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Hilfsmittel zur Verhütung

Hormonfreie Familienplanung

30.05.2018
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Von Edith Schettler / Nicht wenige Frauen möchten ohne die Pille­ verhüten. Doch die wenigsten natürlichen Ver­hütungs­methoden sind genauso zuverlässig. Für eine hohe Sicher­heit kommt es entscheidend auf die sichere und fehler­freie Anwendung der Produkte an. Eine qualifizierte Beratung in der Apotheke hat deshalb einen hohen Stellenwert.

In der griechischen und römischen Antike war die Verhütung meist eine Ange­legenheit der Frauen, die sich hauptsächlich untereinander berieten und nur selten einen Arzt zu diesem Zweck konsultierten. Nicht nur Prostituierte, die den mit einer Schwangerschaft verbundenen Verdienstausfall fürchteten, sondern auch verheiratete Frauen, vor allem aus ärmeren Be­völkerungsschichten, wollten nicht schwanger werden. Sie benutzten unter anderem schon Pessare, die mit einem­ Honiggemisch eingerieben wurden und den äußeren Muttermund ringförmig umschlossen. Giacomo Casanova­ (1725–1798) soll im 18. Jahrhundert die Verwendung von Zitronen als Verhütungsmittel erfunden haben: Eine halbierte Zitrone wird ausgepresst und die umgedrehte Schale wie eine Kappe über den Muttermund gestülpt.

Auf dem gleichen Prinzip wie die von Casanova verwendete Zitronenschale oder die Pessare der römischen Frauen beruht die Wirkungsweise einiger­, auch heute noch verwendeter Produkte, die Barrieren schaffen.

Das Diaphragma oder Scheiden­pessar (beispielsweise Medesign Diaphrag­ma) besteht aus einer gewölbten Membran aus Latex oder Silikon­, die in einen ebenfalls mit Latex oder Silikon über­zogenen Spiralring gespannt ist. Bis zu zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr legt es die Frau so ein, dass es den Muttermund voll­ständig umschließt. Vor der ersten Anwend­ung bestimmt ein Gynäkologe oder eine Hebamme die notwendige Größe und schult die Frau in der rich­tigen Handhabung. Nach dem Sex darf das Diaphragma nach frühestens acht Stunden wieder entfernt werden, wenn sich keine befruchtungsfähigen Spermien mehr in der Scheide be­finden. Pessare sind mehrfach verwendbar und werden nach Gebrauch mit Wasser und Seife gereinigt und an der Luft getrocknet.

Caya® stellt eine Weiterentwicklung des Diaphragmas dar. Es hat den Vorteil, dass sich eine Größe für alle Frauen eignet­. Das Produkt muss nicht passgenau eingelegt werden, denn die Silikonmembran bedeckt den Muttermund vollständig. Es enthält kein Latex­ und kann bis zu 24 Stunden getragen werden.

Die Verwendung eines Diaphragmas setzt etwas Übung voraus. Der Pearl-Index, das heißt der Prozentsatz der Frauen, die bei Anwendung dieser Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres ungewollt schwanger werden, liegt je nach Routine der Anwenderin zwischen 1 und 20.

Etwas sicherer mit einem Pearl-Index­ von 2 bis 18 ist die Portiokappe. Sie besteht aus Latex oder Silikon und ähnelt in ihrer Form dem Diaphragma, umschließt aber zusätzlich den Ge­bärmutterhals. Auch die Anwendung ähnelt der des Diaphragmas. Portiokappen gibt es ebenfalls in verschiedenen Größen. Einige Hersteller bringen zum leichteren Entfernen eine Fingerschlaufe an (zum Beispiel FemCap®). Wie das Diaphragma kann auch die Portiokappe nicht nur zur Verhütung, sondern auch zur künstlichen Insemination benutzt werden. Dazu wird sie mit dem Sperma eines Spenders gefüllt und auf den Muttermund aufgesetzt. Dieses Vorgehen erleichtert den Spermien das Aufsteigen in die Gebärmutter.

Für alle diese Barriereprodukte stellte­ sich in Studien heraus, dass sie bei Frauen, die noch keine Kinder geboren haben, wesentlich sicherer sind, weil sie vermutlich fester auf dem Muttermund sitzen als bei Frauen, die schon Kinder zur Welt gebracht haben.

Kondome für Mann und Frau

Die einzigen Barriereprodukte, die sowohl vor einer Schwangerschaft als auch vor Infektionen wie HIV, Hepatitis B, Gonorrhoe oder Syphilis schützen, sind Kondome. Das Kondom für den Mann ist immer noch die beliebteste nichthormonelle Verhütungsmethode. Sie existiert seit vielen Jahrhunderten. Bis vor etwa 100 Jahren wurden Kon­dome aus Fischblasen oder den Blinddärmen von Schafen hergestellt. Da diese Materialien nicht elastisch waren­, musste eine angenähte Schleife das Abru­tschen verhindern. Zudem war es damals üblich, das Kondom nach Gebrauch zu reinigen und wieder zu verwenden.

Nach der Erfindung der Vulkanisa­tion von Naturkautschuk im Jahr 1893 kamen mit vielen anderen Gummi­produkten auch Kondome aus Latex auf den Markt. Bald wurden sie als Massenartikel industriell gefertigt. Ihre Herstellung gelang immer dünner und elastischer, so dass die Dauerkondome verschwanden und Platz machten für die hygienischeren Einwegprodukte. Heute sind sie in den verschiedensten Größen, Farben, Aromen und mit unterschiedlich gestalteten Oberflächen zu haben, so dass für jede Vorliebe etwas­ dabei ist. Für Latexallergiker sind Kondome aus Polyisopren wie Durex® Natural Feeling erhältlich.

Das Kondom für die Frau (zum Beispiel Femidom®) kam erst in den 1990er-Jahren auf den Markt. Es ist vor allem in Ländern verbreitet, in denen die Verhütung aus traditionellen Gründen nach wie vor Frauensache ist. Frauen­kondome bestehen aus Polyethylen, Polyurethan oder Nitrilkautschuk. Ein Schlauch verbindet zwei Kunststoffringe, von denen einer wie ein Pessar um den Muttermund herum platziert wird. Am anderen Ring ist das Kondom geöffnet, dieser liegt auf der Vulva außerhalb der Scheide. In der Anwend­ung ist es wesentlich anspruchsvoller als das Kondom für Männer­. Mit einem Finger muss die Frau überprüfen, ob das Kondom glatt an den Scheidenwänden anliegt. Nach dem Geschlechtsverkehr ist der äußere Ring ein- bis zweimal zu drehen und dann das Kondom herauszuziehen.

Der Pearl-Index für das Männer-Kondom liegt zwischen 2 und 12, der für das Femidom zwischen 5 und 25.

Zur Verbesserung der Wirksamkeit wird eine spermizide Creme oder ein Gel mit Nonoxinol-9, Benzalkoniumchlorid, Milch- oder Zitronensäure auf den Rand des Diaphragmas, die Portiokappe oder das angelegte Kondom aufge­tragen. Die Verträglichkeit des Spermizids mit dem Material des Barriere­produktes gibt meist der Hersteller­ an, so ist beispielsweise Latex­ mit fetthaltigen Produkten inkompatibel.

Basaltemperatur und Hormone

Eine weitere Möglichkeit der Familienplanung besteht darin, die fruchtbaren Tage im Zyklus der Frau zu bestimmen. Die Chance oder die Gefahr, schwanger zu werden, ist am Tag des Eisprungs am größten. Beachtet man zusätzlich die Lebensdauer der Spermien und der Eizelle, so liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Befruchtung 60 Stunden vor bis 24 Stunden nach dem Eisprung am höchsten. Um den Zeitpunkt der Ovulation vorherzusagen, können die Ver­änderung der Körpertemperatur der Frau, der Viskosität des Zervixschleims oder der Konzentration der Estrogene und der Hormone FSH (Follikel stimu­lierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon) herangezogen werden.

Die Basaltemperaturmethode beruht auf der vaginalen oder rektalen Messung der Körpertemperatur morgens, direkt nach dem Aufwachen, möglichst immer zur selben Zeit. Diese Methode erfordert viel Disziplin, denn zunächst müssen die Temperatur­kurven über mindestens sechs Monate aufgezeichnet werden, um die fruchtbaren Tage zu errechnen. Der Tem­peratursprung um 0,5 °C findet nach dem Eisprung statt, demzufolge ist der Zeitpunkt für die Ovulation nur vor­her­sag­bar, wenn die Zykluslänge möglichst stabil ist. Für Frauen mit unregelmäßiger Zyklusdauer eignet sich die Methode nicht. Zur Messung kann die Frau ein spezielles Frauenthermometer wie das Einschlussthermometer Gera­therm® basal oder das Digital­thermometer Geratherm® basal digital benutzen. Diese Thermometer unterscheiden sich von Fieberthermometern durch ihre höhere Genauigkeit von +/- 0,10 °C und den kleineren Mess­bereich der Analogvariante zwischen 35,60 und 38,40 °C. Die Ablesegenauigkeit beträgt zwei Nachkommastellen, sodass der Temperaturanstieg um 0,5 °C gut erfasst wird. Die Ermittlung der Basaltemperaturkurve ist auch computergestützt mit einem Messfühler möglich (Daysy®, Lady-Comp® baby).

Teststreifen, die im Morgenurin messen, zeigen die Konzentrations­änderung der Hormone im Verlauf des Zyklus an. Verhütungs- oder Fertilitätsmonitore werten die Messwerte aus und erstellen eine individuelle Konzentrationskurve. Liegen mehrere Monatskurven vor, kann das Gerät die Wahrschein­lichkeit für die aktuelle Fruchtbarkeit errechnen. Verhütungsmonitore nutzen dafür die Bestimmung von Estrogen-3-Glucuronid und LH (Persona®). Einige Geräte bestimmen zusätzlich zu den Hormonen auch die Basal­temperatur (Cyclotest® 2 plus). Geräte wie Clearblue® Advanced Fer­tilitäts­monitor bieten darüber hinaus die Möglichkeit für einen Schwangerschaftstest. Kombigeräte, zum Beispiel Cyclotest® myWay, erfassen die Basaltemperatur, die LH-Konzentration und die Viskosität des Zervixschleims (symptothermale Methode). Der Pearl-Index der Ver­hütungscom­puter liegt nach Herstellerangaben zwischen 0,7 und 6.

Eine Besonderheit stellen Ovula­tions­mikroskope wie Geratherm® ovu control dar. Ein Mini-Mikroskop mit 50-facher Vergrößerung in Lippen­stift­form lässt die Salzkonzentration des Speichels erkennen, die während der fruchtbaren Tage am höchsten ist.

Die mit Abstand sicherste nicht­hormonelle Verhütungsmethode ist die Verwendung von Intrauterinpessaren (IUP). Der Pearl-Index liegt mit 0,9 bis 3 zwar immer noch deutlich über dem von Hormonspirale (0,05 bis 0,1) und Pille (0,1 bis 0,9), erreicht jedoch fast die Sicherheit der Minipille (0,14 bis 3). Für Frauen, die eine Schwangerschaft mit hoher Sicher­heit ausschließen, aber auf Hormone­ verzichten möchten, ist das IUP die einzige sinnvolle Methode, wenn eine Sterilisation nicht infrage kommt.

Im Allgemeinen können die Produkte fünf Jahre im Uterus verbleiben. Während dieser Zeit muss das Paar nicht regelmäßig an die Verhütung denken, Anwendungsfehler sind ausgeschlossen. Allerdings berichten viele Frauen über eine deutlich stärkere Monats­blutung und Regelschmerzen. Daneben besteht die Gefahr einer Perfor­ation des Uterus durch das Produkt sowie ein erhöhtes Risiko für Ent­zündungen im Beckenraum. Frauen mit späterem Kinderwunsch sollten wegen der Gefahr einer aus diesen Kompli­ka­tionen resultierenden Sterilität nicht mit den klassischen IUP verhüten.

Hormonfreie IUP enthalten meist Kupfer, das sich in der Flüssigkeit des Uterus in Ionenform löst und Beweglichkeit und Lebensdauer der Spermien herabsetzt. Kupferlegierungen mit Gold- oder Silberanteil haben eine längere Haltbarkeit und wirken außerdem antimikrobiell. Zusätzlich lösen die in den Uterus eingebrachten Fremdkörper Mikroentzündungen aus, in deren Folge zytotoxische Enzyme die Einnistung der Blastozyste verhindern. IUP setzt der Gynäkologe ein. Er entscheidet auch über die geeignete Form und Größe des Produkts. Zur Wahl stehen Formen wie das Kupfer-T, die Lippes­-Schleife, Saf-­­T-Coil oder Dana-super. Erst seit wenigen Jahren sind zwei weiterentwickelte Produkte in Deutschland auf dem Markt. Die Kupferkette (GyneFix®) wird am oberen Teil des Uterus fixiert und soll durch ihre Flexibilität besser verträglich sein. Der Kupfer­perlen­ball (IUB®) besteht aus einem biegsamen Draht mit Kupfer­perlen, der sich der Form der Gebärmutter anpasst und die Verletzungs­gefahr für den Uterus minimiert. Mit diesen beiden IUP können nach Herstellerangaben auch junge Frauen sicher verhüten. /