PTA-Forum online
Aus dem Offizinalltag

Alle Jahre wieder ...

22.12.2008  10:40 Uhr

Aus dem Offizinalltag

Alle Jahre wieder ...

von Christina Jäger

Der Weihnachtsstress ist noch nicht vorbei, da planen viele Menschen schon die Ferien für das kommende Jahr. Beim Aufstellen des Jahresplans beginnt für das Apothekenteam die schwierige Aufgabe, alle Interessen unter einen Hut zu bringen und möglichst niemanden zu benachteiligen.

Das ist in der Theorie einfach, in der Praxis jedoch meist schwierig. Die Planung löst oftmals heftige Diskussionen aus und verursacht viel Reibung. So manche Ferien müssen leider hart erkämpft werden. Zu diesem Zeitpunkt zeigt sich, welchen Führungsstil die Chefin oder der Chef pflegen. In einigen Apotheken überlassen diese dieAuseinandersetzung lieber ganz dem Team, andere besprechen die Wünsche der einzelnen Mitarbeiter in einer großen Runde. Ist der Tag X gekommen und hat der neue farblose Planer die alte Übersicht mit vielen bunten Streifen für die Urlaubstage der einzelnen Mitarbeiter ersetzt, beginnt in manchen Apotheken das Gerangel frei nach dem Motto: »Auf in den Kampf, wer zuerst kommt, mahlt zuerst!«

Solch ein Vorgehen kann nicht im Interesse des Teams sein. Die Kollegen sollten ihre Urlaubsplanung untereinander absprechen können und gemeinsam nach der optimalen Lösung suchen. Doch auch das gelingt nicht immer auf Anhieb. In jeder Berufsgruppe müssen die Vertreter aufeinander Rücksicht nehmen. Da ist zum Beispiel Frau Müller, Apothekerin und Mutter zweier schulpflichtiger Kinder. Sie möchte nächstes Jahr mit ihrer Familie nach Afrika fliegen, natürlich in den Schulferien. Eigentlich kein Problem, wenn da nicht die unverheiratete Apothekerin Frau Förster wäre. Sie ist seit einem halben Jahr mit einem Lehrer liiert und aus dem Grund ebenfalls auf die Schulferien angewiesen. Jedem in der Runde leuchtet ein, dass sie gerne mit ihrem Lebenspartner zusammen Urlaub machen möchte. Die einfachste Lösung wäre, die beiden teilten sich die Schulferien, damit  jeder zu seinem Recht kommt. Doch jetzt mischt sich die Chefin ein. Frau Werner hat keine Kinder und könnte zwar die Ferien durcharbeiten. Aber nächstes Jahr würde sie gerne mit ihrem schulpflichtigen Patenkind in den großen Schulferien gemeinsam verreisen. Sie bedauert, dass sie in der Woche so wenig Zeit für die Neunjährige hat. Im Durschnitt verbringt sie wöchentlich über 40 Stunden in der Apotheke und sieht ihr Patenkind entsprechend selten. 

Es wird anstrengend

Spätestens jetzt ist allen klar, dass ihnen auch dieses Jahr wieder eine anstrengende Diskussion bevorsteht. Frau Werner versucht zu schlichten und schlägt vor, dass alle drei noch einmal zuhause in Ruhe über einen Kompromiss nachdenken. Bis zu den Sommerferien sei ja noch viel Zeit. Doch da wehrt sich Frau Müller, sie habe keine Zeit mehr zu verlieren. Die Flüge in der Schulzeit seien Mangelware, und sie müsse bald buchen. Auch ihr Mann müsse bereits am Jahresanfang seinen Urlaub einreichen. In dem großen Unternehmen funktioniere eine kurzfristige Urlaubsplanung nicht. Alle verstehen: Die Entscheidung muss in dieser Woche fallen. Doch damit hat Frau Förster Probleme. Sie möchte ihren neuen Freund mit der gemeinsamen Urlaubsplanung nicht unter Druck setzen und bittet sich etwas Zeit aus.

Frau Werner weiß auch noch nicht genau, ob  der Urlaub mit ihrem Patenkind in den Sommerferien klappen wird. Das Mädchen fährt mindestens drei Wochen mit den Eltern weg. Auch die Chefin wäre dankbar für mehr Zeit. 

Alternativen gesucht

»Ihre beiden Urlaubszeiten dürfen sich auf keinen Fall überschneiden«, wendet sich Frau Förster an die anderen approbierten Kolleginnen. »Sonst muss ich zehn Stunden pro Tag plus Notdienst und alle Samstage hintereinander arbeiten. Das ist mir eindeutig zu viel.« Danach brauche sie zu ihrem geplanten Urlaub noch Sonderurlaub, um sich von den Strapazen zu erholen. Jetzt schweigen alle verlegen. Was gibt es für Alternativen? »Vielleicht die Apotheke schließen?«, denkt Frau Förster laut. Diese Idee treibt der Chefin die Zornesröte ins Gesicht: »Können wir denn nicht einmal gemeinsam zu einer guten Lösung kommen? Jedes Jahr ist es dieselbe nervige Diskussion um die Urlaubstage in den Sommerferien. Das bin ich ziemlich leid.« Alle Urlaubswünsche seien verständlich und nachvollziehbar. »Doch wie sollen wir in den Schulferien unsere Kunden weiterhin gut beraten, wenn nur ein Viertel des Teams arbeitet?« Und sie gibt zu bedenken, schließlich sicherten die Patienten und Kunden den Umsatz der Apotheke und damit die Arbeitsplätze aller. »Bevor wir eine gute Lösung finden, sprechen wir vielleicht erst einmal über die Urlaubsplanung der PTAs?«, schlägt sie vermittelnd vor. 

Die drei PTA haben sich vor den Jahresplaner 2009 gestellt. Frau Meier, die dienstälteste, ergreift das Wort: »Mein Mann hat wie immer Betriebsferien im Juli. Wir möchten wie jedes Jahr nach Sylt fahren und zwar in den ersten drei Wochen der Sommerferien.« Alle wissen, dass das Ehepaar auf Sylt eine Ferienwohnung von Freunden nutzen kann. »Außerdem treffen wir uns seit zehn Jahren mit einem Ehepaar aus Hessen, mit dem wir uns sehr gut verstehen und immer gemeinsam Ausflüge machen. Die drei Wochen stehen bei mir fest!«

Frau Fritz, die diesen Beitrag und auch die Sturheit von Frau Meier schon aus den vergangenen Jahren kennt, reagiert sauer: »Ich habe die letzten drei Jahre immer auf Ihren Wunsch Rücksicht genommen und mich untergeordnet. Ich habe zwar keine Kinder und muss nicht in den Sommer-ferien Urlaub nehmen, aber ich möchte auch endlich einmal meinen Urlaub frei planen.« Nun mischt sich die dritte PTA im Bunde ein. Frau Hut ist allein erziehende Mutter und durch ihre beiden Kinder ebenfalls auf die Schulferien angewiesen.

Allerdings muss sie sich die Ferien mit dem Vater der Kinder teilen. »Der kann die Kinder nur in den letzten drei Wochen der Sommerferien nehmen«, beichtet sie. »Wenn ich in den ersten drei Wochen keine Ferien bekomme, müssten meine Kinder alleine zu Hause sein.«

Jetzt sind alle noch ratloser und schweigen. Ganz offentsichtlich wird es auch dieses Mal wieder schwierig, allen gerecht zu werden.

In diesem Moment wirft die PKA-Auszubildende mit leiser Stimme ein: »Ich kann ja auch nur in den Schulferien Urlaub machen.« Natürlich darf sie während der Schulzeit nicht fehlen. Die Stille nutzt die Pharmaziepraktikantin, um ihr Fortbildungsseminar anzukündigen, das ebenfalls in den ersten Ferienwochen stattfindet. »Ich bin so glücklich, dass ich eine Zusage bekommen habe.« Weiter lässt sie sich nicht über ihre Vorfreude auf das Seminar aus, denn sie blickt in die entsetzten Gesichter ihrer Kolleginnen. Schnell rettet sie die Situation und schlägt vor, die Fortbildung zu verschieben und sich für einen anderen Veranstaltungstermin anzumelden. 

Eine Lösung in Sicht

Frau Werner, die Chefin, ist über diesen Vorschlag sehr glücklich, denn die Pharmaziepraktikanten ist die erste, die ihre Kompromissbereitschaft signalisiert. Alle Wünsche zu erfüllen, ist tatsächlich utopisch. Die Kolleginnen einigen sich darauf, sich in Ruhe zu Hause noch einmal mit allen Urlaubsplänen auseinanderzusetzen, um eine Lösung zu finden. Denn eines ist sicher: Urlaubsgestaltung ist Teamwork und eine besondere Herausforderung für jedes Apothekenteam.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
JaegerChristina(at)web.de