PTA-Forum online
Vorhofflimmern

Wenn das Herz rast

22.12.2008  09:36 Uhr

Vorhofflimmern

Wenn das Herz rast

von Susanne Heinzl

An Vorhofflimmern leiden immer mehr Menschen. Es ist nicht direkt lebensbedrohlich, erhöht aber das Risiko der Betroffenen erheblich, einen Schlaganfall zu erleiden oder beispielsweise an Herzinsuffizienz zu erkranken.

In Deutschland sind etwa 1,5 Prozent aller 60-Jährigen von Vorhofflimmern betroffen. Die Häufigkeit nimmt mit zunehmendem Alter zu: Bei den über 80-Jährigen leiden bis zu 15 Prozent daran. Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit und Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus begünstigen das Auftreten des Vorhofflimmerns. Auch Übergewicht soll eine Rolle spielen. Man spekuliert, dass die vermehrte Verfettung des Herzens bei übergewichtigen Menschen die Rhythmusstörung auslösen kann.

Eine paradoxe Situation ergibt sich aus der Tatsache, dass die Menschen durch Fortschritte bei der Behandlung des Bluthochdrucks und verschiedener Herzerkrankungen älter werden, dann aber vermehrt am Vorhofflimmern erkranken. 

Mittlerweile sind die Herzrhythmusstörungen zu einer enormen sozioökonomischen Belastung geworden. In den vergangenen 20 Jahren haben Krankenhauseinweisungen wegen Vorhofflimmern um 66 Prozent zugenommen.

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Hierbei kontrahieren sich die Vorhöfe (die oberen Kammern) des Herzens unregelmäßig und unkoordiniert, was einen schnellen und unregelmäßigen Herzschlag zur Folge hat. Die Kontrolle des Herzrhythmus durch den Sinusknoten, den natürlichen Schrittmacher des Herzens, ist gestört. Ursache für die Störungen sind elektrische Erregungen in anderen Bereichen, beispielsweise in den Lungenvenen , also die Gefäße, die von den Lungen zum Herzen führen.

Nicht alle Patienten merken, dass ihr Herz schneller und unregelmäßig schlägt, in diesen Fällen sprechen Mediziner von einem asymptomatischen Verlauf. Andere empfinden das unregelmäßige und stark beschleunigte Herzklopfen als beklemmend und beängstigend. Weitere Symptome des Vorhofflimmerns sind Brustschmerzen, Atemnot, Müdigkeit oder Benommenheit. Oft können die Patienten ihren Alltag nicht mehr ohne Hilfe bewältigen. Bei Patienten mit anfallsartigem Vorhofflimmern spielt die Angst vor einem erneuten Anfall eine große Rolle. Sie versuchen oft, allerdings meist nicht erfolgreich, durch Verhaltensänderungen wie Verzicht auf Sport, Reisen oder bestimmte Nahrungsmittel einen weiteren Anfall zu verhindern. 

Obwohl Vorhofflimmern nicht akut lebensbedrohlich ist, erhöht es aber dennoch die Sterblichkeit der Patienten. Die Herzrhythmusstörung kann eine Herzinsuffizienz hervorrufen oder verschlechtern oder sie kann einen Schlaganfall auslösen. Das Risiko für einen Schlaganfall ist deshalb erhöht, weil das Blut aufgrund der schnellen und unregelmäßigen Kontraktionen nicht mehr vollständig aus den Herzkammern ausgepresst wird. Das verbliebene Blut kann sich dort aufstauen und verklumpen. Wenn ein solches Blutgerinnsel vom Herzen ins Gehirn geschwemmt wird, kommt es zu einem Schlaganfall. Etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle sind durch Vorhofflimmern ausgelöst, das sind pro Jahr in Deutschland 40.000 Fälle. 

Zwei etablierte Methoden

Bei Patienten mit Vorhofflimmern handelt es sich um eine heterogene Gruppe, somit gibt es auch kein einfaches schematisiertes Vorgehen. Bei jedem Patienten überlegt der Arzt eine antithrombotische Therapie. Sind weitere entsprechende Risikofaktoren vorhanden, wird der Patient auf einen Vitamin-K-Antagonisten, zum Beispiel Marcumar®, eingestellt, um Blutverklumpungen zu verhindern.

Die Rhythmusstörung selbst kann durch zwei Vorgehensweisen behandelt werden:

  • Rhythmuskontrolle: Hierbei wird der normale Sinusrhythmus des Herzens mit Antiarrhythmika, durch elektrische oder invasive Verfahren wieder hergestellt.
  • Frequenzkontrolle: In diesem Fall wird die Herzfrequenz mit Medikamenten wie Betablockern, Calciumkanalblockern oder Digitalisglykosiden verlangsamt. Manchen Patienten wird ein Schrittmacher zur Frequenzkontrolle implantiert.

Je nach Risikofaktoren und Alter des Patienten bevorzugt der behandelnde Arzt den einen oder anderen Therapieansatz. Bisher konnte für keine der beiden Vorgehensweisen ein klarer Vor- oder Nachteil nachgewiesen werden. Als grobe Richtschnur gilt, dass für ältere Menschen eher die Frequenzkontrolle geeignet ist, während bei jüngeren Patienten die Rhythmuskontrolle mit Vermeidung von Rezidiven im Vordergrund steht.

Arzneimittel oder Operation

Viele Antiarrhythmika haben den Nachteil, dass sie selbst Herzrhythmusstörungen auslösen können, sie besitzen ein proarrhythmisches Potential. Eine der am häufigsten eingesetzten Substanzen zur Rhythmuskontrolle ist Amiodaron. Dieser Arzneistoff hat zwar ein geringes proarrhythmisches Potential, wirkt aber aufgrund seines Iodgehalts toxisch auf die Schilddrüse. 

Mit Dronedaron befindet sich derzeit ein neues Antiarrhythmikum in der klinischen Prüfung, das wie Amiodaron zahlreiche Ionenströme hemmt und wenig proarrhythmisches Potential besitzt. Die Substanz enthält kein Iod im Molekül und ist deutlich besser verträglich als Amiodaron. Die bisherigen Studienergebnisse sind vielversprechend.

Immer häufiger wird bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen eine Katheterablation durchgeführt. Dies ist eine Operation, bei der der Kardiologe durch eine Vene Drähte ins Herz schiebt. Über diese Drähte werden dann mit Hochfrequenzwellen Gewebebereiche am Herzen zerstört, von denen abnorme elektrische Impulse ausgehen. Diesen Eingriff können jedoch nur Spezialisten erfolgreich durchführen.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
sh(at)medpharm-text.de