PTA-Forum online
Arzneipflanzenporträt

Kamille

Die Kamille (Matricaria recutita L.) stammt aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae).
Annette Immel-Sehr
01.06.2017
Datenschutz

Merkmale

  • Einjährige krautige Pflanze, 20 bis 50 cm hoch;
  • An den Stängeln zwei- bis dreifach gefiederte Blätter;
  • Blütenköpfchen: gelbe Röhrenblüten, umgeben von circa 15 weißen Zungenblüten; kegelförmig gewölbter hohler Blütenstandsboden;
  • Blütezeit: Mai bis September

Heimat

Süd- und Osteuropa sowie Vorderasien

Heute in ganz Europa, Nordamerika und Australien verbreitet, vor allem auf Ödland und Schuttplätzen, an Wegrändern und Feldrainen

Hauptanbauländer: Bulgarien, Ungarn, Ägypten, Argentinien

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

Getrocknete Kamillenblüten (Matricaria flos),

Im Europäischen Arzneibuch des Weiteren: Kamillenfluidextrakt (Matricaria extractum fluidum) und Kamillenöl (Matricaria aetheroleum)

Inhaltsstoffe

  • Ätherisches Öl mit α-Bisabolol (Hauptinhaltsstoff), Bisabololoxiden, Matricin und En-in-Dicycloether;
  • Flavonoide, Phenolcarbonsäuren, Schleimstoffe;

Das breite Wirkungsspektrum der Kamille beruht auf den lipophilen und hydrophilen Inhaltsstoffen, die sich in ihrer Wirkung ergänzen. Nur ein alkoholisch-wässriger Kamillenextrakt hat die in der Mono­graphie Matricariae flos aufgeführten pharmakologischen Eigenschaften.

Anwendung

  • innerlich: entzündliche Erkrankungen und Krämpfe im Magen-Darm-Bereich, zum Beispiel bei Gastritis;
  • äußerlich: Haut- und Schleimhautentzündungen, einschließlich Mundhöhle sowie Anal- und Genitalbereich,
  • Wundbehandlung bei oberflächlichen Hautverletzungen.
  • Erkrankungen der Atemwege, der Stirn- und Nebenhöhlen (Inhalation)

Empfohlene Dosierung

3- bis 4-mal täglich 1 Tasse frisch bereiteten Kamillentee zwischen den Mahlzeiten warm trinken oder als Mundspülung oder zum Gurgeln verwenden;

Badezusatz: 50 g Kamillenblüten auf 10 L Wasser oder einige Tropfen Kamillenöl;

Inhalation: eine Handvoll Kamillenblüten oder einige Tropfen Kamillenöl auf heißes Wasser geben

Nebenwirkungen

Selten: Allergien

Wechselwirkungen

Nicht bekannt

Abgabehinweis

Als Arzneimittel ist der alkoholisch-wässrige Kamillenextrakt ist dem Tee vorzuziehen, da er sowohl die lipophilen als auch die hydrophilen Inhaltsstoffe der Kamille enthält.

Bei bestehender Allergie gegen Korbblütler (Asteraceae) keine Kamillenzubereitungen anwenden. Es besteht die Gefahr einer Kreuzallergie.

Zubereitung

1 bis 2 TL Droge mit einer Tasse heißem Wasser über­gießen, 10 Minuten ziehen lassen

Historisches

  • 1882: Das Deutsche Arzneibuch DAB 2 führt die Blüten der Echten Kamille (Matricaria recutita L. oder Chamomilla recutita L.)
  • 1921: erstes Patent für die Herstellung von Kamillenextrakt
  • 1930er-Jahre: erste pharmakologische Studien mit Kamillenextrakt

Beispiele für Monopräparate

  • Frühmesner® veganes Kräuter Ölbad Kamille
  • Kamillin® Robugen
  • Kamillosan®
  • Spitzner® Balneo Kamille Ölbad

 

Beispiele für Kombipräparate

  • Iberogast® Tinktur
  • Kamillin® Mundspray Robugen
  • Myrrhinil® Intest Dragees
  • Weleda Bio Bäuchlein-Tee
  • Zirkulin® Propolis-Hautsalbe