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OTC-Beratungscheck

Povidon-Iod

01.06.2017
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Kontraindikationen, Neben- und Wechselwirkungen: OTC-Arzneimittel sind nicht weniger beratungsintensiv als verschreibungspflichtige. In der Serie »OTC-Beratungscheck« fasst PTA-Forum die wichtigsten Hinweise zu einem ausgewählten OTC-Präparat für die Beratung übersichtlich zusammen. In dieser Ausgabe: Povidon-Iod zur Wundbehandlung.

Arzneistoffgruppe

  • Antiseptika zur Wundbehandlung

Präparate/Darreichungsformen

  • Salben: zum Beispiel Betaisodona®, Braunovidon®, Polysept®, PVP-Jod-ratiopharm®; auch als imprägnierter Verband: Betaisodona® Wundgaze Salbengaze, Braunovidon®Salbengaze
  • Lösung: zum Beispiel Braunol®, Mercuchrom®, Polysept®

Indikation

Wiederholte, zeitlich begrenzte Anwendung bei geschädigter Haut, zum Beispiel Dekubitus, Ulcus cruris, oberflächlichen Wunden, Verbrennungen und Verbrühungen, bei Schnitt- und Schürfwunden, Verbrennungen, infizierten und superinfizierten Hauterkrankungen

Dosierung/Anwendung

  • Mehrmals täglich Salbe gleichmäßig auftragen, falls erforderlich anschließend Verband auflegen.
  • Häufigkeit und Dauer der Anwendung richten sich nach dem Heilungsverlauf.
  • Lösung unverdünnt auf die zu behandelnden Stellen auftragen.

Kontraindikationen/Warnhinweise

  • Nicht bei Überempfindlichkeit gegen Iod (Iodallergie), bei Schilddrüsenerkrankungen, vor und nach einer Radioiodanwendung, bei Neugeborenen und Säuglingen bis 6 Monaten
  • Wegen der oxidierenden Wirkung von Povidon-Iod können verschiedene Diagnostika (zum Beispiel o-Toluidin, Guajakharz) falsch positive Ergebnisse liefern.
  • Wegen der Gefahr von Verätzungen durch Quecksilberiodid keine gleichzeitige Anwendung mit Quecksilberde­ri­vaten

Nebenwirkungen

  • Sehr selten: Kontaktallergische Reaktionen vom Spättyp,
  • Störungen der Schilddrüsenfunktion: bei großflächiger, wiederholter Anwendung nicht auszuschließen.
  • Einzelfälle nach Resorption größerer Mengen, etwa bei Verbrennungsbehandlung: Elektrolyt- und Serumosmolaritätsstörungen, metabolische Azidosen

Wechselwirkungen

  • Iod reagiert mit Quecksilberderivaten: Es bildet sich lokal stark toxisches, ätzendes Quecksilberiodid.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung mit enzymatischen Wundbehandlungsmitteln wird Enzymkomponente oxidiert und so unwirksam.
  • Povidon-Iod darf nicht zusammen mit Taurolidin und Wasserstoffperoxid angewendet werden.
  • Bei gleichzeitiger Lithium-Therapie nicht regelmäßig anwenden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Iod ist gut plazentagängig. Eine vermehrte Aufnahme von Iod während der Schwangerschaft kann zu Funktionsstörungen der fetalen Schilddrüse führen. Iodhaltige Desinfizienzien dürfen daher in der Schwangerschaft nur kleinflächig für wenige Tage angewendet werden. Die Spülung von Körperhöhlen mit iodhaltigen Lösungen sollte unterbleiben. Besser erprobte Alternative ist zum Beispiel Chlorhexidin.

 

Iod wird stärker als jedes bisher untersuchte Medikament in der Muttermilch angereichert. Die wiederholte Desinfektion von großen Hautflächen kann zu einer Anreicherung in der Muttermilch führen und eine vorübergehende Hypothyreose beim Säugling verursachen. Povidon-Iod sollten Stillende nur kurzfristig bei kleinen Wunden und nicht im Schleimhautbereich anwenden.

Hinweis

Der Beratungscheck zeigt eine Auswahl an Arzneimittelinformationen. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Weiterführende Informationen finden Sie unter anderem in den entsprechenden Fachinformationen, der Roten Liste sowie auf www.embryotox.de