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Arzneipflanzenporträt

Salbei

Salbei, Echter oder Dalmatinischer Salbei (Salvia officinalis)
Dreilappiger Salbei: Salvia fruticosa (Syn. Salvia triloba) Familie der Lippenblütler (Lamiaceae)
Annette Immel-Sehr
15.06.2018
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Merkmale

  • ausdauernde Halbsträucher
  • Echter Salbei bis zu 70 cm hoch, Dreilappiger Salbei bis zu 1,20 m hoch
  • 3 bis 10 cm große graugrüne Blätter, vor allem unterseits weiß-filzig behaart
  • beim Dreilappigen Salbei stärker ausgeprägt
  • beim Dreilappigen Salbei zwei kleine Neben­fiedern am Blattgrund, beim Echten Salbei nicht immer vorhanden und etwas kleiner
  • zahlreiche blaue Lippenblüten in 5- bis 10-blütigen Quirlen als lockere Ähre angeordnet
  • Blütezeit Juni bis Juli

Heimat

  • Echter Salbei: Dalmatien
  • Dreilappiger Salbei: Griechenland
  • Droge stammt aus südosteuropäischen Ländern

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrocknete Blätter (Salviae folium oder Salviae trilobae folium)
  • im Europäischen Arzneibuch außerdem beschrieben: Salbeitinktur (Salviae tinctura)
  • im Deutschen Arzneimittel-Codex: Dalmatinisches Salbeiöl (Salviae officinalis aetheroleum)

Inhaltsstoffe

Echter Salbei:

  • ätherisches Öl mit Thujon, 1,8-Cineol und Campher
  • Diterpenphenole
  • Lamiaceen-Gerbstoffe, vorwiegend Rosmarinsäure
  • Flavonoide

Dreilappiger Salbei:

  • ätherisches Öl mit 1,8-Cineol als Hauptkomponente (Geruch erinnert an Eukalyptusöl)
  • Diterpenphenole
  • Lamiaceen-Gerbstoffe, vorwiegend Rosmarinsäure
  • Flavonoide

Medizinische Anwendung

Salbeiblätter:

  • ESCOP und Kommission E: innerlich bei vermehrter Schweißsekretion, äußerlich bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, bei Zahnfleisch­entzündungen
  • innerlich bei dyspeptischen Beschwerden (nur Kommission E)

Dreilappiger Salbei:

  • ESCOP: Entzündungen und Infektionen in Mund und Hals, wie Zahnfleischent­zündung, Mund- und Rachenschleimhautentzündung, außerdem Verdauungsbeschwerden

Empfohlene Dosierung

  • Teeaufguss: Tagesdosis 4 bis 6 g Salbeiblätter
  • zum Gurgeln und Spülen mehrmals täglich 2,5 g Droge beziehungsweise 2 bis 3 Tropfen des ätherischen Öls auf 100 ml Wasser beziehungs­weise 5 g alkoholischen Auszug (Tinktur) auf ein Glas Wasser
  • zur Pinselung alkoholische Auszüge (Tinktur) mehrmals täglich unverdünnt auftragen

Nebenwirkungen

Keine bekannt

Wechselwirkungen

möglicherweise Wechselwirkungen mit Arznei­stoffen, die an GABA-Rezeptoren wirken, wie Barbiturate und Benzodiazepine. Keine gleich­­zeitige Anwendung

Zubereitung

  • bei vermehrter Schweißsekretion und Ent­zündungen der Mund- und Rachenschleimhaut: 3 g fein geschnittene Salbeiblätter mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und nach 10 Minuten abseihen. Als Gurgellösung warm anwenden, zur Behandlung von vermehrter Schweißsekretion kalt trinken
  • bei Magen-Darm-Beschwerden: 2 g Droge mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und nach 5 Minuten abseihen

Abgabehinweise

  • Thujon kann bei länger dauernder Einnahme und zu hoher Dosierung Epilepsie-artige Krämpfe auslösen. Deswegen Salbeizubereitungen sicherheitshalber nicht länger als zwei Wochen einnehmen.
  • Das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) sieht wegen des Thujongehalts ein negatives Nutzen-Risiko-Verhältnis für Salbeiöl und rät von einer Anwendung ab.
  • Zur Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen liegen keine Untersuchungen vor.

Präparate

Beispiele Monopräparate: Cevitt Hals & Rachen Lutschtabletten Salbei,

Nosweat® Kapseln, Salbei Curarina® Tropfen, Salvysat® plus Bürger, Sweatosan®

Beispiele Kombipräparate: Abtei Meno Soja plus Melisse und Salbei, Doppelherz Heißer Salbei+Honig+Menthol Granulat, Salviathymol® N, Weleda Salbei Zahnfleischbalsam

Stark duftender Verwandter

In der Apotheke wird mitunter auch das ätherische Öl des nicht-offizinellen Muskatellersalbei (Salvia sclarea) nachgefragt. Die zweijährige bis zu 1,5 m hohe Pflanze mit großen haarigen Blättern und blau-rosa Blüten wird vor allem im Mittelmeerraum angebaut und auch als Römischer Salbei bezeichnet. Sie verströmt einen starken gewürz­artigen Duft. In der Naturheilkunde wird das Öl des Muskatellersalbei vielfältig einsetzt, beispielsweise bei Hautproblemen, Muskel-, Magen- und Erkältungsbeschwerden sowie bei nervöser Anspannung. Zudem wird ihm eine euphorisierende, mindestens aber stimmungsaufhellende Wirkung nachgesagt. Die kosmetische Industrie nutzt das Öl des Muska­tellersalbeis als Duftstoff für Parfüms und andere kosmetische Artikel.