Stillen. Das zeigte ein abschließendes EKG. 317 Patienten hatten demnach offensichtlich einen Herzinfarkt erlitten, den niemand bemerkt hatte. Von insgesamt 703 Infarkten verlief somit fast jeder zweite Infarkt (45,1 Prozent) stumm und unbemerkt.

Sowohl bei der Häufigkeit als auch bei der Prognose machten die Wissenschaftler um Zhu-Ming Zhang geschlechtsspezifische Unterschiede aus. So hatten Männer mehr Herzinfarkte erlitten als Frauen, und zwar unabhängig davon, ob sie stumm (SMI) oder mit klinischer Symptomatik (CMI) verliefen. Die Inzidenzen pro 1000 Personenjahre betrugen 5,08 und 7,96 versus 2,93 und 2,25. Bei Frauen war das Verhältnis zwischen der stummen und klinischen Variante also relativ ausgeglichen. Allerdings lag das Risiko, an dem Infarkt zu versterben, bei Frauen höher, und zwar unabhängig davon, ob sich der Herzinfarkt bemerkbar machte oder nicht. /