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PTA-Beruf feiert 50. Geburtstag

30.05.2018
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Bettina Schwarz / Ein Hoch auf die »68er Bewegung« in der Apotheke. Der Tag der Apotheke bot für den Bundesverband PTA e. V. (BVpta) in diesem Jahr Anlass, einen besonderen Geburtstag zu bejubeln: Den Fünfzigsten der PTA – der heute größten Berufsgruppe in der Apotheke! Über 65 500 Pharmazeutisch-tech­nische AssistentInnen inklusive Praktikanten sind laut aktueller ABDA-Statistik (2016) in der öffentlichen Apotheke beschäftigt.

Am 18. März 1968 verabschiedete der Deutsche Bundestag das »Gesetz über den Beruf des PTA«. Die Geburtsstunde des »mittleren« pharmazeutischen Personals war besiegelt. Bedeutsamer hätte das Geburtsjahr nicht sein können. Vor allem die Bürgerrechts- und Studentenbewegungen sowie die Hippie-Welle prägten das Jahr. Insofern lässt sich der auflehnende Zeitgeist der 68er-Bewegungen auch auf die Entstehung des PTA-Berufs übertragen: Denn im weiteren »Geburtsverlauf« obsiegte eine Minderheit gegen den Widerstand all jener Apotheker, die diese Geburt zunächst wenig herbeisehnten.

Während einige Apotheker mit Weitblick für die Notwendigkeit von PTA warben, sahen viele darin eine Abwert­ung ihres Berufsstandes und Existenzbedrohung. 1961 sprach sich erstmals eine Mehrheit auf dem Apothekertag in Bad Wiessee für die PTA aus, doch es folgten weitere Jahre des Ringens. 1965 versuchte noch der Bundes­verband der Angestellten in Apothe­ken (BVA), ehemals Vorgänger der heutigen Apothekengewerkschaft Adexa, per Aufruf an seine Mitglieder die Einführung des PTA-Berufes aus den benannten Beweggründen abzuwenden. Wegebnend für die Geburt des PTA-Berufs war schließlich die vom Gesetzgeber angekündigte Novellierung des Pharmaziestudiums und der Approbationsordnung. Damit standen angehende Pharmazeuten erst mit dem zweiten Staatsexamen als ›Pharmaziepraktikanten‹ personell zur Verfügung.

Apothekenleiter mussten also eine Angestelltenlücke schließen und benötigten dringend eine bezahlbare Entlastung, da es jede Menge an Rezepturen und Defekturen herzustellen galt. Damit brach schließlich der Widerstand und die ersten ausgebildeten PTA nahmen in den 70er Jahren Einzug in deutsche Apotheken. Wer hätte damals ­gedacht, dass sich daraus einmal die personell stärkste Berufsgruppe in der Apotheke formieren würde.

Emanzipierung und Wandel des Berufsbildes

Stand die PTA in den ersten zwei Jahrzehnten noch absolut im Schatten des Apothekers, so wandelte sich das Bild langsam. Als ein erster Befreiungsschlag aus den Fesseln des von angestellten Apothekern dominierten BVA formierte sich 1980 durch einige Engagierte der PTA-Schule Isny ein eigener Interessenverband PTA (IVPTA), der heutige Bundesverband PTA (BVpta). Damit setzte die Berufsgruppe der PTA einen ersten Meilenstein in ihrer Emanzipierung. Was zunächst auf regionaler Ebene begann, entwickelte sich zu einer ernstzunehmenden Standesorganisa­tion für Berufspolitik und Fortbildung. 1992 wurde der bundesweite Status per Namenswechsel zum »Bundesverband PTA e. V.« (BVpta) besiegelt und die Geschäftsstelle nach Saarbrücken verlegt.

Die berufliche Ausübung definiert das PTA-Berufsgesetz von 1968 zwingend »unter Aufsicht« des Apothekers, was sich mit den Jahrzehnten in der Apothekenpraxis als unhaltbar erwies. Doch bis heute hat der Gesetzgeber dies nicht reformiert. Und dies, obwohl sich das Berufsbild der PTA seit den 80ern mit dem beginnenden Aufwind der Selbstmedikation, gefolgt von dem GKV-Modernisierungsgesetz (2004) und der Einführung der Rabattverträge (2007) mehr und mehr weg von Labor und Rezeptur hin zum Handverkauf orien­tierte. PTA wurden zu begehrten Fachkräften – sie leisten heute etwa 80 Prozent der Kundenberatung in der Apotheke. Inzwischen weist zumindest die Apothekenbetriebsordnung von 2012 einen realitätskonformeren Ansatz auf, wonach PTA unter anderem die Befugnis erteilt werden darf, bestimmte pharmazeutische Tätigkeiten, zum Beispiel die Beratung zu Arzneimitteln und Medizinprodukten, selbstständig auszuführen.

Herausforderungen der kommenden Jahre

Stetig qualifiziertes Fortbilden und die Weiterentwicklung der PTA in Beruf und Ausbildung sind auch im sechsten Berufsjahrzehnt unerlässlich. Damit steht dies auch weiterhin ganz oben auf der Agenda des BVpta. Bereits über 19 000 Registrierte nutzen regelmäßig die zertifizierten Fortbildungsange­bote des Verbandes, über 100 000 Zertifikate werden jährlich an PTA vom BVpta ausgestellt. Schließlich bedeutet eine sichere, kompetente Kundenberatung auf Basis von Fach- und Be­ratungswissen immer auch Verbraucherschutz. Insbesondere in Zeiten des Booms sozialer Medien und von »Dr. Google« ist es elementar geworden, dem dort erworbenen Laienwissen im Kundengespräch professionell und korri­gierend zu begegnen.

Dabei sind ebenso »soft skills« g­efragt: Ein offenes Ohr für Fragen, Einwände oder spezielle Kunden­be­dürfnisse und ein stets freundlich-sympathisches, empathisches Auftreten gehören zum modernen Berufsbild ­ der PTA.

Zukunftsorientierte Kompetenzprofile und Bildungsanforderungen müssen zudem unabdingbar und kongruent sowohl in einer Novellierung des PTA-Berufsgesetzes als auch in der 1997 zuletzt angepassten Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für PTA verankert werden. Der BVpta fordert dies seit langem­ und ist auf allen politischen Ebenen stark engagiert. Der sich seit 2017 seitens des Gesetzgebers abzeichnende Fortschritt gibt nun Grund zur Hoffnung auf eine baldige Anpassung.

Die Novellierung der Ausbildung soll dabei auch eine Anhebung der Aus­bildungszeit auf drei Jahre unter entsprechender Anpassung der Lehrpläne vorsehen. Eine solche Aufwertung der beruflichen Ausbildung ist nicht nur für eine Angleichung innerhalb des internationalen Bildungsrahmens für Assistenzberufe erforderlich. Er ist zudem von hohem Belang, um den Beruf der PTA bei jungen Menschen attraktiver zu machen und somit dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen, der nicht nur bei den Pflegeberufen dringend politisches und unternehmerisches Handeln fordert. Dabei muss auch die finanzielle Anerkenn­ung von Leistung und Fort­bildungswille von vielen Apotheken­leitern stärker berücksichtigt werden, um mit ausreichend qualifiziertem Personal­ künftig bestehen zu können.

Die kommenden Jahre werden insgesamt mit Blick auf die Entwicklung des Apothekenmarktes und dem Wandel durch die Digitalisierung viele neue interne Anforderungen in der Apotheke mit sich bringen. Doch PTA haben in den vergangenen 50 Jahren bewiesen, dass sie großen Herausforderungen gewachsen sind und werden dies zweifellos auch in Zukunft sein – mit Stolz auf ihren Beruf und gemeinsam mit dem BVpta. /

Zukunftsorientierte Kompetenzprofile und Bildungsanforderungen müssen zudem unabdingbar und kongruent sowohl in einer Novellierung des PTA-Berufsgesetzes als auch in der 1997 zuletzt angepassten Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für PTA verankert werden. Der BVpta fordert dies seit langem­ und ist auf allen politischen Ebenen stark engagiert. Der sich seit 2017 seitens des Gesetzgebers abzeichnende Fortschritt gibt nun Grund zur Hoffnung auf eine baldige Anpassung.

Die Novellierung der Ausbildung soll dabei auch eine Anhebung der Aus­bildungszeit auf drei Jahre unter entsprechender Anpassung der Lehrpläne vorsehen. Eine solche Aufwertung der beruflichen Ausbildung ist nicht nur für eine Angleichung innerhalb des internationalen Bildungsrahmens für Assistenzberufe erforderlich. Er ist zudem von hohem Belang, um den Beruf der PTA bei jungen Menschen attraktiver zu machen und somit dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen, der nicht nur bei den Pflegeberufen dringend politisches und unternehmerisches Handeln fordert. Dabei muss auch die finanzielle Anerkenn­ung von Leistung und Fort­bildungswille von vielen Apotheken­leitern stärker berücksichtigt werden, um mit ausreichend qualifiziertem Personal­ künftig bestehen zu können.

Die kommenden Jahre werden insgesamt mit Blick auf die Entwicklung des Apothekenmarktes und dem Wandel durch die Digitalisierung viele neue interne Anforderungen in der Apotheke mit sich bringen. Doch PTA haben in den vergangenen 50 Jahren bewiesen, dass sie großen Herausforderungen gewachsen sind und werden dies zweifellos auch in Zukunft sein – mit Stolz auf ihren Beruf und gemeinsam mit dem BVpta. /