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Lippen

Empfindlich und pflegebedürftig

26.11.2012  10:12 Uhr

Von Verena Arzbach / In der kalten Winterluft trocknet die zarte Haut der Lippen besonders schnell aus. Sie wird rissig und spröde. Reißt die Haut hingegen ständig in den Mundwinkeln ein oder bilden sich auf den Lippen dunkle Flecken oder Verhärtungen, liegen dem meist tiefergehende Ursachen zugrunde.

Im Unterschied zur restlichen Haut sind die Lippen nur mit einem dünnen Plattenepithel aus lediglich drei bis fünf Zellschichten überzogen. Auf ihrer Oberfläche befinden sich keine Schweiß- und Talgdrüsen, sodass sie nicht wie die übliche Haut von einem schützenden Feuchtigkeitsfilm überzogen sind. Daher macht den Lippen die Winterkälte besonders zu schaffen, die Lippenhaut wird schnell spröde und trocknet aus.

In der kalten Jahreszeit leiden viele Menschen unter rauen und rissigen Lippen, weil der häufige Wechsel zwischen frostigen Außentemperaturen und trockener Heizungsluft den Lippen viel Feuchtigkeit entzieht. Im Winter benötigen sie somit besondere Aufmerksamkeit. Zur täglichen Pflege eignet sich ein Fettstift (zum Beispiel Bepanthol® Lipstick, Eucerin® Lip Aktiv). Die aufgetragene Fettschicht schützt die Lippenhaut und verhindert, dass sie noch mehr Feuchtigkeit verliert. Bei sehr rauen Lippen schützen reichhaltigere Lippenbalsame oder -cremes vor extremer Trockenheit und Rissen und helfen der Haut, sich zu regenerieren (zum Beispiel Bepanthol® Lippencreme, Eucerin® Acute LipBalm, LaRochePosay Ceralip).

Schmerzhafte Risse

Trocknet auch die umgebende Haut stark aus, reißt die Lippe leicht ein und die kleinen Verletzungen entzünden sich. Häufig betrifft dies die Mundwinkel. Es entstehen sogenannte Mundwinkelrhagaden, auch als Faulecken oder Perlèche bezeichnet. Diese spannen und schmerzen beim Essen und Sprechen. Doch nicht immer ist die Kälte Schuld, häufig verursachen schlecht sitzende Zahnprothesen oder Pilzinfektionen der Mundschleimhaut Rhagaden in den Mundwinkeln. In anderen Fällen entstehen die Einrisse aufgrund einer chronischen Erkrankung wie Psoriasis, Leberzirrhose oder Diabetes mellitus. Auch Immunschwäche oder eine gestörte Hautbarriere, beispielsweise beim atopischen Ekzem, können zu Mundwinkelrhagaden führen. Auf diese Zusammenhänge sollten PTA und Apotheker Kunden hinweisen, die das ganze Jahr über Lippenpflegeprodukte kaufen. Diese sollten auf jeden Fall den Arzt aufsuchen, um eine mögliche Grunderkrankung als Ursache der Rhagaden abklären zu lassen.

Tipps für schöne und gepflegte Lippen

  • Mehrmals täglich eine reichhaltige Lippenpflege auftragen.
  • Lippenbalsam schützt vor Kälte und Rissen und spendet Feuchtigkeit.
  • Vor dem Schlafengehen die Lippen dick mit Dexpanthenol-Salbe eincremen.
  • Nicht auf den Lippen kauen, denn sonst entstehen kleine Verletzungen, die sich entzünden können und die Lippen anfällig für Keime und Herpes-Viren machen.
  • Trockene Lippen nicht mit der Zunge befeuchten, das entzieht ihnen noch mehr Feuchtigkeit.
  • Ein ausreichender UV-Schutz ist besonders am Meer und im Gebirge wichtig.
  • Im Winter keine austrocknenden Produkte wie lang haftende Lippen­stifte auftragen.

Häufig sind kleine Risse und Entzündungen auch Ausdruck von Eisen- oder Vitaminmangel. Hier spielen vor allem die Vitamine B2 (Riboflavin) sowie B12 eine Rolle. Vitamin B2-Mangel tritt bei unausgewogener Ernährung oder bei sehr hohem Alkoholkonsum auf. Bei einer Vitamin-B12-Unterversorgung liegt in der Regel eine Resorptionsstörung im Magen-Darm-Trakt vor. Fleisch, Eier und Milchprodukte enthalten viel Vitamin B12, Getreide, Gemüse und Fisch viel Vitamin B2.

UV-Schutz wichtig

Die Zellen der Lippenhaut sind frei von Pigmenten: Darunter liegende Blutgefäße schimmern durch und verleihen den Lippen das typische Rot. Diese Tatsache macht sie aber auch besonders anfällig für Schäden durch UV-Licht. Vor allem Skifahrer müssen bei starker Sonneneinstrahlung auf ausreichenden UV-Schutz achten. Zum Schutz der Lippen eignen sich beispielsweise Apothekers Lippenbalsam LSF 30+, Ladival® UV- Schutzstift mit Lichtschutzfaktor 30, Ilrido® Lippenpflege mit UV- Schutz und La Roche- Posay® Anthelios XL Stick.

Durch jahrelange intensive UV-Strahlung kann sich auch die Oberhaut der Lippen verändern, genauso wie andere Hautstellen. Die betroffenen Partien fühlen sich rau an, bilden Schuppen und trocknen stark aus. In der Folge besteht die Gefahr einer aktinischen Keratose, die sich im schlimmsten Fall zum Hautkrebs weiterentwickelt.

Allerdings ist dies relativ selten: Weniger als einer von 100 000 Menschen erkrankt daran. Männer haben gegenüber Frauen ein etwa dreimal größeres Risiko, ein Lippenkarzinom zu entwickeln. Ob ein Zusammenhang dazu besteht, dass Frauen weitaus häufiger Lippenstifte und -balsame benutzen, ist bislang nicht geklärt. Experten machen neben übermäßiger Sonneneinstrahlung vor allem das Pfeiferauchen verantwortlich für die Entstehung eines Tumors.

Erste Vorboten eines Lippenkarzinoms sind eine starke Verhornung der Lippenhaut an einer oder mehreren Stellen sowie Knoten oder Verhärtungen. Auch nicht verwischbare Flecken auf der Lippe, Leukoplakie genannt, gelten als erste Zeichen von Lippenkrebs. PTA oder Apotheker sollten Kunden mit diesen ungewöhnlichen Veränderungen zum schnellen Arztbesuch raten.

Die Aussichten auf Heilung bei Lippenkarzinomen stehen sehr gut: Ärzte können einen Großteil der Patienten vollständig heilen. Da das Karzinom an einer prominenten Stelle auftritt, bemerken die Betroffenen es zumeist rechtzeitig. Außerdem beschränken sich Lippentumore lange auf einen begrenzten Bereich, selten bilden sie Metastasen. Als beste Behandlung gilt die möglichst frühzeitige operative Entfernung des Tumors. /

Süchtig nach Pflege

Einige Menschen pflegen in jeder freien Minute ihre vermeintlich trockenen Lippen mit einem Fettstift oder Balsam. Schädlich ist diese auch »Labello-Sucht« genannte Abhängigkeit jedoch nicht. Probleme können lediglich bestimmte Inhaltsstoffe des Pflegestifts oder Balsams bereiten. Wenn die Lippen bereits kurze Zeit nach dem Benutzen der Pflege wieder trocken und rissig sind oder spannen, könnte auch ein hoher Gehalt an Mineralölen, Emulgatoren oder Paraffinen im Pflegeprodukt dafür verantwortlich sein. Diese Stoffe trocknen die Lippen meist noch zusätzlich aus; so entsteht das Gefühl, ständig neu Pflege auftragen zu müssen. Mancher reagiert auch empfindlich auf bestimmte Duft- und Konservierungsstoffe. Dann sollten PTA oder Apotheker den Kunden raten, das Produkt zu wechseln. Viele Pflegeprodukte aus der Apotheke sind frei von Konservierungs- und Duftstoffen.

E-Mail-Adresse der Verfasserin

arzbach(at)govi.de