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Metformin verändert die Darmflora positiv

06.06.2016
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Von Annette Immel-Sehr / Metformin ist ein Standardmedikament in der Behandlung des Typ-2-Diabetes. Aktuelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Arzneistoff seine positiven Wirkungen zumindest zum Teil durch einen bisher unbekannten Wirkmechanismus entfaltet: Er beeinflusst die Darmflora.

Wie neue Studien zeigten, gibt es offenbar Unterschiede zwischen Diabetikern und Nicht-Diabetikern in der Zusammensetzung der Darmflora: Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes ist die Vielfalt an Bakterien reduziert – insbesondere der Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren wie Buttersäure oder Pro­pionsäure bilden. »Diese Fettsäuren haben normalerweise einen günstigen Einfluss auf den Blutzucker«, erläutert Professor Günter Stalla, Leiter der Inneren Medizin, Endokrinologie und Klinischen Chemie am Max-Planck-Institut für Psychiatrie München und Präsident der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). »Der Mangel an diesen Bakterien könnte deshalb die Blutzuckerstörung beim Typ-2-Diabetes verstärken«, fügt er hinzu. Metformin mache diese Entwicklung teilweise rückgängig. Der Endokrinologe hält es für durchaus möglich, dass die Wirkung im Darm einen Teil der Blutzuckersenkung durch Metformin ausmacht und zu den vielfäl­tigen positiven Wirkungen des Medi­kaments beiträgt. Leider fördert Metformin aber auch die Vermehrung von E. coli-Bakterien. »Es kommt zu einem Ungleichgewicht der Darmflora, das für die Blähungen und andere Darm­beschwerden mitverantwortlich sein könnte, über die viele Patienten unter der Behandlung mit Metformin klagen«, vermutet Stalla. »Wir müssen jetzt nach Wegen suchen, um die ungünstigen Auswirkungen von Metformin zu hemmen, ohne die günstige Wirkung zu schwächen.« Ein Weg könnte die Behandlung mit probio­tischen Bakterien sein. /