PTA-Forum online
Was ich noch erzählen wollte …

Stressfreie Weihnachten

21.11.2011  13:06 Uhr

Von Annette Behr / Jetzt naht sie wieder, die Zeit der Besinnlichkeit. Vielen Menschen bringt das vorweihnachtliche Treiben allerdings nur Stress. Sie machen sich auf die Suche nach dem richtigen Geschenk für ihre Lieben und planen, an den Feiertagen alle mit erstklassigen Speisen zu verwöhnen. Der drohenden Hektik zu entgehen, ist nicht einfach, aber möglich.

Bereits ab August laufe ich nur noch im Zickzack-Kurs durch Lebensmittelmärkte – vorbei an Dominosteinen, Lebkuchen und Spekulatius. Die Regale quollen über mit Adventsleckereien, während sich der Sommer noch nicht einmal verabschiedet hatte. Wer hat da schon Lust auf Weihnachtsgebäck? Ich jedenfalls nicht!

Ebenso nerven mich seit Oktober die Werbestrategen, die uns mit Slogans wie »Jetzt schon an Weihnachten denken« ein schlechtes Gewissen bereiten wollen. Wer im Dezember noch immer nach Geschenken sucht, riskiert quasi den Super-Gau unter dem Christbaum. Das wollen sie uns zumindest einreden. Weihnachten ganz ohne Gaben kann ich mir auch nicht vorstellen. Zeigen sie doch, wie sehr man den anderen wertschätzt. Wer ein harmonisches Fest anstrebt, möchte wissen, was das Herz der anderen höher schlagen lässt.

Echte Freude bereiten

»Na, du hast doch bestimmt alle Geschenke schon vor Ostern gekauft?«, fragt mich meine Schwester mit leicht zickigem Unterton. Ganz so verhält es sich nicht, aber tatsächlich mute ich mir die Hektik bei der Geschenkesuche nicht zu. Ich sammle bereits über das Jahr verteilt Ideen oder Kleinigkeiten für meine Familie und Freunde. Oft höre ich genau hin, wofür sie sich interessieren. Häufig finde ich kleine Präsente unterwegs auf Märkten oder Ausstellungen. Vor Weihnachten sortiere ich dann mein Sammelsurium und bin freudig überrascht, was ich im Laufe des Jahres zusammengetragen habe.

Doch das Erahnen von Wünschen ist nicht jedermanns Stärke. »Jetzt wird es schon wieder Weihnachten, und ich weiß überhaupt nicht, was ich meiner Frau schenken soll«, sagte mein Nachbar neulich beim Plausch auf dem Flur. An seinem betrübten Blick und der gekräuselten Stirn erkannte ich, wie sehr ihn diese Sorge plagte. Meine Mutter riet irgendwann genervt meinem verstimmten Vater: »Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder wir schenken uns gar nichts mehr, oder ich gebe dir Tipps!« Mein Vater entschied sich für Variante zwei. Seitdem bleibt meine Mutter mehr oder weniger eindeutig vor Schaufenstern stehen und äußert sich bewundernd über das ein oder andere Ausstellungsstück. Auffallend häufig sitzt sie in einem Garten-Café – direkt neben dem besten Juwelier am Ort, stets mit Blick Richtung Auslage, wo hübsche Perlenkreationen auf Käufer warten. Persönlich passen und mit Liebe ausgesucht sollen sie ja sein, die Präsente für die Liebsten.

Spätestens an den Adventswochenenden beginnt für die allermeisten der Countdown zum Geschenkemarathon. Ab dann meide ich Innenstädte und Kaufhäuser und gehe den hektisch umher wieselnden Menschen aus dem Weg. Bepackt mit Tüten und Paketen, zudem schlecht gelaunt und entnervt, verstopfen sie dann die U-Bahn oder den Bus.

Gewusst was und für wen

»Last Christmas, I gave you my heart«, säuselt es unaufhörlich aus den Lautsprechern der Kaufhäuser. Nikoläuse und Weihnachtsmänner verteilen Prospekte für Touch-Screen-Handys. Topmodel Heidi Klum wirbt als Engelchen verkleidet für eine Parfümerie-Kette. Hier bleiben Männer gerne »haften«. Viele Duftwässerchen kosten ein kleines Vermögen und werden von der Fachverkäuferin mit den langen, rot lackierten spitzen Fingernägeln pompös verpackt. Da muss der Mann nur noch die Kreditkarte zücken, leicht hat er’s. Ich wäre beleidigt über derartig unpersönliche Geschenke. Das sieht meine Freundin Suse ganz anders. »Einen individuellen Wellness-Gutschein meiner Lieblingskosmetikerin fände ich gut«, meinte sie beim letzten Telefonat. Kosmetik könne jede Frau gebrauchen, nur die richtige muss es sein. Auch die Apotheke ist eine gute Adresse für hochwertige Kosmetika. Hier finden Männer in der Vorweihnachtszeit auch sehr schöne Geschenk-Sets, die originell verpackt sind.

Für Menschen ganz ohne Zeit ist das Einkaufen im Internet eine Alternative – ruckzuck kommen erlesene Kleinigkeiten ins Haus geflattert. »Ohne einen Fuß vor die Tür gesetzt zu haben, bin ich den ­Geschenkestress vor Weihnachten los«, berichtet meine Freundin stolz. Seit sie im ­Internet nach Bastelanleitungen und ­Nähtipps fandet, gelingen ihr sogar die ­kuriosesten und kreativsten Präsente. Individuelle Geschenke beispielsweise handgefertigte Handy-Täschchen oder Handschuhe werden auch von anderen Kreativen im Netz angeboten.

Etwas Selbstgemachtes

»Gebt ja kein Geld für mich aus!«, mahnte meine Oma uns Kinder. »Ich habe alles, was ich brauche.« Wir sollten das Geld lieber sparen und nicht für unsinniges Zeug ausgeben, fand sie. Am meisten freute sie sich tatsächlich, wenn wir sie besuchten und aus unserem Leben erzählten. An einem schönen Blumenstrauß oder etwas Selbstgemachtem hatte allerdings auch sie Gefallen: ein Glas Marmelade, ein gestrickter Schal, selbst gekocht beziehungsweise gestrickt, oder der Gutschein für eine Hilfe sind nach wie vor wunderbare Geschenke. In der Adventszeit sollten sich Eltern Zeit nehmen und mit ihren Kindern Plätzchen backen oder basteln. Nebenbei entstehen kleine köstliche bis künstlerische Geschenke für Oma, Tante und Co.

Einen Block mit Gutscheinen zum Autoputzen, Laubharken, Staubsaugen oder Kuchenbacken schenkte mir vor kurzem meine Tochter. Je nach Bedarf reiße ich einen Bon ab und löse ihn bei ihr ein. Eine schöne Idee, von der ich länger etwas habe, die mir Arbeit abnimmt und vor allem kein Geld kostet. Überhaupt frage ich mich häufig, warum Menschen zu Weihnachten sogar Kredite aufnehmen, um kostspielige Dinge kaufen zu können. Hängt das Gelingen des Weihnachtsfestes wirklich von der Größe oder dem Preis des Geschenks ab? Viele Eltern denken wohl so: Spielkonsolen, das neueste Handy, ein Computer oder Flachbildschirm – 306 Euro gaben die deutschen Eltern im Jahr 2010 durchschnittlich pro Kind für Geschenke aus, fanden Experten der Meinungsforschungsinstitute heraus. Wie viele Eltern sitzen spät am Weihnachtsabend ermattet vor aufgetürmtem Verpackungsmaterial, während ihre Kinder reizüberflutet nicht in den Schlaf finden? Schöne Bescherung und von Besinnlichkeit keine Spur. Vielfach ist der religiöse Ursprung dieses Festes komplett abhanden gekommen.

Völlerei oder Wohlfühlprogramm

Auch das ständige Essen an den Festtagen ist eine schreckliche Unsitte. Lebensmittel-Discounter werben schon jetzt aggressiv für Super-XXL-Packungen von Würstchen, Kartoffelklößen, Eiscreme und Sekt. »Diese elende Völlerei. Als ob wir das ganze Jahr über hungern müssten«, regt sich meine Tante Else alle Jahre wieder auf. Sie fastet demonstrativ über Weihnachten bis ins neue Jahr hinein und spendet Unicef ihr Weihnachtsgeld. Immer mehr Menschen entziehen sich inzwischen gänzlich dem Rummel um das Fest. Manche ziehen sich in ein Kloster zurück oder verbringen die Feiertage ganz allein zu Hause. Warum eigentlich nicht? Besser als zwanghafte Pflichtbesuche ist das allemal.

Überzogene Erwartungen

Die meisten Menschen wünschen sich ein harmonisches Weihnachtsfest, selbst wenn das gesamte Jahr zuvor gezankt wurde. Diese Erwartungen führen häufig zu neuem Streit und Konflikten. So bleibt der Friede zum Fest schließlich aus. Mein Rat: Niemand sollte sich unter Druck setzen, weder mit achtgängigen Menüs noch mit zu vielen Geschenken. Außerdem hilft es, sich mit dem Gedanken anzufreunden: Das perfekte Weihnachten gibt es nicht, es darf ruhig etwas schief laufen. 

Selbst die beste Planung können unvorhersehbare Umstände plötzlich über den Haufen werfen. So erging es meiner Familie im letzten Jahr. Am Heiligen Abend wollten wir mit der Bahn zu den Großeltern fahren. Über Nacht hatte es jedoch derartig heftig angefangen zu schneien, dass weder die Reise mit der Bahn noch mit dem Auto möglich war. »Tja, da müssen wir wohl zuhause bleiben«, kommentierte meine Tochter die Verkehrswarnungen im Radio. Die Verwandten hatten großes Verständnis für unser Nichtkommen. Mit Spaghetti und einem Last-Minute-Weihnachtsbaum erlebten wir dann im ganz kleinen Kreis ein gemütliches Fest mit viel Schnee und Sonnenschein. /

E-Mail-Adresse der Verfasserin

blaubehr(at)gmx.net