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Selbstmedikation bei Dysmenorrhö

Die Last mit den Tagen

22.12.2008  09:14 Uhr

Selbstmedikation bei

Die Last mit den Tagen

von Nina Griese

Beschwerden vor oder während der Menstruation beeinträchtigen die Lebensqualität vieler Frauen. Sie sollten keinesfalls als Lappalie abgetan werden. Regelschmerzen können die Frauen sehr häufig selbst behandeln. Im Rahmen der Selbstmedikation können PTA oder Apotheker den Frauen Analgetika, Phytopharmaka und nicht medikamentöse Maßnahmen empfehlen.

Zu den häufigsten Beschwerden vor und während der Monatsblutung gehören das Prämenstruelle Syndrom (PMS) und die Regelschmerzen (Dysmenorrhö). Etwa ein Zehntel aller Frauen im gebärfähigen Alter leidet so stark unter Menstruationsbeschwerden, dass sie nicht mehr arbeiten können. 

Die typischen Symptome der Dysmenorrhö sind Schmerzen im Unterbauch kurz vor und während der Regelblutung. Der Schmerz ist krampf- bis kolikartig oder auch ein dumpfer Dauerschmerz. Oft strahlt er in den Rücken, die Lenden und die Oberschenkel aus. Häufige Begleiterscheinungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen sowie Durchfall oder Verstopfung und vermehrter Harndrang. Bei manchen Frauen verändert sich zusätzlich die Blutungsstärke sowie der zeitliche Abstand zwischen zwei Regelblutungen. Grundsätzlich wird zwischen der »primären« Dysmenorrhö ohne organische Ursachen und der »sekundären« als Folge organischer Veränderungen unterschieden.

Unter primärer Dysmenorrhö leiden meist ganz junge Frauen. Typischerweise treten die Beschwerden sechs Monate bis maximal drei Jahre nach der ersten Menstruation (Menarche) auf. Die Schmerzen kurz vor und in den ersten Tagen der Blutung sind bei jeder Periode ähnlich stark und in den ersten 24 Stunden am heftigsten. Ursache der krampfartigen Schmerzen ist vermutlich die Kontraktion der Gebärmuttermuskulatur, hervorgerufen durch eine Überproduktion von Prostaglandinen, körpereigenen Schmerzbotenstoffen. Da sich die Muskeln zusammenziehen, wird die Gebärmutter schwächer durchblutet, was den Schmerz auslöst.

Die Angaben zur Häufigkeit der primären Dysmenorrhö variieren stark: Je nach Quelle sollen 20 bis 90 Prozent der jungen Frauen betroffen sein. Diese unterschiedlichen Literaturangaben könnten daran liegen, dass zum Teil auch leichte Befindlichkeitsstörungen miterfasst werden. Wegen Menstruationsbeschwerden suchen jugendliche Frauen am häufigsten einen Arzt auf, und etwa ein Fünftel geht deswegen zeitweise nicht zur Schule. Insbesondere Raucherinnen und Frauen mit einer frühen Menarche beziehungsweise langen und starken Regelblutungen klagen häufiger über primäre Dysmenorrhö.

Die sekundäre Dysmenorrhö wird ausgelöst durch organische Erkrankungen. Dies können gutartige, hormonabhängige Wucherungen oder Polypen in der Gebärmutterschleimhaut, ein extrem enger Muttermund oder entzündliche Prozesse sein. Auch ein Intrauterinpessar (Spirale) kann zu Regelbeschwerden führen. Seelische Belastungen und Stress verstärken die Symptome. Typischerweise tritt die sekundäre Dysmenorrhö erst bei Frauen nach dem 25. Lebensjahr auf. Aber auch bei jungen Mädchen kann die sekundäre Dysmenorrhö nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Die häufigste Ursache für die sekundäre Dysmenorrhö ist die Endometriose, eine gutartige, aber schmerzhafte chronische Wucherung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter.

Leitsymptome der Endometriose sind mit dem Menstruationszyklus verbundene krampfartige Schmerzen, die zunehmend stärker werden, aber auch chronische Bauch- und Rückenschmerzen vor der Periode und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Zu den weiteren Beschwerden zählen längere und stärkere Menstruationsblutungen, erschwerter und/oder schmerzhafter Stuhlgang sowie erschwerte und/oder schmerzhafte Harnentleerung.

Im Unterschied zur Dysmenorrhö tritt das Prämenstruelle Syndrom 1 bis 7 Tage, manchmal sogar 14 Tage vor der Regelblutung auf. PMS ist oft verbunden mit Ödemneigung, Gewichtszunahme, Völlegefühl und Spannungs- und Schwellungsgefühlen in den Brüsten sowie Stimmungsschwankungen.

Ursachen klären

Zunächst sollten PTA oder Apotheker die Patientin fragen, ob sie bereits Arzneimittel eingenommen oder der Arzt ihr ein Präparat empfohlen hat. Bei der erstmaligen Anwendung können sie die Selbstmedikation nur empfehlen, wenn die primäre Dysmenorrhö als Ursache der Beschwerden sicher ist. Als Fragen, mit deren Hilfe PTA oder Apotheker die primäre Dysmenorrhö von anderen Erkrankungen unterscheiden können, sind etwa folgende geeignet:

  • Wie äußern sich Ihre Beschwerden? Haben Sie Krämpfe? Starke Schmerzen? 
  • Wann treten die Beschwerden auf? Regelmäßig vor oder während jeder Regelblutung?
  • Seit wann haben Sie die Beschwerden? 
  • Beobachten Sie auch Begleitsymptome, zum Beispiel Kopfschmerzen oder Migräne? 
  • Haben Sie bereits Arzneimittel ausprobiert? Mit welchem Erfolg?
  • Nehmen Sie die Pille?

Bei Verdacht auf eine sekundäre Dysmenorrhö müssen sie der Frau zum Arztbesuch raten. Dies gilt auch grundsätzlich bei Jugendlichen unter 15 Jahren. Weitere Symptome und Erkrankungen, bei denen die Patientin an den Arzt verwiesen werden sollte, sind folgende:

  • starke und lang anhaltende Schmerzen oder schmerzhafte Blutungen
  • starke, krampfartige Schmerzen
  • starke Migräne
  • ausbleibende Regelblutung
  • Blutungsunregelmäßigkeiten, zum Beispiel Blutungen außerhalb des Zyklus oder eine Blutungsdauer von 8 bis 13 Tagen
  • Verdacht auf Prämenstruelles Syndrom 
  • Verdacht auf sekundäre Dysmenorrhö
  • Verdacht auf Endometriose

Außerdem sollten PTA oder Apotheker immer klären, ob die Patientin weitere Arzneimittel einnimmt oder schwanger sein könnte.

In jedem Fall gilt: Sollten Zweifel an den Ursachen der Beschwerden bestehen, müssen PTA oder Apotheker von der Selbstmedikation abraten, und der Besuch beim Arzt ist zwingend. Spricht nichts gegen eine Selbstbehandlung, sollte die Patientin wissen, dass sie einen Arzt aufsuchen muss, wenn die Beschwerden trotz Arzneimittel nicht innerhalb von vier Tagen nachlassen. 

Mittel der ersten Wahl bei Dysmenorrhö sind Cyclooxygenase-Hemmer wie Ibuprofen und Naproxen. Wie bei jeder Selbstmedikation sind Monopräparate Kombinationspräparaten vorzuziehen. Bei regelmäßig auftretenden Beschwerden sollte die Patientin mit der Einnahme des Arzneimittels jeweils kurz vor der Regelblutung und damit kurz vor dem Auftreten der Beschwerden beginnen.

Analgetika nur kurzfristig

Naproxen ist bei Menstruationsbeschwerden für Mädchen ab zwölf Jahren zugelassen. Die erste Dosis liegt bei 500mg, bei Bedarf kann die Frau nach sechs Stunden zusätzlich 250 mg einnehmen. Die Tageshöchstdosis liegt bei 750 mg. Damit die Wirkung möglichst schnell eintritt, sollten die Tabletten unzerkaut vor den Mahlzeiten eingenommen werden. Auch Ibuprofen eignet sich für die kurzfristige Behandlung der Dysmenorrhö jugendlicher und erwachsener Frauen. Zu empfehlen sind bis zu viermal täglich 200 bis 400 mg, jedoch nicht mehr als drei Tabletten zu 400 mg. Da die Mädchen zum Zeitpunkt der ersten Monatsblutung immer jünger sind, müssen PTA oder Apotheker an die unterschiedliche Tageshöchstdosis denken. Die Tageshöchstdosis für Ibuprofen in der Selbstmedikation liegt für 10- bis 12-Jährige bei 800 mg, ab dem Alter von 12 bei 1200 mg. Ibuprofenzäpfchen sind für unter 15-Jährige nicht zugelassen.

Als Nebenwirkungen treten unter anderem gastrointestinale Beschwerden wie Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen, Völlegefühl, Verstopfung und Durchfall, auf. Auch Kopfschmerzen, Schwindel und erhöhter Blutdruck sind möglich. Wechselwirkungen wurden mit Antikoagulantien, Lithium, Methotrexat, Glucocorticoiden und Antihypertensiva beobachtet. Frauen mit einem Magen-Darm-Geschwür und Analgetika-Asthma dürfen weder Naproxen noch Ibuprofen einnehmen. Wirkt eines der beiden Arzneisubstanzen nicht oder nicht ausreichend, lohnt sich der Wechsel auf ein anderes NSAR.

Das etwas schwächer wirksame ASS gilt neben Naproxen und Ibuprofen auch als effektiv bei Dysmenorrhö, könnte allerdings die Blutung verstärken. Paracetamol scheint die Schmerzen der Frauen nicht ausreichend zu stillen und ist daher nicht Mittel der ersten Wahl. 

N-Butylscopolaminiumbromid hilft bei krampfartigen Regelbeschwerden, da es den Tonus der glatten Muskulatur verlangsamt. Erwachsene und Jugendliche können dreimal täglich 1 bis 2 Tabletten mit 10 mg des Arzneistoffs einnehmen. Die Tageshöchstdosis ist 60 mg. Als unerwünschte Arzneimittelwirkungen sind unter anderem das Nachlassen der Schweiß- und Speichelsekretion, Beschwerden beim Wasserlassen und die Steigerung der Herzfrequenz bekannt. Auch Sehstörungen sind nicht auszuschließen. Patientinnen mit Problemen bei der Blasenentleerung, Engwinkelglaukom, Einengungen des Magen-Darm-Traktes, krankhafter Muskelschwäche (Myasthenia gravis), Herzrhythmusstörungen wie Tachyarrhythmie oder einem Megacolon (massiver Erweiterung des Dickdarms) dürfen keine Butylscopolamin-haltigen Präparate einnehmen.

Als Phytopharmaka zur Behandlung von leichten dysmenorrhoischen Beschwerden eignen sich Präparate mit Cimicifuga-Wurzelstock, Gänsefingerkraut und Keuschlammfrüchten, auch als Mönchspfefferfrüchte bekannt. Allerdings ist die Datenlage beim Einsatz dieser Phytopharmaka lückenhaft. Fertigarzneimittel mit Keuschlammfrüchten (Agni casti fructus) helfen bei unregelmäßigem Zyklus und bei Prämenstruellem Syndrom. PTA oder Apotheker sollten nur Präparate mit standardisierten Flüssig- oder Trockenextrakten aus alkoholischen Auszügen (50 bis 70% V/V) empfehlen. Die Tagesdosis sollte 30 bis 40 mg der Droge nicht überschreiten.

Es gibt Hinweise auf dopaminerge Effekte der Keuschlammfrüchte, so dass sie möglicherweise die Wirkung von Dopamin-Rezeptorantagonisten wie Ropinirol abschwächen. Als Nebenwirkung kommt es gelegentlich zu juckenden, urtikariellen Exanthemen. Fertigarzneimittel mit standardisierten Extrakten aus Cimicifuga-Wurzelstock (Cimicifuga rhizoma) werden hauptsächlich bei klimakterisch bedingten neurovegetativen Symptomen angewendet, sie helfen aber auch bei prämenstruellen und dysmenorrhoischen Beschwerden. Als Tagesdosis gilt 40 mg Droge beziehungsweise die entsprechende Menge des Trockenextrakts aus ethanolischen Auszügen (40 bis 60% V/V). Die Patientin sollte wissen, dass sie Cimicifuga-Präparate ohne ärztlichen Rat nicht länger als sechs Monate einnehmen sollte und die Droge Magenbeschwerden auslösen kann.

Präparate mit Gänsefingerkraut (Anserinae herba) helfen bei leichten dysmenorrhoischen Beschwerden. Die mittlere Tagesdosis beträgt 4 bis 6 g Droge. Das entspricht zwei- bis dreimal täglich zwei Filmtabletten mit je 200 mg Trockenextrakt (5:1). Patientinnen mit »Reizmagen« sollten kein Präparat mit Gänsefingerkraut einnehmen. 

Auch Magnesiumpräparate verbessern möglicherweise bei einigen Patientinnen die Symptomatik. Diskutiert wird dabei unter anderem eine Hemmung der Prostaglandinwirkung. Allerdings sind zum Einsatz von Magnesiumpräparaten bei primärer Dysmenorrhö noch weitere Studien notwendig.

Helfen der Frau die genannten nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) nicht und auch keines der Phytopharmaka, sollte sie mit ihrem Arzt darüber sprechen, ob er ihr die Pille verschreibt. Hormonale Kontrazeptive senken den Prostaglandinspiegel und lindern damit die Beschwerden. Nach sechs bis zwölf Monaten sollte die Patientin einmal versuchen, ob sie auch ohne die Pille beschwerdefrei ist. Dies trifft erfahrungsgemäß in vielen Fällen zu. Bei ungenügendem Therapieerfolg lohnt sich der Versuch, das Kontrazeptivum mit einem NSAR zu kombinieren. 

Wärme entspannt

Wärme lindert akute Beschwerden, daher empfinden die meisten Frauen eine Wärmflasche oder ein warmes Bad bei Regelschmerzen als wohltuend. Eine Alternative dazu sind gebrauchsfertige Wärmeauflagen, die nach Öffnen der Verpackung für eine lang anhaltende und gleichmäßige Wärme von 40°C sorgen. Das Produkt wird mit dem dafür vorgesehenen Klebestreifen auf der Innenseite des Slips befestigt. Auch regelmäßige Bewegung, besonders Ausdauersportarten, und Entspannungsübungen wie Yoga oder Autogenes Training können langfristig die Beschwerden lindern. 

Beispiel aus der Apothekenpraxis

Die etwa 17-jährige Schülerin Anna Baum fragt in der Apotheke nach einem wirksamen Mittel gegen ihre Schmerzen während der Periode. Die PTA fragt zunächst genauer nach, seit wann und wie häufig sie auftreten, wie sie sich äußern. Anna Baum berichtet, die starken Schmerzen wären in den vergangenen Monaten immer an den Tagen vor der Regelblutung aufgetreten und manchmal konnte sie die Schule nicht besuchen. Hingegen sei die Regelblutung normal und schmerzfrei. In den ersten vier Jahren nach der ersten Blutung habe sie keine Beschwerden gehabt. Auf Nachfrage der PTA erklärt sie, sie wäre wegen der Schmerzen noch nicht beim Arzt gewesen. Daraufhin rät die PTA Anna Baum, die Ursache ihrer Beschwerden vom Frauenarzt abklären zu lassen, und erkundigt sich: »Haben Sie etwas gegen die Schmerzen eingenommen?« »Bisher habe ich Paracetamol ausprobiert«, antwortet die junge Frau, doch das habe nicht so richtig geholfen. Andere Arzneimittel nimmt sie nicht ein. Da sie auf den Termin beim Frauenarzt warten muss, möchte sie gerne jetzt ein wirksames Schmerzmittel kaufen. Die PTA empfiehlt ihr Naproxen. »Auch wenn das Schmerzmittel jetzt hilft, macht es den Arztbesuch nicht überflüssig«, ermahnt sie abschließend die junge Frau und erklärt ihr, wie sie die Naproxentabletten am besten einnimmt.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
N.Griese(at)abda.aponet.de