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Schwangerschaft

Vorfahrt für Vitamine und Mineralstoffe

21.11.2011  13:01 Uhr

Von Anna Laven / Wer in der Schwangerschaft viel Obst und Gemüse isst, sorgt dafür, dass dem eigenen Körper und dem werdenden Kind die benötigten Vitamine und Mineralstoffe zugeführt werden. Doch nicht ­ jede Schwangere isst davon genug – und was dann? Spezielle Präparate aus der Apotheke gleichen den Mangel aus.

Während der Schwangerschaft reagieren viele Frauen sehr sensibel und legen daher großen Wert auf eine fundierte Beratung in der Apotheke. Viele möchten in dieser Zeit möglichst keine Medikamente einnehmen und haben ein offenes Ohr für alle Informationen, die den Verlauf einer Schwangerschaft positiv beeinflussen. Unter anderem möchten sie etwas über lebensnotwendige Mikronährstoffe erfahren. Einige Frauen achten sogar darauf, dass die körpereigenen Speicher für Vitamine und Spurenelemente schon vor der Empfängnis optimal aufgefüllt sind. Doch auf welche Mikronährstoffe kommt es dabei im Einzelnen besonders an und was bewirken diese in der Schwangerschaft?

Pille senkt Folatspiegel

Die Einnahme von Folsäure beugt Defekten im Neuralrohr sowie Herzfehlern beim Ungeborenen vor. Dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich gesichert und hat sich unter Schwangeren herumgesprochen. Weniger bekannt ist den meisten, dass die »Pille« zu erniedrigten Folatspiegeln im Körper führt. Setzen Frauen die Pille ab, weil sie ihren Kinderwunsch verwirklichen möchten, sollten sie sofort dem Körper Folsäure zuführen. Nur so ist sichergestellt, dass der Folatspiegel vom ersten Tag der Schwangerschaft an ausreichend hoch ist und ein Schutz vor den genannten Missbildungen besteht.

Welche Dosis ist die richtige? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 400 Mikrogramm Folsäure zur Substitution. Bei dieser Dosis dauert es zwei bis drei Monate, bis der präventiv wirksame Folatspiegel erreicht wird. Schneller geht es, wie Studienergebnisse zeigen, mit einer deutlich erhöhten Dosis: Mit einer Zufuhr von 800 Mikrogramm Folsäure lässt sich der schützende Blutspiegel in etwa vier Wochen aufbauen.

Außerdem gilt es noch einen weiteren wichtigen Punkt zu beachten: Die zugeführte synthetische Folsäure muss der Körper zunächst in die biologisch aktive Wirkform, das 5-Methyl-Tetrahydrofolat, umwandeln. Dafür ist das körpereigene ­Enzym 5,10-Methylen-Tetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR) verantwortlich. Bei ungefähr der Hälfte der Frauen liegt allerdings ein sogenannter Enzympolymorphismus vor. Das heißt: Die Enzymaktivität ist um bis zu 70 Prozent eingeschränkt, die zugeführte Folsäure wird nicht vollständig umgewandelt. Aus diesem Grund enthalten einige Präparate neben Folsäure gleichzeitig auch die biologisch aktive Form, das 5-Methyl-Tetrahydrofolat (zum Beispiel in Femibion®).

Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft, circa ab der 13. Schwangerschaftswoche (SSW) bis zum Ende der Schwangerschaft, steigt dann der Folatbedarf auf 600 Mikrogramm pro Tag an. Diese Menge lässt sich kaum noch über die Ernährung decken, sodass die Schwangeren spätestens jetzt die Dosis von 400 auf 600 Mikrogramm erhöhen sollten. So unterstützen sie optimal Blutbildung und Zellteilung, was sich positiv auf die Entwicklung des Kindes auswirkt. In Untersuchungen kamen bei gut versorgten Müttern seltener Frühgeburten vor, und ihre Kindern hatten ein normales Geburtsgewicht.

Iodid macht fruchtbarer

Weil sich der Grundumsatz der Schwangeren erhöht und immer mehr Energie für das Ungeborene benötigt wird, steigt parallel und kontinuierlich der Iodbedarf während der Schwangerschaft an. Da Iodmangel zu Entwicklungsstörungen führen kann, empfehlen Fachgesellschaften vor allem Frauen in Iodmangelgebieten eine Substitution von 100 bis 150 µg Iodid pro Tag bis zum Ende der Stillzeit. Auch präkonzeptionell, also vor der Empfängnis, ist Iod ein nützliches Spurenelement, da es die Fruchtbarkeit der Frau erhöht. Kontraindiziert ist es allerdings, wenn die Frau unter einer Schilddrüsenerkrankung leidet. Diesen Kundinnen müssen PTA oder Apotheker zu Vitamin-Mineral-Kombipräparate ohne Iodid raten.

An weitere Mikronährstoffe denken

Weitere Vitamine und Mineralstoffe sollte die Schwangere nur dann ergänzen, wenn bei ihr ein entsprechender Mangel im Blut nachgewiesen wurde. Dann greifen die Betroffenen am besten auf Vitaminpräparate zurück, die speziell für die Bedürfnisse von Frauen mit Kinderwunsch, Schwangeren und Stillenden konzipiert sind. Alle anderen Vitaminpräparate sind nicht geeignet.

Das Beratungstrio nach Laven zu

Dauer: Femibion Schwangerschaft 1 nehmen Sie vom geplanten Kinderwunsch an bis zum Ende der 12. SSW, ab der 13. Schwangerschaftswoche bis zum Ende der Stillzeit Femibion® Schwangerschaft 2.

Dosierung: Nehmen Sie täglich eine Tablette beziehungsweise ab der ­ 13. SSW nach Wechsel des Präparates von 1 auf 2 eine Tablette und eine Kapsel mit kalter Flüssigkeit ein.

Dritte Info: Die Tabletten sind frei von Laktose, Gluten und Gelatine. Die DHA-Kapsel enthält Fischgelatine.

Recht häufig tritt bei Schwangeren ein Eisenmangel auf, was der Gynäkologe bei der routinemäßigen Kontrolle feststellt. Diese Frauen müssen Eisen substituieren. Doch Eisenpräparate können eine Verstopfung auslösen, worauf PTA und Apotheker hinweisen sollten.

Eine Redensart von früher besagt, dass jede Schwangerschaft die Frau einen Zahn kostet. Der Hintergrund ist: Der Körper der werdenden Mutter schöpft aus eigenen Calciumvorräten in den Knochen und Zähnen, wenn sie nicht ausreichend Calcium mit der Nahrung zuführt. Die Schwangere muss unbedingt Calcium mit der Nahrung »nachfüllen«, um nicht selbst in eine Mangelsituation zu geraten. In aller Regel schaffen die Frauen das, wenn sie reichlich Milchprodukte und mit Calcium angereicherte Lebensmittel essen.

Gynäkologen verordnen Magnesium, falls die Schwangere unter Wadenkrämpfen leidet. Manchmal lindert die Magnesiumeinnahme gleichzeitig auch Übelkeit und Erbrechen.

Ob die Substitution von Vitamin D3 sinnvoll ist, wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Laut DGE ist der Vitamin-D-Bedarf in der Schwangerschaft nicht erhöht und damit eine standardmäßige Einnahme von Vitamin D3 unnötig. Trotzdem fallen in Einzelfällen den Ärzten erniedrigte Vitamin-D-Spiegel im Blut von Schwangeren auf. Dann reichen allerdings zur Substitu­tion die in Nahrungsergänzungsmitteln üblichen 5 Mikrogramm nicht aus. Der ­Gynäkologe wird der Betroffenen ein ­höher dosiertes Arzneimittel verordnen.

Fetten Fisch essen

In Schwangerschaft und Stillzeit ist zudem der Bedarf an ungesättigten Omega-3-Fettsäuren erhöht. Experten empfehlen, täglich mindestens 200 mg der mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) zuzuführen. Studien weisen darauf hin, dass DHA die Entwicklung des Gehirns, des Zentralnervensystems und der Sehfunktion des Ungeborenen unterstützt. Zudem sinkt die Rate der extrem frühen, in ihrer Entwicklung noch sehr unreifen Frühgeborenen. Um den nötigen Bedarf zu decken, sollten Schwangere und Stillende zweimal pro Woche fetten Seefisch wie Lachs, Makrele oder Hering essen. Für Frauen, die keinen Fisch mögen, ist die Einnahme eines DHA-haltigen Supplements eine sinnvolle Alternative. /

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anna.laven(at)pharmabrain.de