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Anders Celsius

Der Mann fürs Genaue

26.11.2012  10:19 Uhr

Von Ralph Daute / Am 7. Dezember vor 311 Jahren wurde Anders Celsius geboren – der Mann, dem wir die Temperatur­messung in ihrer heutigen Form verdanken.

Der schwedische Physiker, Mathematiker und Astronom wusste schon früh, dass er Großes wollte. Im Jahr 1733, da machte er gerade auf einer Forschungsreise durch Europa in Nürnberg Station, schrieb er im jungen Alter von 32 dem fränkischen Gelehrten Nikolaus Weber auf Lateinisch ins Stammbuch. Hier der Eintrag ins Deutsche übersetzt: »Problem: Wie lässt sich auf der ganzen Welt ein- und dieselbe Theologie und Religion verbreiten? – Lösung: Indem allen Völkern überall eine feste und sichere Philosophie gelehrt wird.« Anders Celsius, begabter Sohn einer schwedischen Adelsfamilie, suchte zeit seines Lebens nach ganz großen Lösungen. Sein Vater war Astronom, einer seiner Großväter ebenfalls, der andere Mathematiker.

Wenige Jahre nach seiner Europa­reise gelang es ihm tatsächlich, die Welt zu verändern – allerdings nicht, indem er Theologie und Religion vereinheitlichte, sondern indem er eine Methode zur Temperaturmessung erfand. Diese ermöglichte es erstmals, Temperaturen verlässlich zu vergleichen und setzte sich deshalb in der ganzen Welt durch (mit Ausnahme der USA und einiger weniger englisch­sprachiger Länder, wo die Temperatur in Fahrenheit gemessen wird).

 

Es ist eine jener Erfindungen, deren Folgen sich heute so fest in unserem Alltagsleben verankert haben, dass gar nicht mehr vorstellbar ist, wie das Problem der Temperaturmessung zuvor gehandhabt wurde. Wenn heute das Fieberthermometer 39° anzeigt, ist sicher, dass der Mensch Fieber hat. Wenn der Wetterbericht für morgen eine Temperatur von 4° vorhersagt, wissen wir, dass wir uns besser warm anziehen sollten.

 

In den Jahren, bevor die Erfindung von Celsius sich durchzusetzen begann, kannten die Menschen diese Einheitlichkeit noch nicht. Es gab verschiedene Skalen, und es gab verschiedene Richtwerte. Manche bezogen sich auf die Temperatur des menschlichen Körpers, andere auf zufällige tiefste Temperaturen.

 

Die vom französischen Naturforscher René-Antoine Ferchault de Réaumur (1683 bis 1757) im Jahr 1730 ersonnene Skala nutzte immerhin als Eckpunkte den Schmelzpunkt von Eis und den Siedepunkt von Wasser. Den ersten setzte er mit 0° gleich, den zweiten mit 80°. Allerdings ermittelte er seine Mess­ergebnisse anhand der Ausdehnung von Ethanol. Da sich Ethanol nicht linear ausdehnt, war seine Methode nicht zuverlässig.

 

Fahrenheits Skala

Die nach dem deutschen Physiker Daniel Gabriel Fahrenheit (1686 bis 1736) benannte Skala hatte als Nullpunkt die tiefste Temperatur des strengen Winters 1708/1709 in seiner Heimatstadt Danzig (-17,8 °C). Weitere Fixpunkte waren der Gefrierpunkt des reinen Wassers (32 °F) und die »Körpertemperatur eines gesunden Menschen« (96 °F). Das alles reichte Anders Celsius nicht. Wie vor ihm schon Réaumur wählte der schwedische Wissenschaftler den Schmelzpunkt von Eis und den Siedepunkt von Wasser als Fixpunkte für seine Skala. Den Abstand dazwischen teilte er in 100 gleiche Einheiten auf, weshalb er selbst seine Entwicklung auf den Namen Centigrad-Skala taufte.

 

Doch Celsius dachte noch einen Schritt weiter, denn bekanntlich ändert sich beispielsweise der Siedepunkt von Wasser je nach Luftdruck. Deshalb fügte er seinen Messungen auch den herrschenden Luftdruck hinzu. Erst diese Verknüpfung machte die Temperaturmessungen universell vergleichbar.

 

Quecksilber im Glasrohr

Das Originalthermometer, das Celsius für seine Messungen nutzte, kann heute im Museum der Universität Uppsala besichtigt werden. Es handelt sich um ein Reservoir mit Quecksilber, das bei Ausdehnung in ein Glasröhrchen steigt. Das alles ist auf ein Holzbrett montiert, auf dem die Skala bequem ablesbar ist.

Als Celsius im Jahr 1742 seine Centi­grad-Skala der Öffentlichkeit vorstellte, war er bereits ein berühmter Wissenschaftler. Auf dem Gebiet der Astronomie hatte er sich systematisch damit beschäftigt, die Helligkeit der Sterne zu messen, und sich – in Skandinavien vielleicht nahe liegend – außerdem mit der Erforschung der Polarlichter befasst und entdeckt, dass diese das Magnetfeld der Erde stören.

 

Keine dieser Entdeckungen hatte jedoch mehr Einfluss auf die Menschheit als das kleine, mit Quecksilber gefüllte Glasröhrchen, das er im Alter von 40 Jahren bastelte. Von diesem Welt­erfolg erlebte der Forscher, den zeitgenössische Abbildungen als Mann mit zarten Gesichtszügen zeigen, allerdings nicht mehr. Celsius starb am 6. Mai 1744 im Alter von 42 Jahren an Tuberkulose. Zwei Jahrhunderte später, im Jahre 1948 wurde die Temperaturskala von der 9. Generalkonferenz für Maß und Gewicht in Sèvres bei Paris im Gedenken an Anders Celsius in Celsius-Skala umbenannt.

 

Sechs Jahre danach verabschiedeten sich zumindest die Physiker von dieser Skala: Im Jahr 1954 wurde offiziell als weitere Temperaturmesseinheit das Grad Kelvin eingeführt. Die Skala beginnt beim absoluten Nullpunkt (-273,15 °C). Nach dieser Skala gefriert Wasser bei 273,15 ° Kelvin und siedet bei 373,15 ° Kelvin. Im Alltagsleben konnte sich die Kelvin-Skala nicht durchsetzen. Vermutlich werden auch noch unsere Nachfahren lange Zeit die Celsius- Lösung bevorzugen. /

E-Mail-Adresse des Verfassers

ralf.daute(at)me.com

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