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Selbstmedikation bei Rhinosinusitis

Wenn sich die Nebenhöhlen ­entzünden

21.11.2011  13:21 Uhr

Von Daniela Bussick / Eine akute Entzündung der Nasennebenhöhlen verläuft in der Regel unkompliziert und dauert durchschnittlich zwei Wochen. Oft lässt sich ein banaler Schnupfen von der Sinusitis nicht sicher abgrenzen, sodass die Erkrankung unter Fachleuten zunehmend als »Rhinosinusitis« bezeichnet wird.

Typischerweise ist bei einer Rhinosinusitis die Nase verstopft und die Stelle über den Nasennebenhöhlen wird druckempfindlich und schmerzt. Manchmal dehnen sich die Schmerzen auf die Stirn und das gesamte Gesicht aus. Die Erkrankten fühlen sich körperlich abgeschlagen, und teilweise ist ihre Temperatur erhöht.

Da die Nasennebenhöhlen mit dem mittleren Nasengang offen verbunden sind, greifen Infektionen der Nase leicht auf die umgebenden Hohlräume über. Sie befinden sich im Oberkiefer rechts und links neben der Nase sowie in der Stirn. Je nach Lage werden Kiefer-, Stirn- und Keilbeinhöhle unterschieden.

Kaskade an Beschwerden

Die akute Rhinosinusitis wird zumeist durch Rhino-, Influenza- oder Parainfluenzaviren ausgelöst. Dann schwellen als Folge der viralen Infektion die Nasenschleimhäute an. Da die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen relativ schlecht durchblutet ist und der Zugang zum mittleren Nasengang sehr eng ist, verstopfen die Nebenhöhlen rasch. Infolge werden Luftstrom und Sekretabfluss blockiert. Also staut sich Sekret in den Nasennebenhöhlen, wodurch eine Kaskade in Gang gesetzt wird: Das Sekret dickt ein, der pH-Wert verschiebt sich, der Gasaustausch der Schleimhaut ist beeinträchtigt, Zilien und Epithel werden geschädigt, und durch das gestaute Sekret entzündet sich das Gewebe. Das veränderte Milieu in den Nasennebenhöhlen ist ein idealer Nährboden für Bakterien, sodass sich leicht eine sekundäre bakterielle Infektion entwickeln kann. Als direkte Auslöser einer Rhinosinusitis spielen Bakterien eine geringe Rolle, sie verursachen nur 2 bis 3 Prozent der Rhinosinutiden.

Die Entscheidung, ob die Rhinosinusitis viral oder bakteriell bedingt ist, gelingt auch Fachärzten anhand des klinischen Beschwerdebilds vor allem in den ersten drei bis vier Tage kaum. Sogar gelbliches oder gelbgrünes Nasensekret weist nicht zwingend auf eine bakterielle Infektion hin, da der Farbton nicht mit der Anwesenheit ­ von Bakterien korreliert. Ein Indiz für eine bakterielle Ursache ist vielmehr, wenn die Beschwerden der Erkrankten sehr stark ausgeprägt sind. Verschlechtert sich der Zustand des Patienten nach anfänglicher Erholung erneut, spricht auch dieser zweiphasige Verlauf für eine bakterielle Infek­tion. Die eindeutige Unterscheidung ist letztlich nur durch weitergehende Untersuchungen wie die Bestimmung des C-­reaktiven Proteins (CRP) möglich. Der Arzt klärt auch weitere mögliche Ursachen oder individuelle Besonderheiten ab, zum Beispiel ob eine allergische Rhinitis vorliegt oder ob die Nasengänge anatomisch oder durch Nasenpolypen verengt sind.

Akute oder chronische Form

Die Therapie richtet sich danach, ob der ­Patient an einer akuten oder chronischen Rhinosinusitis erkrankt ist. Als akute Form bezeichnen Experten eine Entzündung ­ der Nasennebenhöhlen, die maximal acht beziehungsweise zwölf Wochen dauert und komplett wieder ausheilt. Tritt die Entzündung mehr als dreimal pro Jahr auf, sprechen sie von einer rezidivierenden Rhinosinusitis. Dauern die Beschwerden länger als zwölf Wochen, handelt es sich um die chronische Form.

Warum sich aus einer akuten eine chronische Rhinosinusitis entwickelt, ist noch weitgehend ungeklärt. Fest steht, dass sie mit entzündlichen Prozessen der Schleimhaut einhergeht und die Nasennebenhöhlen zunehmend verstopfen, weil sich vermehrt Gewebe bildet. Die Diagnose belastet Patienten, wenn sie erfahren, dass sie unter einer chronischen Form leiden. Diese quält die Betroffenen über Jahre hinweg, wenn nicht sogar lebenslang und schränkt sie körperlich stark ein. Bedrohliche Komplikationen sind allerdings selten.

Fragt ein Patient in der Apotheke nach einem geeigneten Medikament gegen Sinusitis, sollten PTA oder Apotheker sich unbedingt nach der Erkrankungsdauer und dem genauen Beschwerde­bild erkundigen. Bei Verdacht auf eine chronische Rhinosinusitis muss der Patient zunächst den Arzt aufsuchen. Das gilt auch bei zusätzlichen Symptomen wie Gesichtsschwellungen, hohem Fieber, Benommenheit, Übelkeit oder Erbrechen. Experten schätzen die Rate der ernsthaften Komplikationen bei Erwachsenen auf 1 pro 10 000. Dazu zählen zum Beispiel Hirnhautentzündung (Meningitis), Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis) und Abszesse innerhalb des Gehirns. Die Komplikationen ergeben sich, weil die Kiefer- und Siebbeinhöhlen in direkter Nachbarschaft zu den Augenhöhlen und die Stirn- und Keilbeinhöhle nahe am Gehirn liegen.

Bei 60 bis 80 Prozent der Erkrankten heilt die akute Rhinosinusitis auch ohne Therapie vollständig innerhalb von zwei Wochen aus. Wer die Beschwerden als zu belastend empfindet, kann diese im Rahmen der Selbstmedikation behandeln. Gegen mäßige Schmerzen sind Analgetika wie Paracetamol oder Ibuprofen Mittel der Wahl.

Patienten können außerdem lokal abschwellende Nasentropfen oder -sprays anwenden, beispielsweise mit Xylometazolin oder Oxymetazolin. Diese bewirken, dass die Nasennebenhöhlen kurzfristig wieder besser belüftet werden und Schmerzen nachlassen. Bei der Abgabe sollten PTA oder Apotheker die Patienten darauf hinweisen, dass sie das Präparat maximal sieben Tage anwenden. Empfehlen sie ein Präparat, sollte dieses möglichst keine Konservierungsmittel enthalten.

Für Patienten mit chronischer Sinusitis eignen sich Nasensprays und Nasenspülungen mit hypertonen Salzlösungen. Pa­tienten berichten, dass ihnen das gut tut, obwohl durch Studien nicht ausreichend belegt ist, dass sie den Krankheitsverlauf verkürzen. Aus diesem Grund werden in den ärztlichen Leitlinien salzhaltige Nasensprays und -spülungen zur Therapie der akuten Sinusitis nicht genannt.

Im Einzelfall Glucocorticoide

Sowohl bei der akuten Form als auch zur Basistherapie der chronischen Rhinosinusitis verordnen Ärzte von Fall zu Fall cortisonhaltige Nasensprays, zum Beispiel mit Mometason, Beclomethason- oder Fluti­casondipropionat, Budesonid oder Dexamethason. PTA oder Apotheker sollten Patienten die richtige Sprühtechnik erklären: Die Sprayflasche soll parallel zur Nasenscheidewand gehalten werden. Das geht am besten im Stehen, während der Patient auf seine Füße schaut. Damit sich der Wirkstoff besser verteilt, sollte er jeweils einen Sprühstoß in den oberen und unteren Teil der Nase sprühen.

Bei akuter, nicht eitriger Sinusitis ist auch die Wirkung einiger pflanzlicher Sekretolytika wie Myrtol und Cineol belegt. Der Wirkstoff Myrtol (in Gelomyrtol®) ist ein standardisiertes pflanzliches Mischdestillat aus Limonen, Cineol und (+)-a-Pinen. In Studien erwies sich Myrtol bei Patienten mit akuter Sinusitis gegenüber Placebo als signifikant überlegen. Außerdem benötigten die Erkrankten deutlich seltener eine Therapie mit Antibiotika. Experimentell wurde bestätigt, dass Myrtol die mukoziliäre Clearance steigert und so das Sekret aus den Atemwegen besser abtransportiert wird. Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren nehmen das Präparat viermal täglich; bei Kindern unter zwölf Jahren erfolgt die Dosierung nach Alter beziehungsweise Gewicht. Myrtol ist gut verträglich, nur gelegentlich treten Magen-Darm-Beschwerden auf.

Weitere pflanzliche Sekretolytika

Auch Cineol (in Soledum Kapseln®), der wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoff des Eucalyptusöls, besserte in zwei Studien Sinusitis-Beschwerden im Vergleich zu Placebo signifikant. Cineol verflüssigt einerseits das bei Atemwegsinfektionen zähe Sekret und wirkt andererseits sekretomotorisch, da es die Tätigkeit der Zilien steigert. Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren nehmen täglich insgesamt 400 bis 800 mg Cineol ein. Bei Kindern zwischen acht und zwölf Jahren beträgt die Tagesgesamtdosis 300 mg Cineol. Jüngere Kinder sowie Patienten mit Asthma bronchiale sollten das Präparat nur unter ärztlicher Kontrolle anwenden.

Die standardisierte Mischung aus den fünf Arzneipflanzen Eisenkraut, Enzianwurzel, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten und Schlüsselblumen mit Kelch (in Sinupret®) eignet sich aufgrund ihrer sekretolytischen Eigenschaften bei einer akuten Rhinosinusitis. Das Präparat steht in verschiedenen Darreichungsformen wie Tabletten, Saft und Tropfen zur Verfügung und ist bereits bei Kindern ab zwei Jahren zugelassen.

Als antibakteriell wirksam bei Infektionen des Respirationstrakts hat sich ebenfalls die Kombination aus Kapuzinerkressekraut und Meerrettichwurzel (in Angocin® Anti-Infekt N) erwiesen. Dies ergaben sowohl In-Vitro-Untersuchungen als auch zwei Studien mit 536 beziehungsweise ­ 297 Patienten mit akuter Sinusitis. In den Studien war die Therapie mit dem pflanzlichen Arzneimittel vergleichbar effektiv wie die Gabe eines Standard-Antibiotikums. Unterschiede gab es allerdings bei der Verträglichkeit: Unter dem Phytopharmakon traten deutlich weniger Nebenwirkungen auf. Die Standarddosis bei Kindern von sechs bis zwölf Jahren beträgt dreimal täglich drei, bei Erwachsenen und Jugendlichen über zwölf Jahren drei- bis fünfmal täglich vier bis fünf Filmtabletten.

Bromelain-Präparate werden in der Regel bei Schwellungen und Entzündungen im Mund- und Kieferbereich, insbesondere nach Operationen oder Verletzungen der Nase und Nasennebenhöhlen eingesetzt. Durch ihre abschwellende Wirkung können sie auch die Symptome einer Rhinosinusitis lindern. Die Studienlage ist hierzu allerdings nach wie vor heterogen.

Im Gegensatz zu den pflanzlichen Sekretolytika liegen für chemisch definierte Wirkstoffe wie Ambroxol, Bromhexin und Acetylcystein keine direkten Wirksamkeitsnachweise bei Rhinosinusitis vor.

Einsatz von Antibiotika

Obwohl Ärzte 70 bis 90 Prozent der Patienten Antibiotika verordnen, wenn sie eine bakterielle Infektion vermuten, sind diese Arzneistoffe meist nicht indiziert. Zum einen ist die Mehrzahl der akuten Rhinosinutiden viral bedingt, zum anderen heilen selbst bakterielle Formen meist spontan. Deshalb sollten Patienten mit einer bakteriell bedingten Sinusitis nur dann Antibiotika erhalten, wenn ihre Beschwerden sehr massiv sind oder sich im Verlauf der Erkrankung verstärken, beispielsweise Fieber über 38,3 °C auftritt. Vorsorglich brauchen Antibiotika auch Patienten mit einer chronisch entzündlichen Lungenerkrankung, einer Immunsuppression oder einem schweren Grundleiden. Amoxicillin ist dann das Antibiotikum der ersten Wahl.Manchmal wird eine längerfristige antibiotische Therapie bei Patienten mit einer chronischen Rhinosinusitis erforderlich. Hilft die medikamentöse Therapie nicht ausreichend, werden Operationen nötig.

Unterstützende Maßnahmen

Neben Arzneimitteln können PTA oder Apotheker Betroffenen verschiedene unterstützende Maßnahmen empfehlen: Die Patienten sollten mindestens zwei Liter pro Tag trinken, vor allem wenn sie Fieber haben. Auch Inhalationen mit 42 bis 47 °C warmem Dampf (mit oder ohne Zusatz ätherischer Öle) lindern die Beschwerden. Um die entzündeten Schleimhäute nicht zusätzlich zu reizen, sollten die Erkrankten nicht rauchen oder sich in verrauchten Räumen aufhalten. Beim Naseputzen sollten sie darauf achten, nicht zu heftig zu schnäuzen, da sonst Sekret in die Nasennebenhöhlen hinein gedrückt wird. Am besten immer ein Nasenloch beim Schnäuzen zuhalten, damit der Druck in der Nase nicht zu sehr ansteigt. /

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