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Sonnenschutz

Ruhig dick auftragen

20.06.2016
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Von Verena Arzbach / Dass ein umfassender Sonnenschutz im Sommer zum Pflichtprogramm gehört, weiß inzwischen jedes Kind. Aber welches Präparat eignet sich für wen? Hier können PTA und Apotheker bei der Beratung punkten, genau wie mit Tipps rund um das Auftragen von Sonnencreme oder -lotion.

Die Wahl des passenden Sonnenschutzmittels beginnt mit der Suche nach dem richtigen Lichtschutzfaktor (LSF). Der LSF gibt an, um wie viel länger die Haut nach Auftragen des Sonnenschutzmittels der UV-B-Strahlung ausgesetzt werden kann, bevor es zu einem Sonnenbrand kommt. Der LSF bezieht sich damit nur auf UV-B-Strahlen. Ein Schutz vor den energieärmeren UV-Strahlen ist aber ebenfalls wichtig. Diese lösen zwar keinen Sonnenbrand aus, sind aber verantwortlich für eine vorzeitige Hautalterung und allergische Reaktionen wie Sonnenallergie oder Mallorca-Akne. PTA und Apotheker sollten also unbedingt ein Sonnenschutzmittel mit UV-A- und UV-B-Schutz empfehlen. Der UV-A-Schutz sollte dabei laut EU-Empfehlung mindestens ein Drittel des LSF betragen.

Wer welchen LSF wählen sollte, hängt natürlich vom Hauttyp ab. Es gibt sechs verschiedene Pigmentierungstypen (siehe Tabelle 1). Die Haut der meisten Deutschen entspricht dem Hauttyp 2 (nordischer Typ), sie können 10 bis 20 Minuten ungeschützt in der Sonne bleiben, ohne dass sich ein Erythem bildet. Multipliziert man die jeweilige Eigenschutzzeit mit dem angewendeten LSF, ergibt sich der Zeitraum, den man in der Sonne verbringen kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Experten empfehlen, die so errechnete Maximalzeit nicht auszureizen. Vielmehr sollte man bei einem Tag am Strand nur etwa 60 Prozent der errechneten Schutzzeit nutzen.

Phototyp Eigenschutzzeit (min)*
keltischer Typ (Typ I) unter 10
nordischer Typ (Typ II) 10 bis 20
Mischtyp (Typ III) 20 bis 30
mediterraner Typ (Typ IV) über 30
dunkle Hauttypen (Typ V) über 60
schwarze Hauttypen (Typ VI) über 90

Tabelle 1: Phototypen und ihre Sonnenempfindlichkeit
* Eigenschutzzeit: maximale Aufenthaltszeit in sommerlicher Mittagssonne bis zum Auftreten des Erythems

Des Weiteren muss bei der Wahl des LSF auch die Intensität der UV-Strahlung beachtet werden. Diese ist unter anderem abhängig von Sonnenstand, geografischer Höhe, Luftverschmutzung und Ozongehalt. Ein Maß für die Strahlenintensität ist der UV-Index (www.uv-index.de). Er erlaubt eine tagesaktuelle Einschätzung der gesundheitlichen Risiken durch UV-Strahlen. Als Faustregel gilt: Für Menschen des Phototyps I und II sollte der LSF das Fünffache, für Menschen des Phototyps III das Dreifache des UV-Index betragen.

UVI Einstufung Schutzmaßnahme
1 bis 2 niedrig kein Schutz notwendig, gefahrloser Aufenthalt draußen möglich
3 bis 5
6 bis 7
mittel
hoch
Schutz notwendig: In der Mittagszeit Schatten suchen, T-Shirt anziehen, Sonnencreme ­auftragen, Hut aufsetzen
8 bis 10
11+
sehr hoch
extrem
besonderer Schutz notwendig: In der Mittagszeit möglichst nicht draußen aufhalten, ­ unbedingt Schatten suchen, T-Shirt, Sonnencreme und Hut dringend erforderlich

Tabelle 2: UV-Index und erforderlicher Sonnenschutz

Bei der Auswahl des passenden Sonnenschutzmittels müssen PTA und Apotheker auch Besonderheiten des Kunden berücksichtigen. Dazu zählen zum Beispiel individuelle Empfindlichkeiten, Hauterkrankungen sowie Medikamente, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Nehmen Patienten einen photosensibilisierenden Arzneistoff ein, sollten sie sich möglichst wenig in der Sonne aufhalten und Zubereitungen mit hohem LSF verwenden. Beispiele photosensibilisierender Arzneistoffe zeigt der Kasten.

Photosensibilisierende Medikamente (Auswahl)

  • Antibiotika: Tetracycline
  • Antihistaminika: Diphenhydramin, Loratadin
  • Diuretika: Hydrochlorothiazid, Furosemid
  • NSAR: Naproxen, Ibuprofen, Diclofenac
  • Hormone: Estrogene, Progesteron, Corticosteroide
  • Pflanzliche Arzneimittel: Baldrian, Arnika

Der auf der Packung deklarierte LSF gilt für eine Auftragsmenge von 2 mg pro cm2 Hautfläche. Das ist nicht gerade wenig und deutlich mehr, als man es zum Beispiel beim Auftragen einer Bodylotion gewohnt ist. Bei einem Erwachsenen entspricht die empfohlene Menge ungefähr 36 Gramm beziehungsweise drei Esslöffel Sonnenschutzmittel für einmaliges Eincremen des ganzen Körpers.

Elf mal zwei

Da am Strand wahrscheinlich niemand eine Waage oder einen Esslöffel dabei hat, kann man sich in der Praxis mit der »Elf Zonen-zwei-Finger-Regel« behelfen. Der Körper wird in elf Zonen eingeteilt: Kopf, Brust, Bauch, Rücken, Hüften und Po, je zwei Ober- und Unterschenkel und zwei Arme. Auf jede dieser Körperzonen werden jeweils zwei fingerlange Cremestränge aufgetragen. Stirn, Nacken, Ohren und Füße nicht vergessen! Für den Sommerurlaub sollten Urlauber eine Flasche (200 ml) Sonnenschutzmittel pro Person pro Woche einpacken.

Besser einmal dick als mehrmals dünn: Wer einmal Sonnenschutzmittel in ausreichender Menge aufgetragen hat, ist besser geschützt, als wenn er mehrmals zu wenig auflegt. Denn der LSF nimmt nicht linear, sondern exponenziell mit der Auftragsmenge ab. Wer also beispielsweise die Hälfte der empfohlenen Menge aufträgt, hat bei LSF 50 nicht einen Schutzfaktor von 25, sondern nur von rund 7.

Trotzdem ist regelmäßiges Nach­cremen ratsam. Durch Schwimmen, Schwitzen oder Kontakt mit Sand und Textilien geht Sonnenschutz verloren, der durch mehrmaliges Auftragen erneuert werden sollte. Das gilt vor allem auch bei wasserfesten Präparaten: Wasser­feste Zubereitungen dürfen so deklariert werden, wenn der nach zweimal 20 Minuten Wasserkontakt gemessene Lichtschutzfaktor mindestens noch halb so hoch ist wie auf der Packung angegeben. Bei Präparaten mit der Bezeichnung »extra wasserfest« muss nach viermal 20 Minuten im Wasser noch die Hälfte des LSF messbar sein. Solche Sonnenschutzmittel überstehen den Wasserkontakt also nicht ohne Verluste. Ein wichtiger Hinweis, den PTA und Apotheker Anwendern ebenfalls mit auf den Weg geben sollten: Regelmäßiges Nachcremen erhöht den LSF nicht und verlängert somit nicht die erlaubte Aufenthaltszeit in der Sonne!

Beim Auftragen des Sonnenschutzmittels ist Vorsicht geboten: Bei Kontakt mit Textilien kann es zu gelblichen Verfärbungen kommen. Bei vielen Sonnenschutzmitteln ist es allerdings nicht mehr unbedingt nötig, sie 20 bis 30 Minuten vor dem Sonnenbad aufzutragen, denn viele Präparate bieten einen Sofortschutz. Sie arbeiten in der Regel mit physikalischen Filtern mit Mikropigmenten wie Titandioxid oder Zinkoxid. Die mineralischen Pigmente reflektieren die UV-Strahlen – das Licht wird zurückgeworfen und dringt nicht in die Haut ein. Zubereitungen mit chemischem Filtersystem – hier absorbieren UV-Filter die energiereiche Strahlung und wandeln sie in Wärme um – sollten aber weiterhin eine halbe Stunde vorher aufgetragen werden. Wird das Mittel erst beim Sonnenbad angewendet, kann die Haut mit UV-Strahlen bereits vor dem Auftragen erheblich belastet werden. Dann liegt oft bereits eine unterschwellige Erythemdosis vor. /