PTA-Forum online
Myome

Schwere Last für viele Frauen

26.11.2012  10:29 Uhr

Von Marion Hofmann-Aßmus / Bei vielen Frauen im gebärfähigen Alter haben sich in der Gebärmutter Myome gebildet. So lange diese keine Beschwerden machen, bleiben sie meist unbemerkt oder werden nur zufällig entdeckt. Manchen Frauen bereiten sie jedoch regelmäßig heftige Schmerzen und verursachen sehr starke Blutungen während der Regel.

Myome entwickeln sich aus den glatten Muskelzellen der Gebärmutter (Uterus) und sind die häufigsten gutartigen Tumore der Frau. Bis zu 40 Prozent aller 35- bis 55-Jährigen sind betroffen – also rund 24 Millionen Frauen in der europäischen Union. In den Jahren direkt vor der Menopause finden sie sich bei bis zu 70 Prozent aller Frauen. Da die weiblichen Geschlechtshormone Progesteron und Estrogen das Wachstum von Myomen fördern, bilden sich diese mit sinkenden Hormonspiegeln in den Wechseljahren meist vollständig zurück.

Warum so viele Frauen Myome entwickeln, ist bislang nicht geklärt. Einige Risikofaktoren, sind allerdings bekannt: So ist generell das Risiko bei dunkelhäutigen Frauen um den Faktor 2 bis 3 erhöht. Falls in einer Familie bereits die Mutter oder die Großmutter Myome hatte, besteht auch für die Töchter eine höhere Wahrscheinlichkeit. Übergewichtige Frauen haben ebenfalls ein höheres Risiko. Schwanger­schaft und Geburt scheinen hingegen eine schützende Wirkung auszuüben.

Oft symptomlos

Längst nicht alle Frauen leiden unter ihren Myomen, doch bleibt nur etwa ein Viertel der Betroffenen vollkommen symptomfrei. Beginnen die Beschwerden bereits in jugendlichem Alter, haben die Mädchen meist eine lange Leidenszeit bis zur richtigen Diagnose vor sich. Klagen sie über Schmerzen während der Periode und sehr starke Blutungen, werden sie häufig von ihren Müttern nicht ernst genommen, sondern statt­dessen mit dem Argument beruhigt: Das sei »normal«. Was tatsächlich normal ist, können die Betroffenen allerdings nur schwer beurteilen. Ärzten steht dafür ein Auswertungs­bogen zur Verfügung, der »pictorial blood assessment chart« oder PBAC-Score. Mithilfe einer Punkteskala lässt sich damit von der Menge der täglich verwendeten Hygieneartikel auf die Stärke der Monatsblutung schließen.

In der Regel machen sich Myome erst bei Frauen zwischen Ende 30 und Mitte 40 bemerkbar. Abhängig von der Stärke der Beschwerden fühlen sie sich dadurch mehr oder weniger stark in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Denn heftige, langanhaltende Blutungen können zu Krankschreibung, beruflichen Schwierigkeiten und einem erzwungenen vorübergehenden Rückzug aus dem sozialen Leben führen. PTA und Apotheker sollten die Frauen im Beratungsgespräch darin bestärken, möglichst bald einen Gynäkologen aufzusuchen, um die Ursachen abklären zu lassen.

Vielerlei Beschwerden

Myome wachsen in der Gebärmutter oder dem Gebärmutterhals. Mit Hilfe einer Tast- oder Ultra­schall­unter­suchung sind sie leicht diagnostizierbar. Von einem »Uterus myomatosus« spricht der Arzt, wenn zahlreiche Myome vorhanden sind. Myome können sehr klein sein oder bis zu kinds­kopfgroß werden.

Abhängig davon, wo das Myom wächst, wie viele Knoten entstanden und wie groß diese sind, unterscheiden sich die Symptome. Sehr große Myome drücken häufig auf benachbarte Organe wie die Harnblase, den Darm oder die Nieren. Die Folgen sind verstärkter Harndrang, Verstopfung oder Schmerzen in Bauch oder Rücken. Drückt das Myom auf einen Nerv, etwa den Ischiasnerv, spüren die Frauen einen ziehenden Schmerz in den Beinen oder im unteren Rücken. Starke, langandauernde Blutungen entstehen, weil sich die Gebärmutter aufgrund der Myome nicht mehr richtig kontrahieren kann. In der Folge entwickelt sich häufig eine Anämie, die mit Herzklopfen, Schwindel, Kopfschmerzen oder Atemnot bei körperlicher Belastung einhergehen kann. Manche Myome wachsen an einer Art Stiel. Eine Drehung dieses Stiels verursacht sehr starke Schmerzen und gilt als Notfall, der sofort operiert werden muss.

Da Myome von einer kapselartigen Struktur umgeben sind und nicht in das umliegende Gewebe hinein wachsen, zählen sie zu den gutartigen Tumoren. Die Gefahr, dass sich aus einem Myom ein bösartiges Sarkom entwickelt, besteht nach heutigem Kenntnisstand daher nicht.

Wie Medikamente helfen

Verursachen die Myome keine Beschwerden, müssen sie nicht behandelt werden. Ist aber eine Therapie erforderlich, hängt die Behandlung von der Art des Myoms ab, dem Alter der Frau sowie davon, ob sie noch Kinder bekommen möchte. Patientinnen, die nicht operiert werden können, erhalten in der Regel eine Hormontherapie. Die Hormongabe kann auch als Vorbereitung einer Operation sinnvoll sein, da sie die Myome schrumpfen lassen und diese damit besser operativ entfernt werden können.

Bislang verordneten Frauenärzte vor allem Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Analoga wie Leuprorelin, Triptorelin und Goserelin. Unter der Therapie sinkt der Progesteronspiegel im Blut, wodurch das Myom-Wachstum stagniert. Allerdings verringern diese Medikamente auch den Estrogenspiegel. Dadurch werden die Frauen für die Zeit der Einnahme in einen postmenopausalen Zustand versetzt – mit allen für die Wechseljahre typischen Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen oder dem Verlust an Knochenmasse. GnRH-Analoga sollten die Frauen nicht länger als sechs Monate einnehmen. Nach Absetzen der Therapie wachsen die Myome häufig wieder.

Länger wirksam

Seit Februar 2012 ist Ulipristalacetat, bekannt als »Pille danach«, zur präoperativen Behandlung von Uterusmyomen zugelassen. Es normalisiert die starken Blutungen meist innerhalb von acht Tagen und verringert die Myomgröße. Erste Untersuchungen lassen vermuten, dass die wachstums­hemmende Wirkung länger anhält als die der GnRH-Analoga. Als selektiver ­Progesteronrezeptor-Modulator beeinflusst der Wirkstoff lediglich die Progesteron-Wirkung, verändert jedoch nicht die Estrogen-Konzentration im Blut. Das ist vermutlich der Grund dafür, dass weniger Nebenwirkungen auftreten als unter GnRH-Analoga. Die Behandlungsdauer ist auf drei Monate begrenzt.

Häufigste Therapieform

Ein operativer Eingriff erfolgt heute möglichst schonend, so dass die Gebärmutter erhalten bleibt. Die Gebärmutter wird nur noch bei Frauen mit abgeschlossenem Kinderwunsch oder mit vielen oder schnell wachsenden Myomen entfernt (Hysterektomie). Eine minimal-invasive Methode ist die Myom-Embolisation. Hierbei wird mithilfe kleiner Kunststoffpartikel die Blutversorgung des Myoms unter­brochen, das daraufhin innerhalb von sechs bis zwölf Monaten abstirbt und resorbiert wird. Allerdings kann dieser Eingriff zu starken Schmerzen führen. Aufgrund des Risikos, dass die Partikel auch die Eierstock-Arterie verschließen, ist die Embolisation vornehmlich für Frauen mit abge­schlossener Familienplanung geeignet.

Zu den minimal-invasiven Verfahren zählt auch die »Ausschälung«. Dabei schält der Operateur das Myom während einer Bauch- oder Gebärmutterspiegelung aus der Gebärmutter heraus und entfernt es durch die Bauchdecke oder die Scheide.

Nichtinvasive Methode

Eine relativ neue, nicht-invasive Methode ist das »Einschmelzen« der Myome mittels fokussiertem Ultraschall (Magnet Resonance guided Focused Ultra Sound Surgery, MRgFUS). Dabei richtet der Operateur gebündelte (fokussierte) Ultraschallwellen gezielt auf das Myom. Da der fokussierte Ultraschall Hitze erzeugt, wird das Myom, oder möglichst große Teile davon, quasi eingeschmolzen. Die verbleibenden Reste stößt der Körper ab oder resorbiert sie. /

E-Mail-Adresse der Verfasserin

hofmann_assmus(at)t-online.de