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Tiergesundheit

Für gesunden Biss

06.06.2016
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Von Katja Renner / Immer mehr Tierbesitzer achten fürsorglich auf die Gesundheit ihrer Tiere. Ein Parameter für einen guten Allgemeinzustand von Hund und Katze ist das Gebiss. Auch bei Tieren ist Zahnprophylaxe deshalb ein Thema.

Vor zwanzig Jahren hat noch niemand an die Zahngesundheit seiner Tiere gedacht. Tierärzte weisen darauf hin, dass Erkrankungen des Zahnfleischs und des Kauapparates maßgeblich den Gesundheitszustand des Tieres beeinträchtigen können. Naturgemäß wimmelt es im Maul eines Hundes von zahlreichen Keimen, überwiegend von Bakterien, die zur Mundflora gehören. Die Mundhygiene eines Tieres funktioniert durch den Speichelfluss, Abrieb der Zähne beim Fressen und Nagen und das körpereigene Immunsystem. Wenn diese Mechanismen aus dem Gleich­gewicht geraten, entstehen wie beim Menschen Plaques aus Nahrungs­resten, Bakterien und Speichelbestandteilen, die die Zähne überziehen. Mit der Zeit verhärten diese Plaques zu Zahnstein und Entzündungsprozesse am Zahnfleisch setzen ein.

Aktuellen Studien zufolge haben etwa 80 Prozent der Tiere, die älter als drei Jahre sind, Parodontalerkrankungen. Diese äußern sich in typischem Geruch aus dem Maul, entzündetem Zahnfleisch und lockeren Zähnen. Außerdem bergen Parodontalerkrankungen das Risiko, dass die Bakterien in andere Organe streuen, zum Beispiel Herz oder Nieren. Zeitige Vorsorge könnte diese Prozesse verhindern oder erheblich einschränken. Der wichtigste Partner bei der Erhaltung der Zahngesundheit von Hund oder Katze ist immer der Mensch: der Tierbesitzer und auch der Tierarzt!

Die Basis der Prophylaxe besteht in der jährlichen Zahnkontrolle beim Tierarzt. Im Rahmen der regelmäßigen Impfungen wirft dieser normalerweise immer auch einen Blick ins Maul. Bemerkt er dabei Auffälligkeiten, schlägt er therapeutische Maßnahmen vor.

Konsequente Hygiene

In der Praxis behandeln Tierärzte Zahnfehlstellungen, Erkrankungen der Zähne oder des Zahnfleisches ähnlich professionell wie der Zahnarzt. Sie ziehen oder füllen Zähne und führen bei Entzündungen auch Wurzelbehandlungen durch. Diese Möglichkeiten entlassen die Halter von Hund und Katze jedoch nicht aus ihrer Pflicht, zu Hause auf konsequente Hygiene zu achten. Die Zahnpflege beginnt am besten schon bei den Welpen. Das Zähneputzen gilt übrigens nicht nur für Hunde, sondern auch für Katzen. Dazu konditioniert der Besitzer sein Tier so früh wie möglich, am besten schon im Welpenalter. Wenn das Tier die Zahnpasta auf der Fingerzahnbürste toleriert, wird es anschließend mit einem Leckerchen belohnt. So wird das Tier auch später die Zahnpflege bereitwillig mitmachen. In der Regel reicht das Bürsten der Zahnaußenseiten. Schon 30 Sekunden täg­liches Zähneputzen bringt einen hohen Nutzen für die Zahngesundheit. Zur Zahnfleischpflege stehen Gele zur Verfügung. Diese Orodukte enthalten oft Aromen, die die Tiere mögen, um deren Akzeptanz zu erhöhen. Auf das Zähneputzen sollte eine Fresspause folgen.

Auch permanentes Füttern erschwert die Zahnpflege. Besser ist es, die Tiere nur an ein bis zwei Mahlzeiten täglich zu gewöhnen. Gewöhnliche Zwischenmahlzeiten oder Leckerlies können die Zahnsteinbildung forcieren, besser sind Kaustangen oder Kaustreifen. Interessant ist, dass Hunde kleiner Rassen eher zu Parodontitis neigen. Zähneputzen ist bei diesen Tieren also besonders wichtig. Sträubt sich das Tier heftig gegen das Zähneputzen, können ihm die Besitzer regelmäßig Kaustangen anbieten. Diese reinigen mechanisch das Zahnfleisch und die Zähne und fördern den Speichelfluss. Meist enthalten diese Produkte unterstützende wertvolle Milcheiweiße, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.

Vorsicht beim Spielen

Unter dem Blickwinkel der Zahngesundheit sind nicht alle Spiele für Hunde geeignet. Tierzahnärzte raten von Zerrspielen mit Stöcken oder Knochen ab, denn die Gefahr ist groß, dass Druck und Zug zu Frakturen oder Fehlstellungen führen. Herausgeschlagene Zähne können wie beim Menschen wieder eingesetzt werden, wenn sie direkt in Milch eingelegt oder in sogenannten »Zahnrettungsboxen« aus der Apotheke aufbewahrt zeitnah in die Tierarztpraxis gebracht werden. Auch das Spiel mit einem Tennisball, den der Hund im Maul apportiert, ist nicht ideal für die Zähne, da sich in dem Flor der Bälle häufig Sand sammelt, der auf den Zahnschmelz abrasiv wirkt.

Zahnwechsel beobachten

Katzen und Hunde haben zunächst ein Milchzahngebiss. Im Welpenalter von acht Wochen sollten die Besitzer darauf achten, dass die Milchzähne vollständig vorhanden sind. Hunde haben 14 Zähne im Unterkiefer und 14 Zähne im Oberkiefer, Katzen 14 Zähne im Unterkiefer und 12 Zähne im Oberkiefer. Mit etwa fünf bis sieben Monaten machen Hunde und Katzen einen Zahnwechsel durch. In dieser Zeit sollte der Halter dem Tier täglich ins Maul schauen und beobachten, ob die Zähne von alleine ausfallen. Wenn sich die neuen Zähne unter die Milchzähne schieben, entstehen immer mal wieder Fehlstellungen, die durch frühzeitiges Ziehen vermieden werden können. Wie beim Menschen sind auch bei manchen Tiergebissen fehlende Zähne nicht richtig im Kiefer angelegt und können deshalb nicht ausbrechen. Solche Befunde klärt der Tierarzt durch eine Röntgenuntersuchung. Da im Kiefer verkapselte Zähne das Risiko der Zystenbildung bergen, sollten sie chirurgisch entfernt werden. /

Anzeichen für Zahnprobleme bei Hund und Katze

  • gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch
  • verlängert erscheinende Zähne beziehungsweise Zahnfleisch­verlust
  • vermehrte Speichelbildung (»sabbern«)
  • Zahnverfärbungen
  • Zahnstein
  • Mundgeruch
  • einseitiges Kauen
  • Bevorzugung weicher Nahrung beziehungsweise Verweigern von Nahrung
  • Kratzen mit der Pfote an der Schnauze