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Carl Friedrich Zeiss

Der Mann für den Durchblick

18.08.2014
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Von Ralf Daute / Am 11. September 1816 wurde in Weimar Carl Friedrich Zeiss geboren. Als perfektionistischer Mechaniker führte er die Mikroskopie in neue Dimensionen.

Carl Zeiss war als Unternehmer sehr erfolgreich, denn er konnte im Laufe seines Lebens rund 10 000 Mikroskope verkaufen. Es hätten sogar einige mehr sein können, hätte sein Hang zum Perfektionismus dies nicht verhindert: 

Wenn der Chef mit der Arbeit eines Angestellten nicht zufrieden war, konnte es vorkommen, dass er dessen soeben gefertigtes Mikroskop auf einem Amboss zertrümmerte.

 

Solche Ereignisse bilden den Stoff, aus dem später Legenden werden. Zeiss war schon zu Lebzeiten eine Legende, sein Name steht immer noch für feinmechanische Präzision. Als Albert Einstein 1925 für die Entwicklung eines speziellen Kreiselkompasses besonders genaue Messgeräte benötigte, schrieb er an einen Physikerkollegen: »Die Schwierigkeiten der Herstellung sind, da es auf zehn hoch vier ankommt, so groß, dass gegenwärtig nur Zeiss so was machen kann.« Zu diesem Zeitpunkt war Carl Zeiss schon 37 Jahre tot. Doch der Ruf in Sachen Präzision überdauerte ihn und besteht bis heute.

 

Zeiss hat sein Leben so auf die Optik fokussiert, dass sich fast alle seine Aufzeichnungen auf technische Beschreibungen und Buchführung beziehen. Dafür sprachen und schrieben andere über ihn. So formulierte beispielsweise der Zoologe Ernst Haeckel, als er 1880 die Ehrendoktorwürde für Zeiss beantragte: »Die Zeiss’schen Mikroskope werden gegenwärtig von keiner anderen optischen Werkstätte erreicht.«

 

Carl Friedrich Zeiss wurde in Weimar als fünftes von zwölf Kindern geboren. Seinen Vornamen erhielt er, weil der Vater, ein renommierter Kunstdrechslermeister, mit dem damaligen Erbprinzen Karl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach befreundet war. Der Erbprinz übernahm auch die Patenschaft für das Kind.

Zeiss verließ das Gymnasium in Weimar ein Jahr vor der eigentlichen Reifeprüfung. Allerdings erlaubte sein Abschluss ihm, naturwissenschaftliche Fächer an einer Universität zu studieren. In Jena absolvierte der junge Mann eine Lehre als Mechaniker und war nebenbei als Student an der Universität eingeschrieben. Besonders in Mode war damals die Beschäftigung mit den neuen Dampfmaschinen – und auch Zeiss ließ sich von der Begeisterung für diese Geräte anstecken. In den Jahren 1838 bis 1845 arbeitete er in Stuttgart, Darmstadt, Wien und Berlin.

 

Aus Gründen, die nicht überliefert sind, beendete Zeiss seinen Flirt mit dem Maschinenbau um 1845 und fasste den Entschluss, es mit dem Bau wissenschaftlicher Apparate zu versuchen. Da ihm dieses Gewerbe in seiner Heimatstadt Weimar verwehrt wurde, bat er am 10. Mai 1846 die Landesdirektion in Weimar um eine Konzession für Jena. Nach einigen Monaten Wartezeit durfte Zeiss am 17. November 1846 endlich mit seinem Betrieb beginnen. Das Startkapital von 100 Talern streckte sein Bruder vor.

 

Zunächst produzierte Zeiss alle möglichen Instrumente. Doch der Durchbruch gelang ihm mit Mikroskopen, die der Konkurrenz überlegen waren. Das von Zeiss eingeführte Prinzip wurde in optischen Mikroskopen bis heute beibehalten: Die Scharfstellung erfolgt über die Optik und nicht über den Objektivtisch.

 

Nach dem gelungenen Start seines Unternehmens gründete Zeiss eine Familie und heiratete am 29. Mai 1849 die Tochter eines Pfarrers. Diese starb allerdings bereits ein Jahr später bei der Geburt des ersten Sohnes. Drei Jahre danach heiratete der Unternehmer in zweiter Ehe Ottilie Trinkler. Das Paar hatte zwei Töchter und einen Sohn.

 

Zwar widmete sich Zeiss in der Freizeit dem Garten und züchtete Rosen, doch eigentlich galt seine ganze Leidenschaft seinem Betrieb. Die Mitarbeiter führte er mit strenger Hand, gearbeitet wurde von sechs Uhr morgens bis sieben Uhr abends. Wenn jemand nach Ansicht des Chefs nicht schnell genug arbeitete, konnte es vorkommen, dass dieser ihm die Zahlung verweigerte. Gleichwohl soll ein gutes Betriebsklima geherrscht haben, unter anderem, weil es regelmäßig Festlichkeiten und Betriebsausflüge mit der Pferdekutsche gab, deren Kosten der Patriarch übernahm.

Eigene Krankenkasse

Als Arbeitgeber tat sich Zeiss 1875 zudem durch die Gründung einer eigenen Krankenkasse hervor, die als die Keimzelle der heutigen Sozialsysteme gilt. Jeder Werksangehörige konnte sich im Krankheitsfall kostenlos durch einen Kassenarzt behandeln lassen und erhielt kostenlos Medikamente. Bei Arbeitsunfähigkeit zahlte Zeiss zwölf Wochen lang eine Unterstützung.

 

Im Alter von 50 Jahren startete Zeiss 1866 erneut einen Versuch, die Objektive der Mikroskope auf rechnerischer Grundlage herzustellen. Dazu begann er eine Zusammenarbeit mit dem Physiker Ernst Karl Abbe (1840–1905). Sechs Jahre später meldete der Wissenschaftler Vollzug, im Katalog Nummer 19 heißt es: »Die hier aufgeführten Mikroskop-Systeme sind sämtlich neuerdings auf Grund theoretischer Berechnung des Herrn Professor Abbe in Jena construiert.« Die neuen Produkte erwiesen sich als Renner. Nochmals verbessert wurden die Apparaturen, als Zeiss sich den Glas-Experten Otto Schott (1851–1935) aus Witten ins Boot holte, der sich fortan um die Verbesserung der Glasqualität bemühte.

 

Im Dezember 1885 erlitt Zeiss einen leichten Schlaganfall. Zehn Monate später, im Alter von 70 Jahren, besuchte er noch den Festakt zur Fertigstellung des 10 000. Mikroskops. Doch danach erlosch die Lebenskraft des Unternehmers: Nach einer Serie von Schlaganfällen starb er am 3. Dezember 1888. Sein Grab befindet sich auf dem Johannisfriedhof in Jena. /