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Gesundheitstage

Lepra noch lange nicht besiegt

30.12.2009
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Gesundheitstage

Lepra noch lange nicht besiegt

von Tanja Schweig

Lepra lässt sich seit Anfang der 1980er-Jahre durch die Kombination verschiedener Antibiotika vollständig heilen. Auch zeigen Aufklärungskampagnen über den Infektionsmechanismus und dieTherapie in Ländern mit vielen Leprakranken große Wirkung. Und dennoch erkranken jährlich über 250.000 Menschen neu, jeder zehnte neue Patient ist ein Kind.

Lepra ist eine chronische Infektionskrankheit, verursacht durch Mycobacterium leprae. Dieser Erreger gehört zur Familie der Mykobakterien und ist daher eng verwandt mit den Erregern atypischer Lungenentzündungen und der Tuberkulose. Mycobacterium leprae breitet sich wahrscheinlich durch Tröpfcheninfektion aus. Außerhalb des menschlichen Körpers kann das Bakterium zehn Tage überleben. Ob die Erkrankung ausbricht oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab: Zunächst muss ein Mensch lange Zeit mit einem Infizierten Kontakt haben. Ferner spielen sowohl genetische Faktoren, die Immunkompetenz des Menschen und auch Umweltfaktoren wie Hygiene oder Ernährung eine Rolle: Über 95 Prozent der Infizierten haben sich zwar angesteckt, erkranken aber nie oder erst bis zu 30 Jahre später. Als stille Träger sind sie jedoch gefährlich, denn sie infizieren unwissend Mitmenschen. 

Niedrige Temperaturen erwünscht

Mycobacterium leprae bahnt sich wahrscheinlich seinen Weg über die Nasenschleimhaut in den Körper. Der Keim wandert über Blutbahnen, Nerven und das Lymphsystem und siedelt sich schließlich bevorzugt in der Haut und den Nerven der Arme und Beine an, selten in den Atemwegen, Augen oder Knochen. Typischerweise befällt der Erreger kältere Körperregionen, weil er zum Wachsen niedrige Temperaturen braucht. Deshalb können Gürteltiere wegen ihrer ungewöhnlich niedrigen Körpertemperatur als einzige Tierart an Lepra erkranken und werden daher als Versuchstiere benutzt.

Wo sich die Erkrankung lokalisiert und mit welchem Schweregrad, ist von Patient zu Patient recht unterschiedlich. So gibt es leichtere, nicht ansteckende neben schweren, hoch ansteckenden Formen: Bei manchen Kranken zeigen sich nur raue Hautflecke, andere leiden unter Muskelschwäche und Lähmungen in den Gliedmaßen und wieder andere erblinden oder entwickeln stigmatisierende Knoten und Geschwüre im Gesicht.

Im Frühstadium entstehen bei fast jedem Infizierten scharf abgegrenzte schuppige Flecken auf der Haut, die sich taub anfühlen. In diesem Stadium kann Lepra spontan abheilen, stagnieren oder sich weiterentwickeln.

Schreitet die Erkrankung voran, sterben durch die Infektion immer mehr Nervenzellen ab. In der Folge spüren die Betroffenen weder Kälte noch Wärme oder Schmerzen an Armen und Beinen. Die Finger werden taub. Weil die Infizierten kleine Verletzungen oder Verbrennungen nicht mehr wahrnehmen, können sich andere Keime wie Tetanusbakterien in den Wunden ausbreiten, zu Entzündungen und schlecht heilenden Geschwüren führen. Werden sie nicht behandelt, sterben diese infizierten Körperteile ab. Nur wenige Menschen versterben an Lepra. Das große Problem dieser Erkrankung sind Verstümmelungen und dadurch bedingte Behinderungen. Dies betrifft derzeit circa 10 Prozent der Erkrankten. Rund 4 Millionen Menschen weltweit leben mit durch Lepra bedingten Behinderungen.

Keine Strafe Gottes 

Heute ist Lepra heilbar. Seit 1982 empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Kombination mehrerer Antibiotika, unter anderem von Dapson und Rifampicin, bei schweren Formen zusätzlich Clofazimin. Ist nur die Haut betroffen, kommt auch die Kombination von Rifampicin, Ofloxacin und Minocyclin zum Einsatz. Die Therapie dauert zwischen 6 und 18 Monate. Nach Beginn der Behandlung ist Lepra nicht mehr ansteckend.

Bei besonders schweren Verläufen wirkt Thalidomid (heute Thalomid®, ehemals Contergan®) hoch effektiv. Wegen seines bekannten teratogenen Effekts müssen die Patienten unter der Therapie sehr strenge Auflagen einhalten. Außerdem müssen alle Wunden sorgfältig versorgt werden. Die Patienten müssen lernen, sich vor starker Sonneneinstrahlung zu schützen, zum Beispiel indem sie Sonnenbrillen tragen, beim Kochen Topflappen oder hitzestabile Handschuhe benutzen und taube oder bereits gelähmte Gliedmaße durch Bewegungsübungen mobilisieren.

Eine Schutzimpfung gegen Lepra gibt es nicht. Fachleute diskutieren darüber, ob die BCG-Impfung gegen Tuberkulose auch vor Lepra schützt. 

Die WHO wollte bis zum Jahr 2005 Lepra weltweit eliminieren. Ziel war, die Anzahl Infizierter auf 1 Erkrankten pro 10.000 Einwohner zu senken. Global betrachtet schien das möglich, seit die vollständige Heilung durch die medikamentöse Kombinationstherapie möglich wurde. So ist die Anzahl der Erkrankten seit 1985 um 94 Prozent zurückgegangen, von 5,2 Millionen im Jahr 1985 auf offiziell unter 300.000 im Jahr 2006.

Ausrottung in weiter Ferne

Dieser weltweit positive Trend darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in einzelnen Ländern das WHO-Ziel noch lange nicht erreicht ist. 94 Prozent aller Leprapatienten leben in den folgenden 17 Ländern: Äthiopien, Angola, Bangladesch, Brasilien, China, Kongo, Elfenbeinküste, Indien, Indonesien, Madagaskar, Mosambik, Myanmar, Nepal, Nigeria, Philippinen, Sri Lanka und Sudan.

In einigen Ländern steigt derzeit die Zahl der Neuinfektionen stetig an. Jeder zehnte neue Lepra-Patient ist ein Kind. »Dies ist der Beweis, dass die Ansteckung ungebrochen weitergeht«, erklärt der Mediziner und Leiter der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. (DAHW) Dr. Adolf Diefenhardt. Das Problem sieht der Arzt in der hohen Anzahl stiller Überträger. Seine Organisation fördert seit 1957 Projekte und Programme zur Behandlung und Rehabilitation von Menschen mit Lepra.

Aktionen, Plakate und Faltblätter

Jeweils am letzten Sonntag im Januar ist der Welt-Lepra-Tag, im Jahr 2010 am 25. Januar. Bereits in der Woche davor verkaufen in vielen Städten Deutschlands Schüler und ehrenamtliche Mitarbeiter der DAHW Stifte zugunsten von Leprakranken. Warum Stifte? Damit erinnern sie an die Diagnose von Lepra: Mit einem Stift kann man an verdächtigen Hautstellen kontrollieren, ob die Nerven des Patienten dort noch intakt sind. Mit dem Verkauf der Stifte wird der Kampf gegen Lepra finanziell unterstützt.

Zum Welt-Lepra-Tag liefert die DAHW auch Apotheken Plakate, Faltblätter und Broschüren. Interessierte können die Materialien mit dem Stichwort »Infos für Apotheken« beim DAHW, Frau Deppisch, telefonisch anfordern unter 0931 7948-0 oder per E-Mail bei info(at)dahw.de .

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
tschweig(at)online.de