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Haarpflege im Sommer

Haarige Zeiten

19.06.2017
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Von Elke Wolf / Sommer, Strand und Meer bedeuten für die Haare Stress. Ohne spezielle Schutzmaßnahmen kann das Haar der UV-Strahlung nicht viel entgegensetzen; seine Feuchtigkeits­depots sind bald aufgebraucht. Worauf ist bei der Haarpflege im Sommer zu achten, um auch an heißen Tagen einen kühlen Kopf zu bewahren?

Für die Haare sind Sommer-Sonne, Strand und Salzwasser eine Tortur. Ein auffälliger Beweis ist ihr heller werdendes Erscheinungsbild. Besonders die Deckhaare heben sich nach der Sommersaison farblich vom dunkleren Haaransatz ab. Natürlich gebildete Strähnchen sind das sichtbare Zeichen der zerstörerischen Kraft der Sonne auf das Haarpigment.

Durch die einstrahlende Energie entstehen Wasserstoffperoxid und diver­se freie Radikale. Oxidationspro­zesse kommen in Gang. So wird beispielsweise die in der Haarkeratinschicht enthaltende schwefelhaltige Aminosäure Cystin zu Cystinsäure oxidiert, und Proteinketten werden gespalten – Effekte, die Salzwasser noch verstärkt. Denn die Salzkristalle wirken als Reflektoren. Alles in allem entsteht ein Überschuss an sauren Gruppen und damit negativen Ladungen am Haarschaft. Der Zellverbund der Haare wird regelrecht aufgelockert und geschädigt. Die Haare verlieren ihre natürliche Elastizität und Schwungkraft und büßen ihren seidigen Glanz ein. Sie wirken stumpf, strohig und porös. Chemisch vorbehandeltes Haar, egal ob blondiert, gefärbt oder dauergewellt, ist für UV-Strahlung noch leichter angreifbar.

 

Vorbeugend helfen am besten UV-­Absorber (zum Beispiel in Ladival® Aktiv­ Sonnenschutz Spray, Daily UV-Protector von Ultrasun, Sun Reflects UV Protect Spray von Goldwell) oder Radikalfänger (zum Beispiel in Green Tea UV-Hair Protec­tor von Rausch). Besonders bei Ex­trembedingungen wie ein Sommerurlaub im Süden oder bei einem Aufenthalt in großer Höhe sollten­ die PTA und der Apotheker die Gelegenheit beim Schopfe packen und die Kunden darauf hinweisen, ihre Haare auf den Aufenthalt im Freien vorzubereiten.

Sonnenschutz fürs Haar

Die Wirkung der UV-Filter wird von Substanzen unterstützt, die die Haar­oberfläche glätten wie Sanddornextrakt, und von Feuchthaltesubstanzen wie Weizenkeimextrakt oder Macadamiaöl, die den Haarschaft geschmeidig halten. Die Strahlung wird dadurch besser reflektiert und dringt weniger tief in das Haar ein. Am zuverlässigsten wirken Haarkosmetika mit UV-Filtern, die im Haar verbleiben, wie Haarsprays und Festiger. Ob UV-Filter in Prä­paraten, die wieder aus dem Haar gespült werden, sinnvoll sind, ist fraglich. Spezielle­ Cremes für die Haarspitzen, beispielsweise mit Avocadoöl oder Zinnkrautextrakt (zum Beispiel Herbal Protection® System von Rausch), schützen die Haare im Meer- oder gechlorten Wasser vor dem Sprödewerden.

Erste Hilfe fürs Haar

Sonnen strapazierte Haare verlangen nach einer Extraportion Pflege. Das können Shampoos für trockenes oder geschädigtes Haar. Sie sollten mild und schwach sauer sein sowie einen hohen Anteil an rückfettenden und pflegenden Substanzen besitzen (zum Beispiel Dercos® Aufbau-Repair Creme Shampoo für strapaziertes Haar, Kerium® mild Shampoo von La Roche Posay).

 

Die enthaltenen Konditionierer sind für den Pflegeeffekt entscheidend. Da das geschädigte Haar negativ geladen ist, können die enthaltenen positiv gela­denen kationischen Tenside oder Polymere an seiner Oberfläche adsorbiert werden. Durch den Ladungsausgleich und die Ausbildung eines Films wird die elektrostatische Aufladung der Haare verringert. Zum Einsatz kommen quartäre Ammoniumverbindungen (»Quats«), aber auch Eiweiß­hydrolysate wie Seidenprotein- oder Weizenprotein­hydrolysat. Zusätzlich enthaltene Feuchtigkeitsspender wie Milchproteine, Propylenglykol oder Harnstoff, Rückfetter wie Lipide aus Weizen, Kräuter­auszüge wie Ringelblumenextrakt sowie Panthenol (Provitamin B5) erhöhen den pflegenden Effekt.

 

Die vor einigen Jahren stark beworbenen Two-in-one-Zubereitungen haben sich nicht durchgesetzt. Sie enthielten zu große Anteile konditionierender Inhaltsstoffe, was die Haare schnell schwer und strähnig wirken lässt.

Sind die Haare durch die Sommermonate dennoch trocken und stumpf geworden, brauchen sie eine intensivere Behandlung. Zudem ist aufgrund der in Shampoos verwendeten Basistenside die Konzentration an Kationentensiden limitiert. So wird ein Shampoo allein als Pflegemaßnahme bei trockenen, strapazierten Haaren häufig nicht ausreichen. Hier sollten Spülungen und Packungen (zum Beispiel Amaranth Repair-­Spülung von Rausch, SU/Hair Mask von Davines, Dercos® Aufbau-Repair Kur für strapaziertes Haar von Vichy) das Regenerationsprogramm für die Haare ergänzen. Ihre Inhaltsstoffe sind ähnlich denen in Shampoos, der Unterschied liegt in der enthaltenen Menge.

Haarspülungen werden nach kurzer, Kuren nach längerer Einwirkzeit aus dem Haar gespült (Rinse-off-Produkte), manche Zubereitungen können im Haar verbleiben (Leave-on-Produkte). Die stumpfe Farbe kann durch Color­shampoos und Colorspülungen (zum Beispiel Protection Couleur Shampoo Copper Red.45 von La Biosthetique, Color Care & Protect Pflegespülung von Nivea) auf­gefrischt werden. /

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