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Thymian

Hustenlöser mit Mut-mach-Effekt

26.11.2012  10:04 Uhr

Von Ursula Sellerberg / Die altbewährte Heilpflanze hilft bei Husten und Atemwegserkrankungen, aber auch bei Entzündungen der Mundschleimhaut und Mundgeruch. Thymianbäder sollen Juckreiz lindern.

Thymian ist eine der ältesten bekannten Heilpflanzen und wird seit mehr als 4000 Jahren verwendet. Bereits der berühmteste Arzt des Altertums, Hippokrates (460 bis 370 v. Chr.), schätzte ihn als Heilmittel gegen Erkrankungen der Atemwege. Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) setzte Thymian bei Asthma ein, um Schleim im Rachen und im Magen zu lösen, Bandwürmer zu vertreiben und den Harnfluss zu fördern. Äußerlich galt Thymian in der Antike als bewährtes Mittel bei Warzen, Hämorrhoiden oder Ödemen. Ende des 8. Jahrhunderts empfahlen die Verfasser des »Lorscher Arzneibuch« Thymian als eine Art Allheilmittel zur Förderung der Verdauung, bei Magen-, Leber- oder Milzproblemen. Er wurde auch gegen Asthma, Atemnot und Würmer eingesetzt sowie gegen Insektenstiche, Kopf- und Gliederschmerzen. Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) verwendete ihn vor allem gegen Keuchhusten. Thymian hatte im Mittelalter auch eine symbolische Bedeutung: Um ihnen Mut und Kraft zu schenken, steckten die Hof-damen den Rittern bei Turnieren ein Thymiansträußchen an. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelang es, den Naturstoff Thymol aus dem ätherischen Öl zu isolieren. Er galt als Wirkstoff gegen die Infektionskrankheit Lepra.

Noch heute wird Thymian als Arzneipflanze häufig eingesetzt. Daher prämierte der Würzburger Studienkreis Entwicklungs­geschichte der Arzneipflanzenkunde im Jahr 2006 den Echten Thymian zur »Arzneipflanze des Jahres«. Stammpflanzen der Arzneidroge sind Thymus vulgaris (Echter Thymian) und Thymus zygis (Spanischer Thymian) aus der Familie der Lamiaceae (Lippenblütler). Für die Entstehung des Namens gibt es verschiedene Theorien: Der Name Thymian soll sich entweder vom griechischen thymos (Mut) oder thymiama (Räucherwerk) ableiten.

Typische Mittelmeerpflanze

Thymian stammt ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeergebiet. Kultiviert wird er heute weltweit in warmen Regionen. Der mehrjährige Zwergstrauch wird bis zu einem halben Meter hoch, ist reich verzweigt und blüht hellviolett. Die Blätter sind am aromatischsten, wenn sie kurz vor der Blüte der Pflanze gepflückt werden. Thymian riecht intensiv und schmeckt aromatisch sowie etwas scharf.

Die Droge Thymiankraut (Thymi herba) besteht aus den Blättern und Blüten. Da das ätherische Öl die Wirkung bestimmt, fordert das Europäische Arzneibuch einen Mindestgehalt von 1,2 Prozent. Das Öl besteht hauptsächlich aus Thymol und Carvacrol sowie deren Vorstufen. Die Ph. Eu. fordert einen Anteil von mindestens 40 Prozent Thymol und Carvacrol im ätherischen Öl. Des Weiteren enthält Thymian Flavonoide und Lamiaceaen-Gerbstoffe wie die Rosmarinsäure, die antiviral und entzündungshemmend wirkt.

Thymiankraut löst Krämpfe in den Atemwegen, wirkt expektorierend und antibakteriell. Da das ätherische Öl nach Einnahme teilweise über die Lunge ausgeschieden wird, entfaltet es dort auch direkt seine Wirkung. Isoliertes Thymol wirkt antimikrobiell gegen Schimmelpilze, Protozoen und Viren, nach Erfahrungsberichten lindert es auch Schmerzen.

Für Atemwege und Mund

Die Kommission E des früheren Bundesgesundheitsamtes und die europäischen Experten der ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) haben dem Thymian folgende Einsatzgebiete bescheinigt: Symptome der Bronchitis und des Keuchhustens sowie Katarrhe der oberen Atemwege. Seine Extrakte lindern Hustenreiz und beschleunigen den Abtransport des Schleims. Weitere Indikationen sind laut ESCOP Mundschleimhautentzündung (Stomatitis) und Mundgeruch (Halitose). Eine Kommission der europäischen Zulassungsbehörde EMA, die HMPC (Committee on Herbal Medicinal Products), hat Thymiankraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft und somit für die traditionelle Verwendung »zur Besserung des Befindens bei Erkältungskrankheiten beziehungsweise zur Unterstützung der Schleimlösung im Bereich der Atemwege« zugelassen.

Die Droge kann auch äußerlich als Badezusatz oder in Form von Umschlägen angewendet werden. Als durchblutungsförderndes, antibakterielles und desodorierendes Mittel soll sie Juckreiz und Hauterkrankungen lindern.

Wohltat für die Haut

Ein Thymianbad lässt sich wie folgt herstellen: 500 Gramm der Droge werden mit 4 Litern kochendem Wasser angesetzt und nach dem Abfiltrieren ins Badewasser gegeben Das Bad sollte 10 bis 20 Minuten dauern und die Wassertemperatur 35 bis 38 °C betragen. Patienten mit schwerem Fieber oder Infektionen, ausgedehnten Hautverletzungen oder akuten Hautkrankheiten sollten grundsätzlich nur nach Rücksprache mit dem Arzt ein Vollbad nehmen, ganz unabhängig vom Wirkstoff. Für Umschläge werden 5%-ige Zubereitungen verwendet.

Wem die Zeit zur Teezubereitung fehlt, kann auch industriell hergestellte Zubereitungen anwenden. Die Fertigarzneimittel enthalten meist Thymianfluid-, Dick- oder Trockenextrakte, Presssäfte sowie alkoholische oder wässrige Auszüge. Die empfohlene Dosierung hängt jeweils von der Konzentration der Inhaltsstoffe ab. Thymianöl setzen Hersteller auch mikroverkapselt Bronchialtees zu. Das reine ätherische Öl wird in Arzneimitteln sowie in Externa wie Einreibungen, Salben oder Bädern verwendet.

Thymian ist in vielen Fertigteemischungen gegen Husten oder Erkältung enthalten, meist in Kombination mit anderen Teedrogen. Gebräuchlich sind Mischungen mit 20 bis 30 Prozent Thymian. Für die Teezubereitung sollten Erwachsene pro Tasse ein bis zwei Gramm Droge, dies entspricht etwa einem Teelöffel, mit heißem Wasser übergießen, anschließend zehn Minuten lang ziehen lassen und mehrmals täglich eine Tasse trinken. Die Tageshöchstdosis liegt bei 10 Gramm Droge.

Thymian ist auch für Kinder geeignet – allerdings weichen die Empfehlungen der verschiedenen Kommissionen bezüglich des Alters voneinander ab. Laut ESCOP können Kinder ab einem Jahr Thymiantee mit 1 bis 2 Gramm Droge pro Tasse trinken. Bei jüngeren Kindern soll die Thymian­menge auf 0,5 bis 1 Gramm verringert werden. Die HMPC empfiehlt Thymian erst ab einem Alter von 12 Jahren. Als Grund nennt die HMPC den Mangel an wissenschaftlichen Daten. Grund­sätzlich sollten Eltern ihre Kinder nur dann mit Thymian behandeln, nachdem sie mit dem Arzt Rücksprache genommen haben.

Nebenwirkungen selten

Schwangere oder Stillende sollten Thymianzubereitungen sicherheitshalber nicht einnehmen, da wissenschaftliche Daten fehlen. Hinweise über schädliche Wirkungen gibt es allerdings trotz seines weit verbreiteten Gebrauchs nicht. Sehr selten traten nach Anwendung von Thymian Überempfindlichkeitsreaktionen wie Luftnot, Hautausschläge oder Schwellungen im Gesicht auf. Auch über Magen-Darm-Beschwerden wie Krämpfe oder Übelkeit wurde berichtet. Ob zwischen Thymian und Birken-, Beifuß-, Karotten- sowie Selleriepollen eine Kreuzallergie besteht, wird kontrovers diskutiert.

Die Lagerung in Plastiktüten oder Kunststoffgefäßen mindert die Qualität der Droge, weil sich flüchtige Bestandteile wie das ätherische Öl im Verpackungs­material anreichern. Darauf sollten PTA oder Apotheker die Kunden beim Kauf der Droge hinweisen.

In der Volksmedizin beliebt

Die Volksmedizin empfiehlt Thymian unter anderem für Durchspülungen der Harnwege, bei Appetit­losigkeit und Völlegefühl. Er soll außerdem beruhigend und fiebersenkend wirken. Äußerlich wird Thymian auch als Hautreizungsmittel und als Badezusatz gegen rheumatische oder neuralgische Erkrankungen eingesetzt. Außerdem soll er bei Hautproblemen und schlecht heilenden Wunden helfen. Homöopathen verwenden Thymian nur selten. Die Kommission D, eine Expertengruppe für Homöopathika, bewertete ihn negativ.

Aromatisches Gewürz

Aus der traditionellen französischen und italienischen Küche ist Thymian als Gewürz nicht wegzu­denken. Verwendet werden meist die frischen oder getrockneten Triebspitzen. Auch in einigen appetit- und verdauungsfördernden Likören darf Thymian nicht fehlen, zum Beispiel im Benediktiner, Karthäuser oder Stonsdorfer. Das ätherische Öl wird wegen seiner antimikrobiellen Wirkung und seines aromatischen Geruchs außerdem in Rasierwässern und anderen Kosmetika zugesetzt. /

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