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Gesund Sonnen

Schutz vor riskanter Strahlung

19.06.2017
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Von Sandra Westermair / Eine gesunde Bräune gibt es laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nicht. Die Gefahren übermäßigen Sonnen­badens sind mittlerweile allgemein bekannt, und die Zahlen sprechen für sich: Jährlich ­erkranken etwa 200 000 Menschen hierzulande neu an Hautkrebs, Tendenz steigend. Wie man sich richtig vor der Sonne schützt, ist daher ein wichtiges Beratungsthema in der Apotheke.

Das Spektrum der Sonnenstrahlen reicht von ultravioletter (UV) über sichtbare (VIS) bis hin zur Infrarot-(IR)-Strahlung. Erstere ist im Gegensatz zu der wärmenden IR- und der sichtbaren VIS-Strahlung nicht direkt wahrnehmbar. Wir spüren sie erst, wenn es bereits zu spät ist und die Haut mit Sonnenbrand oder -allergie reagiert.

Unterteilt wird die UV-Strahlung in die kürzerwellige UV-B- (280 bis 320 nm) und die langwelligere, energieärmere UV-A-Strahlung (320 bis 400 nm). Beide beanspruchen die Haut sowohl akut als auch über Jahre hinweg. Bereits vor den ersten Anzeichen eines Sonnenbrandes entstehen DNA-Schäden. Zahlreiche Reparaturenzyme sorgen aber normalerweise für eine rasche Korrektur dieser Fehler. Fallen diese jedoch aus oder sind überlastet, kann es zu Veränderungen im Hautgewebe kommen.

Die Folgen sind zunächst vor allem ästhetischer Natur. Es bilden sich bereits­ in jungen Jahren Falten und Pigment­flecken. Aber auch aktinische Keratosen, Basalzell- und Platten­epithelzell­-Karzinome sowie maligne Melanome (»schwarzer Hautkrebs«) können ent­stehen. Nicht zuletzt hat eine dauerhaft starke Sonnenein­strahlung oft auch eine Immunsuppression zur Folge, was sich beispielsweise durch wiederkehrende Herpes-Infektionen äußern kann.

Die Gefahren, die von UV-B-Strahlung ausgehen, sind seit Längerem bekannt­. Diese Strahlungsart dringt in die oberen Schichten der Epidermis ein. Sie ist verantwortlich für den klassischen Sonnenbrand. Durch direkte Wechselwirkung mit epidermalen Zellen­ wird dabei auch eine Entzündungs­reaktion ausgelöst. Allerdings ver­mitteln UV-B-Strahlen eine langfris­tige indirekte Bräune. Dabei wird über Tage und Wochen hinweg das Enzym Tyrosinase aktiviert, welches die hauteigene Synthese des dunklen Pigments Melanin anregt. Diese Pigmentierung kann zum Teil vor weiteren Sonnenschäden schützen. UV-B-Strahlung ist außerdem hauptverantwortlich für die Ausbildung einer weiteren Schutzbarriere, der Lichtschwiele: Als Reaktion auf Sonnenlicht häufen sich die Zellteilungen in der Hornschicht der Epidermis, was dazu führt, dass sich diese verdickt.

Die Schutzwirkung eines Präparates vor UV-B-Strahlung wird durch den Lichtschutzfaktor (LSF) ausgedrückt. Dieser gibt den Quotienten zwischen dem ersten Auftreten einer Hautrötung mit beziehungsweise ohne Sonnenschutz an. Seine Bestimmung erfolgt weltweit einheitlich unter standardisierten Bedingungen.

Die Gefahren der UV-A-Strahlung sind hingegen erst in den vergangenen Jahrzehnten in den Fokus gerückt. Diese erzeugt durch direkte Melanin-Oxida­tion eine schnelle Bräunung, welche jedoch schon nach wenigen Tagen wieder­ verblasst. Eine dauerhafte Schutzbarriere wird dagegen nicht aufgebaut. UV-A-Strahlen durchdringen sogar Wasser und Fensterglas und gelan­gen bis in die Lederhaut, die Dermis­. Dort induzieren sie die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies, welche Kollagenfasern schädigen. Eine erhöhte­ UV-A-Exposition ist somit ein Risikofaktor für beschleunigte Hautalterung. Akut verursacht UV-A-Strahlung meist Reaktionen allergischer Natur. Auch Photosensibilisierungsreaktionen unter Medikamentenanwendung werden hauptsächlich durch UV-A-Strahlen verursacht. Um solchen Reaktionen vorzubeugen, sollte daher auch hinter Glas (zum Beispiel im Auto) ein Mittel mit UV-A-Schutz aufgetragen werden.

Strahlenschutzprogramm

Der UV-A-Schutz sollte laut EU-Empfehlungen mindestens ein Drittel des LSF betragen. Gemessen wird die UV-A-Schutzwirkung in Deutschland mittels eines In-vivo-Testverfahrens namens PPD (»persistent pigmentation darkening«). Dabei messen Dermatologen die Farbintensität der Haut nach zweistündiger UV-A-Bestrahlung. Der PPD-Wert ergibt sich aus den Quotienten der Farbintensitäten von ein­gecremter und unbehandelter Haut. Die EU-Kommission gibt außerdem eine kritische Wellenlänge von 370 nm vor. Das bedeutet, dass ein Sonnenschutzprodukt im Labor mindestens 90 Prozent seiner UV-Absorption bei 370 nm (ausgehend von 290 nm) erreicht haben muss. Ist das der Fall, darf das Sonnenschutzmittel mit dem UVA-­Logo versehen werden.

Gemäß der aktuellen S3-Leitlinie zum Thema »Prävention von Hautkrebs«, die von der Deutschen Krebs­gesellschaft und der Deutschen Krebshilfe erarbeitet wurde, haben All­gemeinmaßnahmen oberste Priorität beim Thema Sonnenschutz. So gilt es, die pralle Mittagssonne von Mai bis August möglichst zu meiden. Je nach Hauttyp kann es bereits ab einer zehnmi­nütigen Exposition zu ersten Schäden kommen. Der Aufenthalt in Innenräumen oder im Schatten ist grundsätzlich vorzuziehen.

Zusätzlichen Schutz bietet eine angemessene, nicht zu helle Kleidung sowie UV-geprüfte Sonnenbrillen. Auch Kopfbedeckungen wie Hüte sollten aufgesetzt werden. Dies gilt besonders für die Jüngsten: Babys und Kleinkinder besitzen eine dünnere Haut als Erwachsene und ­können außerdem kaum Melanin produzieren. Sie sollten möglichst nie der direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt und tagsüber langärmlig gekleidet werden. Un­bedeckte Stellen sind stets mit einem hohen Lichtschutz­faktor ein­zucremen. Plant der Apothekenkunde einen Strandurlaub, lässt sich die UV-Exposition natürlich kaum vermei­den. Dabei sollte aber unbedingt ein geeignetes Sonnenschutzpräparat eingesetzt werden.

Sonnenschutzmittel richtig anwenden

  • Der Sonnenschutz sollte generell eine halbe Stunde vor dem Sonnenbaden aufgetragen werden, um seine Wirkung entfalten zu können. Allerdings gibt es mittlerweile auch viele Präparate mit Sofortschutz: Sie lassen sich leichter auf der Haut verteilen und bilden einen zusammenhängenden Film.
  • Entscheidend ist es auch, die Applikation regelmäßig zu wiederholen. Aktuelle Studien empfehlen zum Teil sogar, sich stündlich neu einzucremen. Realistisch sind bei einem Tag am Strand wohl eher alle zwei bis drei Stunden. Immer nachgecremt werden sollte jedoch nach starkem Schwitzen, nach dem Baden und nach mechanischer Einwirkung (beispielsweise nach Rubbeln mit dem Handtuch).
  • Oft herrscht der Irrglaube, eine erneute Applikation könne die Aufenthaltsdauer an der Sonne verlängern. Tatsächlich wird durch das Nachcremen lediglich der deklarierte LSF aufrechterhalten.
  • Nicht zuletzt gilt bei Sonnencremes das Motto »Viel hilft viel«. Ein Erwachsener sollte pro Anwendung etwa 40 ml (2 mg/cm2) auf den gesamten Körper applizieren. Dieser Wert wird in der Realität jedoch meist kaum erreicht.

Die Galenik des individuell geeigneten Sonnenschutz-Präparates sollte sich am Hautzustand des Kunden orientieren. Trockene Haut profitiert von Sonnen­ölen, -lotionen oder W/O-Cremes, normale, fettige und Mischhaut von leichten Hydrogel-Texturen oder O/W-Cremes. Sonnenschutzsprays sind zwar an schwer zugänglichen Stellen wie dem Rücken gut aufzutragen, haben aber den Nachteil, dass bei ihrer An­wendung oft zu wenig appliziert wird.

Um den korrekten Lichtschutz­faktor für den jeweiligen Kunden auszuwählen, sollten PTA und Apotheker die UV-Intensität sowie seinen indi­viduellen Hauttyp beachten. Der international vereinheitlichte UV-Index, eine dimensionslose Größe, kann dabei hilfreich sein. Er gibt den »Tages­spitzenwert der sonnenbrandwirksamen Strahlung« an, der auf den Menschen an der Erdoberfläche in einer bestimmten Region zu einer bestimmen Jahres- und Tageszeit wirkt.

In Deutschland liegt dieser in den Sommermonaten (Mai bis August) in der Mittagszeit bei etwa 5 bis 8, in den Alpen bei 9 bis 10. In südlichen Urlaubsländern oder auch durch Reflexion von Sand, Wasser oder Schnee sind die Werte deutlich höher. Aktuelle Werte für Deutschland sind unter www.uv-index.de oder beim Bundesamt für Strahlenschutz (www.bfs.de) abrufbar.

Gut gefiltert

Für die Entwicklung eines Sonnenschutzpräparates stehen den Her­stellern zahlreiche UV-A-, UV-B- und Breitbandfilter zur Verfügung. Diese lassen­ sich in zwei große Kategorien unterteilen:

Chemische Filter fangen die UV-Strahlung mittels Lichtabsorption ab und wandeln sie in Wärme um. Physikalische Filter wie Titandioxid und Zinkoxid reflektieren das Sonnenlicht an der Hautoberfläche. Letztere zeigen beim Auftragen einen sogenannten Weiß­el­effekt, das heißt, sie bilden einen weißen Film auf der Haut. Mittlerweile verarbeiten viele Hersteller aller­dings ­immer kleinere Nano­partikel, sodass der Effekt nur noch leicht wahrnehmbar ist. Dass sich dadurch das Risiko systemischer Resorption erhöht, wie manche Verbraucher befürchten, konnten Stu­dien bisher nicht beweisen­. Nanopartikel, die in Sonnenschutzmitteln eingesetzt werden, gelten­ als unbedenklich, da sie laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die gesunde Haut nicht durchdringen.

Bei kleinen Kindern empfehlen Mediziner dennoch bevorzugt rein physikalische Sonnenschutzfilter in makroskopischer Partikelgröße. Die weiße Farbe stört Kinder kaum. Bei chemischen Filtern befürchten viele, sie könnten über die dünne Kinderhaut in den systemischen Kreislauf auf­ge­nommen werden. Generell gelten die eingesetzten chemischen Filter nach dem derzei­tigen wissen­schaftlichen Kenntnisstand aber als gesundheitlich unbedenklich.

In den vergangenen Jahren hat sich nicht nur die Hautkrebsrate vervielfacht, auch die Häufigkeit von sonneninduzierten Überempfindlichkeitsreaktionen hat zugenommen. In den meisten Fällen steckt hinter einer solchen Sonnenallergie eine polymorphe Lichtdermatose (PLD). Diese äußert sich in Form von ­Rötung, Juckreiz und Pustelbildung an lichtexponierten Stellen. Die Symptome treten typischerweise erst wenige Tage nach dem Sonnenbaden auf. Kunden, die hierfür an­fällig sind, sollten bei der Wahl einer Sonnencreme vor allem auf hohen UV-­A-Schutz achten. Seltener tritt die sogenannte Mallorca-Akne auf, eine papulöse, zum Teil eitrige Unverträg­lichkeitsreaktion auf Emulgatoren und Peroxide in Sonnenschutzmitteln und Körperlotionen. Betroffene sollten bei sämtlichen Dermokosmetika auf emulga­torfreie Hydrogele umsteigen.

Obwohl eine gesunde Bräune tatsächlich schwer zu erreichen ist, sollen abschließend auch die Vorteile moderaten Sonnenbadens nicht ungenannt bleiben. Neben einer positiven Wirkung auf die Psyche und auf das Immunsystem, katalysiert UV-B-Strahlung die Bildung von Vitamin D im Körper. Allerdings genügt es beispielsweise für Menschen mit Hauttyp II, sich während der Sommermonate zwei- bis dreimal wöchentlich für zwölf Minuten an Unterarmen, Händen und Gesicht ungeschützt der Sonne auszusetzen, um die Vitamin-D-Speicher zu füllen. Im Winter können diese Aufgabe entsprechende Supplemente aus der Apothe­ke übernehmen. /

Tabelle: Phototypen und ihre Eigenschutzzeit

Typ Phototyp ungefähre Eigenschutzzeit (min)
I sehr helle, empfindliche Haut, helle Augen, rotblondes Haar, fast immer Sommersprossen, schnelle Entstehung von Sonnenbrand, kaum Entwicklung von Eigenbräune 5 bis 10
II helle, empfindliche Haut, blonde, hell- bis mittelbraune Haare, oft Sommersprossen, Tendenz zum Sonnenbrand, kaum Bräunung 15 bis 20
III beige Haut, dunkelblonde bis dunkelbraune Haare, kaum Sommersprossen, manchmal Sonnenbrand, relativ schnelle Bräunung 25 bis 30
IV bräunliche, olivfarbene Haut, braune Augen, braune bis schwarze Haare, selten Sonnenbrand, schnelle Bräunung 35 bis 40
Typ V dunkelbraune Haut, dunkelbraune Augen, dunkelbraune bis schwarze Haare 50 bis 60
VI dunkelbraune bis schwarze Haut, dunkelbraune Augen, schwarze Haare 70 bis 80

Die angegebenen Werte beziehen sich auf einen UV-Index von 8. Bei höheren Indices verkürzt sich die Eigenschutzzeit und der LSF einer Sonnencreme sollte entsprechend angepasst werden.