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Vaginalmykose

Ein perfektes Gespann

21.11.2011  11:57 Uhr

Von Annette van Gessel, Köln / Candida albicans verursacht etwa 90 Prozent der Scheidenpilzinfektionen. Der Infekt durch den Hefepilz ist zwar nicht gefährlich, aber die Symptome sind doch recht unangenehm. Als Mittel der Wahl für die topische Therapie gilt Clotrimazol. Experten raten den Frauen zur 1-Tages-Hochdosistherapie.

»Pilze lieben Säure«, sagte Professor Dr. Hans-Jürgen Tietz, Leiter des Instituts für Pilzerkrankungen in Berlin, während eines Presse-Roundtable von Bayer HealthCare in der Innovations-Akademie deutscher Apotheken (IDA) in Köln. »Raten Sie daher jeder Frau davon ab, nach einer Pilzinfektion zur Prophylaxe ein Präparat mit Milchsäurebakterien oder Joghurt anzuwenden!« Dieser Tipp halte sich hartnäckig, obwohl er nachweislich falsch sei. In manchen Fällen triggerten Milchsäurebakterien sogar die neue Pilzinfektion. Tietz zeigte anhand mikroskopischer Aufnahmen, dass die gesunde Vaginalflora aus Milchsäurebakterien die Mykosetherapie unbeschadet überlebt. Daher entfalle der Grund, diese Flora wieder aufzubauen.

Angebracht seien Säureprodukte allerdings bei Frauen mit rezidivierenden Harnwegsinfekten. Diesen fehle häufig der nötige Säureschutz, der eine natürliche Barriere gegen Colibakterien, Mykoplasmen und Mykobakterien darstellt.

An einer Scheidenpilzinfektion erkranken schät­zungs­weise bis zu 40 Prozent der Frauen in Deutsch­land mindestens einmal im Leben. Bei den meisten Frauen führt die Infektion zu starkem Juckreiz im Intimbereich (89,4 Prozent), bei manchen zu unangenehmem Brennen (54,3 Prozent). Häufig bemerken sie auch vermehrten Ausfluss (67,1 Prozent), der weiß, geruchlos und quarkähnlich krümelig ist. Die Zahlen stammen aus repräsentativen Umfragen des Marktforschungs­unternehmens GfK aus den Jahren 2008 und 2011.

Fall für die Selbstmedikation

Spätestens nach der zweiten Vaginalmykose kennen Betroffene die typischen Symptome und behandeln die Beschwerden durch Selbstmedika­tion. Das ist in der Mehrzahl der Fälle möglich, da die Sym- p­tome sehr charakteristisch und Präparate mit dem Wirkstoff Clotrimazol in Deutschland ohne Rezept erhältlich sind. Hingegen gelte das beispielsweise nicht für Italien, Belgien und die Niederlande, so Tietz und empfahl empfindlichen Frauen auf Reisen, auch innerhalb Europas, ein Vaginalmykotikum mitzunehmen.

»Jede Mykose ist heilbar«, lautete Tietz eindeutiges Statement. »Wir haben einen eindeutigen Erreger, den Pilz, den wir behandeln können.« Doch trotz ihres hohen Leidensdrucks fällt es erkrankten Frauen oft schwer, ihr Problem offen anzusprechen. Die Umfragen zeigen, dass es sich nach wie vor um ein Tabuthema handelt. Viele machen sich Selbstvorwürfe, weil sie fälschlicherweise vermuten, durch eigenes Fehlverhalten wie mangelnde Hygiene die Pilzinfektion ausgelöst zu haben. Einige ziehen sich sogar aus dem sozialen Umfeld zurück.

Möglicherweise würden ihre Schuldgefühle geringer, wenn sie wüssten, dass circa drei Millionen Frauen deutschlandweit jährlich an einer Vaginalmykose erkranken. Außerdem können PTA oder Apotheker die Betroffenen beruhigen, dass die Infektion nur in 2 bis 3 Prozent der Fälle chronifiziert.

Gegen Candida albicans sei Clotrimazol das Mittel der Wahl zur topischen Therapie. Diese Meinung teilten auch die Experten des Paul-Ehrlich-Instituts. Bei dem vor circa 60 Jahren entwickelten Nystatin wären Resistenzen zu beobachten, so Tietz. Er befürwortete die 1-Tages-Therapie als Hochdosistherapie mit 500 mg Clotrimazol. Zum einen läge nach der Applikation die Konzentration von Clotrimazol im Vaginalsekret der erkrankten Frauen 72 Stunden lang über der erforderlichen Hemmkonzentration des Erregers. Zum anderen trage diese Behandlung dazu bei, Resistenzen zu verhindern. In seiner Praxis erlebe er immer wieder, dass Frauen die 3-Tages-Therapie nicht zu Ende durchführten, da die Symptome bereits früher nachließen.

Wirkoptimierung durch Milchsäure

Doch wenn Milchsäure das Wachstum von Candida albicans fördert, warum enthält Canesten® Gyn Once einen Milchsäurezusatz? Dies habe zwei Gründe, so Tietz. Zum einen wirke Clotrimazol bei sauren pH-Werten am besten. Zum anderen laufe die Ergosterolsynthese der Erreger im Sauren auf Hochtouren, sodass der Arzneistoff gerade dann am effektivsten wirken kann. Dazu Tietz: »Dieses intelligente Zusammenspiel von Clotrimazol und Milchsäure führt zur Vernichtung des Erregers und zur klinischen Heilung.« Nach der einmaligen Applikation von Canesten Gyn Once sei das Leitsymptom Jucken oftmals bereits nach einem Tag deutlich reduziert.

Schneller Rückgang der Beschwerden

Dass Milchsäure die Wirkung von Clotrimazol optimiert und zu einem besonders schnellen Symptomrückgang führt, bestätigt auch eine aktuelle offene, multizentrische, bundesweite Beobachtungsstudie mit fast 1000 Patientinnen (n=978) in 236 gynäkologischen Praxen: Die Frauen berichteten, dass die Leitsymptome Rötung, Juckreiz und Brennen unter der 1-Tages-Therapie am ersten und zweiten Tag der Behandlung signifikant stärker zurückgingen als unter der 3-Tage-Therapie. Nach sieben Tagen waren 78,9 Prozent der mit Canesten Gyn Once behandelten Patientinnen beschwerdefrei, unter der 3-Tages-Therapie waren es 77,4 Prozent. Bezüglich der Verträglichkeit lägen beide Präparate auf demselben hohen Niveau, so Dr. Norbert Becker, Bayer HealthCare, der die Studie leitete. Signifikant mehr Frauen bewerten die Handhabung der 1-Tages-Therapie positiver als die 3-Tage-Therapie.

Laut einer Umfrage von GfK aus dem Jahr 2011 wenden sich bei der Erstinfektion 76 Prozent der Frauen direkt an ihren Arzt und etwa 14 Prozent an PTA oder Apotheker. Sind die Frauen hingegen zum zweiten Mal erkrankt, gehen nur noch 44 Prozent zum Arzt und 21 Prozent in die Apotheke. Spätestens ab der dritten Infektion spielt die Apotheke die größere Rolle, denn anhand der Symptome können die Frauen eine verlässliche Selbstdiagnose stellen. Diese Daten stellte Dr. Walter Schulze, Leiter der Verbraucher-Marktforschung Bayer HealthCare Deutschland, vor.

Guter Rat aus der Apotheke

Auf die Frage der Marktforscher nach den Kaufgründen für ein bestimmtes OTC-Antimykotikum antworteten 33 Prozent der Frauen, sie hätten das Präparat auf Empfehlung des pharmazeutischen Personals gekauft, aufgrund einer Arztempfehlung waren es nur 26 Prozent. /

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