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Hilfsmittel in der Stillzeit

Brustwarzen im Stress

15.06.2018  16:51 Uhr

Von Caroline Wendt / Die ersten Tage und Wochen nach der Geburt eines Kindes sind für viele stillende Mütter alles andere als angenehm. Schmerzen in der Brust, wunde, rissige oder blutige Brustwarzen und die Gefahr eines Milchstaus sind oft sehr belastend. Hilfsmittel aus der Apotheke können helfen, diese Probleme zu lindern.

»Die Hebamme meiner Frau hat gesagt, ich soll Stilleinlagen kaufen.« Häufig sind es frischgebackene Väter, die in die Apotheke geschickt werden und ein wenig ratlos am HV-Tisch stehen. Hier hilft eine sorgsame Beratung weiter. Sollen es Einweg- oder waschbare Stilleinlagen sein? Wie viel­ Muttermilch muss die Still­einlage auffangen können und liegt bereits eine Reizung oder Entzündung der Brustwarzen vor? Die Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten sind groß, und eine Stilleinlage muss an die Bedürfnisse der Mutter angepasst sein.

Einweg-Stilleinlagen wie Medela® Einwegstilleinlagen oder Lansinoh® Still­einlagen bestehen aus saugfähigem Material, sind hygienisch einzeln verpackt und werden mit einem Klebestreifen im BH fixiert. Sie sollen die Brust trocken und keimfrei halten und die Kleidung vor auslaufender Milch schützen. Umweltfreundlicher sind waschbare Stilleinlagen. Sie können aus Naturfasern, wie Baumwolle, Seide oder Wolle oder synthetischen Materialien bestehen. Eine gute Luftdurch­lässigkeit, wie es bei den Naturfasern der Fall ist, kann von Vorteil sein. Da Wolle gute absorbierende Eigen­schaften besitzt und Seide die Feuchtigkeit gut weiterleitet, werden diese beiden Materialien gerne kombiniert. Sie dürfen allerdings nur per Hand gewa­schen werden. Besteht eine Entzünd­ung der Brust, sind solche Materialien zu bevorzugen, die sich heiß (60 bis 90° C) waschen lassen. Still­einlagen aus Baumwolle erfüllen dieses Kriterium, fühlen sich jedoch schnell feucht an. Einlagen aus Molton (zum Beispiel von Elanee® oder Medesign®) schützen die Wäsche hingegen besser vor Nässe. Sowohl Wolle/Seide- als auch Baumwoll-Stilleinlagen gibt es in Kombination mit Mikrofaser- oder Polyurethanbeschichtung, um Milchflecken an der Kleidung zu verhindern.

Eine weitere Alternative bilden Still­einlagen aus selbsthaftendem Silikon (zum Beispiel Lilypadz® wieder­verwendbare Stilleinlagen). Sie sind atmungs­aktiv und trotzdem wasserfest, weshalb sie auch beim Schwimmen getragen werden können. Im Gegen­satz zu anderen Stilleinlagen saugen Silikon-Stilleinlagen keine Milch auf, sondern verhindern das Austreten von Milch, indem sie Druck auf die Brustwarze ausüben. Bei sehr starkem Milchfluss gibt es außerdem die Möglich­keit, Auffangschalen aus Silikon (zum Beispiel Medela® Milch­auffangschale) oder aus Kunststoff (Dr. Junghans® Milchauffangschale) in den BH einzulegen.

Schmerzen beim Stillen

Doch austretende Milch ist nicht das einzige Problem, unter dem Mütter während der Stillzeit leiden können. Viele Frauen haben besonders in den ersten Tagen bis Wochen wunde Brustwarzen und Schmerzen beim Stillen. Meistens können Schmerzen beim Anle­gen des Kindes durch eine veränderte Stillposition vermieden werden. PTA und Apotheker sollten Frauen, die Probleme beim Stillen haben, empfehlen, sich an eine professionelle Still­beratung, zum Beispiel über die La Leche­ Liga Deutschland oder den Berufs­verband Deutscher Laktations­be­raterinnen IBCLC, zu wenden.

Ratschläge für Stillende

  • Bequem sitzen: Ein Stillkissen hilft, die Position zu halten.
  • Nach dem Stillen einen Tropfen Milch auf der Brustwarze ver­streichen und antrocknen lassen.
  • Bei wunden Brustwarzen oder einem­ Milchstau kann es helfen, die Stillposition regelmäßig zu wechseln. Dadurch wird die Brust unterschiedlich belastet und eine gestaute Stelle kann besser abgetrunken werden.
  • Den geschundenen Brustwarzen eine extra Portion Pflege gönnen, zum Beispiel mit einer Creme, die Dexpanthenol (wie Panthenol®), Lanolin (Purelan® 100) oder Guajazulen (Garmastan®) enthält. Trägt man die Cremes direkt nach dem Stillen auf, sind sie bis zur nächsten Brustmahlzeit eingezogen und müssen nicht abgewaschen werden.
  • Zu Hause öfter mal »oben ohne« bleiben, um viel Luft an die Brustwarzen zu lassen.

Damit wunde Brustwarzen nicht noch zusätzlich gereizt werden, indem sie an der Kleidung reiben, können PTA und Apotheker einen Brustwarzenschutz empfehlen. Diese können entweder zusätzlich saugende Eigen­schaften haben wie MamaSafe® Ringe, oder einfach nur als Abstandshalter fungieren (zum Beispiel Elanee® Brust Ring aus Schaumstoff). Brustwarzenschutzkappen aus Silikon oder Kunststoff (zum Beipiel Medela® Brust­warzenschutz) sind ebenfalls erhältlich. In jedem Fall kann sich so die Mamille­ an der Luft regenerieren.

Kühlende Hydrogel-Kompressen wie Multi-Mam® Kompressen oder Medela­® Hydrogel Pads hingegen sollen­ den Heilungsprozess von wunden Brustwarzen unterstützen und schmerzlindernd wirken. Sie werden zwischen den Milchmahlzeiten auf die Brustwarze aufgelegt. Während des Stillens kann ein Stillhütchen Linderung verschaffen (zum Beispiel Lansinoh® Stillhütchen oder Mam® Stillhütchen). Diese schützen die Brustwarze und helfen­ dem Säugling, die Brustwarze besser mit dem Mund zu umfassen. Wichtig ist, dass das Stillhütchen die richtige Größe hat. Ein zu kleines Stillhütchen drückt auf die Brustwarze und verursacht der Mutter zusätzliche Schmerzen, ein zu großes Stillhütchen stößt an den Gaumen des Kindes, was zu Brechreiz führen kann. Bei der Auswahl des richtigen Produkts kann am besten eine Hebamme helfen.

Bei Flach- oder Hohlwarzen tritt die Brustwarze beim Stillen nicht richtig hervor. Hier können Brustwarzen­former helfen (zum Beispiel Ameda® Brustwarzenformer). Die Silikonauf­lagen können schon ab der 34. Schwangerschaftswoche die Brustwarzen auf das Stillen vorbereiten. Sie üben einen konstanten Druck auf den Brust­warzenhof aus und sollen so die Brustwarze besser hervortreten lassen.

Milchstau und Mastitis

Wird die Brust durch das Stillen nicht vollständig entleert, kann es zu einem Milchstau kommen. Symptome sind eine gerötete Brust, Schwellungen oder verhärtete Stellen, Schmerzen in der Brust und Fieber. Dauern die Beschwerden länger als 8 bis 24 Stunden an, kann es sich auch um eine Entzündung des Brustdrüsengewebes, eine Mastitis, handeln. Betroffene Frauen sollten dann einen Arzt aufsuchen, eventuell ist eine Antibiotikatherapie nötig. Damit aus einem Milchstau keine Mastitis wird, muss die Blockade beim Milchfluss gelöst­ werden.

Dabei helfen etwa wärmende­ Kompressen vor dem Stillen­. Kühlende Kompressen nach dem Stillen reduzieren Schwellungen und Entzündungssymptome (zum Beispiel­ Mamivac®Thermo-Pack). Auch feuchte Handtücher, Kirschkernkissen oder Quarkwickel können Linderung verschaffen. Wichtig ist, dass die Umschläge nie ganz heiß oder eiskalt sind (nur in den Kühlschrank, nicht in das Eisfach legen!). Eine hautfreundliche Hülle (etwa eine Vliestasche oder ein Handtuch) schont das empfindliche Brustgewebe.

Um die Brust bei einem Milchstau oder einer Mastitis zu entlasten, kann die Verwendung einer Milchpumpe notwendig sein. Bei handbetriebenen Versionen wird über einen Gummiball oder einen Kolben ein Unterdruck erzeugt (zum Beispiel Mamivac® Handmilchpumpe Easy). Wenn über einen längeren Zeitraum Milch abgepumpt werden soll, ist vielleicht eine elektrisch betriebene Milchpumpe von Vorteil (zum Beispiel Ardo® Calypso elek­trische Milchpumpe). Die meisten elektrischen Milchpumpen imitieren über verschiedene Intervallstufen den natürlichen Saugrhythmus des Babys.

Sowohl Gynäkologen als auch Kinder­ärzte können bei verschiedenen Indikationen wie Mastitis oder Trinkschwäche des Babys eine Leihmilchpumpe verordnen. PTA und Apotheker sollten darauf achten, dass bei einer Erstverordnung das Zusatzset, welches Brustansatzstück und Milchflasche bein­haltet, ebenfalls rezeptiert ist. Anson­sten muss das Zusatzset privat gezahlt werden. Die maximale Miet­dauer pro Rezept beträgt vier Wochen. /

Milch sicher aufbewahren

Abgepumpte Milch ist im Kühlschrank drei bis fünf Tage haltbar. Sie sollte jedoch nicht in der Kühlschranktür aufbewahrt werden, da hier die Temperaturschwankungen zu groß sind. Muttermilch kann auch eingefroren werden. In jedem Fall sollten nur Gefäße verwendet werden, die frei von Bisphenol A (BPA) sind, da dieses eine estrogenähnliche Wirkung hat.

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