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Die Zeiten ändern sich

30.10.2013  10:31 Uhr

Von Annette van Gessel / Über bestimmte Erkrankungen sprechen Patienten in der Apotheke nur sehr ungern. Zu den Tabuthemen in der Selbstmedikation gehört nach wie vor die Vaginalmykose. PTA-Forum hat einige PTA nach ihren Erfahrungen aus der Beratungspraxis gefragt.

PTA-Forum: Verhalten sich Männer und Frauen anders im Umgang mit Tabuthemen?

J. B.: Ja, Männer reden fast nie darüber. Wenn ein Mann aber einmal doch ein solches Thema anspricht, dann meist sehr ausführlich mit allen Einzelheiten. Im Haus der Apotheke haben allerdings drei Urologen ihre Praxis. Hat sich ein Mann erst einmal entschlossen, den Arzt aufzusuchen, ist er sicherlich schon weiter als der Durchschnittsmann.

A. K.: Nach meiner Erfahrung ist hauptsächlich das Alter ausschlaggebend. Am unsichersten finde ich hier die alten Männer.

U. W.: Das ist unterschiedlich. Aber Frauen gehen sachlicher mit Tabuthemen um. Männer neigen eher dazu, das Thema durch verharmlosende oder lustig gemeinte Formulierungen zu entschärfen.

C. S.: Ich erlebe jüngere Männer und Frauen generell offener als ältere, Frauen offener als Männer.

H. M.: Männer sprechen über Tabuthemen zurückhaltender als Frauen.

G. O.: Junge Männer haben meist kein Problem mit »weiblichen Tabuthemen«, allerdings ist dies auch abhängig von der Herkunft. Männliche Migranten würden diese Themen sicher nicht ansprechen.

PTA-Forum: Gehen junge Frauen mit Tabu­themen offener um?

J. B.: Nicht die ganz jungen Frauen, denen ist es meist peinlich, über ein Tabuthema zu sprechen. Aber nach einer Weile, vermutlich nach den ersten sexuellen Erfahrungen, sprechen sie Probleme an, zum Beispiel Juckreiz im Intimbereich.

A. K.: Die meisten jungen Frauen fragen ganz offen nach einer Pilzcreme.

U. W.: Nein, eher nicht. Wahrscheinlich fehlt jungen Frauen doch noch etwas das Selbstbewusstsein und die Selbst­sicherheit, die ältere Frauen durch Lebenserfahrung meist entwickelt haben.

PTA-Forum: Hat sich bezüglich Tabuthemen das Verhalten der Frauen in den letzten Jahren geändert?

J. B.: Ja, Frauen sind offener geworden. Sie sprechen Tabuthemen eher an und fragen nach Medikamenten. Ganz junge Frauen verhalten sich meist noch etwas schüchtern, aber die älteren – in oder nach den Wechseljahren – sprechen beispielsweise das Thema trockene Scheide und Probleme beim Geschlechtsverkehr selbst an. Allerdings auch nicht bei allen Mitarbeitern, sie suchen sich dann schon eher eine ältere Kollegin als Ansprechpartnerin aus.

A. K.: Ich kann in unserer Apotheke keine Veränderung feststellen. Allerdings wohne und arbeite ich in einem kleineren Ort. Das kann in einer Großstadtapotheke bestimmt anders sein.

U. W.: Nein. Frauen gehen schon seit längerer Zeit recht unbefangen und sachlich damit um.

G. O.: Frauen gehen offener damit um, sind auch viel besser informiert über ihren Körper und können Symptome besser deuten.

PTA-Forum: Sprechen Frauen Tabuthemen wie Vaginalmykosen direkt an oder eher verschlüsselt?

J. B.: Meist direkt, meist mit einem Produktwunsch oder sie fragen nach einer Empfehlung und sind auch sehr dankbar für Zusatzempfehlungen wie eine milde Intimwaschlotion. Viele machen immer noch den Fehler, dass sie sich bei einer Mykose erst einmal ordentlich waschen und damit den natürlichen Schutz total zerstören.

U. W.: Die Themen werden direkt auf sachlicher Ebene angesprochen.

H. M.: Nach meiner Erfahrung sprechen Frauen das Thema direkt mit einem konkreten Präparatewunsch an, oft mit dem Nachsatz nach einem preiswerteren Präparat.

PTA-Forum: Sind Frauen bereit, eine mehrtägige Therapie durchzuführen oder bevorzugen sie die einmalige Be­handlung?

U. W.: Die ein­malige Behandlung wird deutlich häufiger bevorzugt.

C. S.: Die mehrtägige Therapie ist bekannter, wenn ich die Frau dann auf die eintägige aufmerksam mache, wird diese gerne akzeptiert.

G. O.: Das hängt davon ab, ob die Frau schon Erfahrung mit der Erkrankung hat. Viele vertrauen eher der mehrtägigen Therapie.

PTA-Forum: Haben die Frauen sich vorab über Wirk­stoffe oder Präparate informiert oder vertrauen sie auf Ihre Beratung?

J. B.: Die Mehrzahl ist nicht informiert, daher ist die Beratung so wichtig.

A. K.: Die meisten Frauen haben sehr großes Vertrauen in die Beratung.

U. W.: Sie vertrauen der Beratung. Allerdings sind viele bereits leiderprobt und kennen sich etwas aus.

C. S.: Etliche Patientinnen haben sich im Internet über Tabuthemen informiert und verlangen gezielt Medikamente. Dennoch sind sie dann meist offen für meine Beratung

H. M.: Nach meiner Erfahrung gehen ältere Frauen mit Erstsymptomatik erst einmal zu ihrem Gynäkologen. Junge Frauen lassen sich in der Apotheke beraten und gehen gegebenenfalls danach noch zum Arzt.

G. O.: Die Frauen verlangen kein spezielles Präparat, sie vertrauen auf unsere Beratung. Zwar spielt der Preis manchmal auch eine Rolle, doch wichtiger ist die Wirksamkeit des Arzneimittels.

PTA-Forum: Nehmen Frauen sich aus­reichend Zeit für die Beratung?

J. B.: Meistens leider nicht, einmal abgesehen von den Frauen, die ein großes Mitteilungsbedürfnis haben.

U. W.: Ja, auf jeden Fall. Da sie die Erkrankung als sehr unangenehm empfinden, haben sie ein ausgeprägtes Bedürfnis, ausführlich informiert zu werden.

C. S.: Wer nur das Medikament verlangt, ist auch schnell wieder weg. Die anderen nehmen sich meist ausreichend Zeit, vor allem ältere Frauen.

G. O.: Bei uns in der Cityapotheke nehmen sich die Frauen eher zu wenig Zeit. Viele denken, sie wüssten Bescheid, und vermitteln den Eindruck: Ich kenne mich aus.

PTA-Forum: Möchten Betroffene eher von Frau zu Frau über ihr Problem sprechen oder ist ihnen das egal?

J. B.: Lieber von Frau zu Frau. Einige möchten sich lieber von einer älteren Kollegin beraten lassen.

A. K.: Auch bei mir als Mann sprechen Frauen das Thema an.

H. M.: Bisher konnte ich keine Präferenzen feststellen. Das liegt aber auch daran, dass die Apothekenteams überwiegend weiblich sind. Wenn einmal ein männlicher Pharmaziepraktikant im Team ist, wird diesem genauso vertraut wie den Frauen.

G. O.: Das Thema wird sowohl bei Frauen als auch bei Männern angesprochen. Ältere Frauen verlangen aber häufiger eine weibliche Person.

 

Anmerkung der Redaktion
Die Namen der PTA wurden auf deren Wunsch hin anonymisiert.

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