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Tiergesundheit

Flohbefall bleibt häufig unbemerkt

30.10.2013  11:01 Uhr

Von Stefan Pachnicke / Flöhe gehören zu den häufigsten Ektoparasiten von Hund und Katze. Dennoch bemerken viele Tierbesitzer den Flohbefall oft gar nicht. Auch wissen sie häufig zu wenig über die gesundheitlichen Folgen, die Flohbefall nach sich ziehen kann, beziehungsweise was sie in einem solchen Fall tun müssen. Hier können PTA und Apotheker wichtige Aufklärungsarbeit leisten.

Flöhe sind zwar ein ganzjähriges Problem, aber gerade in den Monaten August bis November haben sie Hochsaison. Während der Heizperiode befallen sie Hund und Katze dann auch häufiger innerhalb von Wohnräumen.

Allerdings bleibt ein solcher Befall häufig von Tierhaltern unbemerkt, wie eine Untersuchung von Tierärzten im Raum Leipzig gezeigt hat. Dazu wurden über ein Jahr lang von 645 Hunden und 623 Katzen epidemiologische Daten zur Populationsdynamik von Flöhen erhoben. Zudem wurden zehn Einzelfallstudien in Haushalten mit von Flöhen befallenen Haustieren durchgeführt, um Vorkommen und Verbreitung von Flöhen und ihren Entwicklungsstadien an Lagerstätten der Tiere zu erfassen. Die Ergebnisse haben überrascht: 76 Prozent der Hundebesitzer und 83,5 Prozent der Katzenbesitzer hatten den Flohbefall ihrer Tiere nicht bemerkt! Wurden die Hundebesitzer auf einen Befall aufmerksam, dann am ehesten durch den Juckreiz ihres Tieres (12,5 Prozent), Katzenbesitzer fielen in erster Linie die Flöhe im Fell auf (8,5 Prozent). Bei nur 2,8 Prozent der Tiere bemerkten die Besitzer im Fell Flohkot, ein wich­tiges Nachweiskriterium.

Die Einzelfallstudien erbrachten in jedem Haushalt den Nachweis von Flöhen und deren Entwicklungsstadien. Am höchsten belastet war dabei der Schlafplatz der Tiere: Hier fanden sich sowohl Flöhe als auch Flohkot, -eier und -larven. Im Rahmen der Untersuchung gab nur die Hälfte der Besitzer an, regelmäßig ein Antiparasitikum anzuwenden und noch viel weniger ziehen die Umgebung ihrer Tiere in die Behandlung mit ein.

Hinweise auf einen Flohbefall

  • Dunkle Krümel im Fell (Flohkot)
  • »Salz und Pfeffer« (= Flohkot und Eier) im Fell und auf der Schlafdecke des Tieres
  • Unruhe und heftiger Juckreiz durch krabbelnde Flöhe
  • Hautrötungen und Pusteln, vor allem an Bauch, Schenkelinnenseiten und Kruppe
  • Fellschäden und Hautverletzungen durch Kratzen und Benagen der juckenden Haut
  • Eitrige Hautentzündungen durch Bakterien
  • In fortgeschrittenen Fällen großflächiger Haarausfall und Verdickung sowie Vernarbung der Haut

Adulte Flöhe, beispielsweise der häufige Katzenfloh, sind durchgehend aktiv, solange sie auf einem warmen Säugetier leben. Ohne Wirt vermehren sie sich unterhalb von 5 °C eher nicht mehr. Durch ihren Kokon geschützt, sind Flohpuppen aber recht widerstandsfähig und können bis zu einem halben Jahr überleben. Während sich Flöhe meist im Hunde- und Katzenfell festkrallen, sind die Entwicklungssta­dien – Eier, Larven und Puppen – eher in der unmittelbaren Umgebung des Haustieres zu finden: So leben circa 95 Prozent dieser Vorstufen auf Böden, Teppichen, Polstern, Körbchen und allen anderen Lieblingsplätzen des Haustieres.

Die Lebensdauer eines Flohes beträgt bis zu drei Monate. Seine Entwicklung beginnt mit dem Flohei. Die durchsichtig-hellen Eier, von denen ein Weibchen pro Tag bis maximal 40 oder 50 Stück legen kann, rieseln meist aus dem Fell und verteilen sich dadurch in der Umgebung. Aus den Eiern schlüpfen die Larven, die sich von organischem Material ernähren. Dazu zählt vor allem der Flohkot aus größtenteils unverdautem Wirtsblut. Zur Verpuppung spinnen die Larven einen sehr widerstandsfähigen Kokon, in dem sie sich über mindestens neun Tage lang zum ausgewachsenen Floh entwickeln, meist dauert es jedoch länger. Ist dieser Vorgang abgeschlossen, schlüpfen die Flöhe jedoch nicht sofort, sondern warten auf ein geeignetes Signal, zum Beispiel günstige Temperatur- und Lichtverhältnisse oder eine Erschütterung. Falls dies ausbleibt, können die Flöhe im Kokon bis zu einem halben Jahr überdauern. Ist ein ausgewachsener Floh geschlüpft, kann er einige Zeit ohne Nahrung überleben. Sobald er einen geeigneten Wirt gefunden hat, saugt er über einen Zeitraum von etwa sechs bis acht Wochen kon­tinuierlich Blut, bis er stirbt.

Während der ganzen Zeit können die Weibchen Eier legen. Dies bedeutet, dass ständig neue Eier in die Umgebung gelangen und sich zu Puppen und Larven umwandeln. Schätzungsweise nur etwa 1 bis 5 Prozent aller Flöhe im Umfeld des befallenen Tieres sind ausgewachsene Parasiten. Dagegen machen Eier 50 Prozent, Larven 35 Prozent und Puppen 10 Prozent der gesamten Flohpopulation aus.

Flohstich mit Folgen….

Flöhe stören das befallene Tier nicht nur durch den ständigen Juckreiz. Die flügellosen Insekten können für Hund und Katze auch gesundheitliche Folgen haben. Flöhe sondern beim Stechen mit dem Speichel Substanzen ab, die die Blutgerinnung verhindern und zu Hautirritationen führen. Der Flohspeichel ruft häufig starke allergische Reaktionen hervor. Die sogenannte Flohspeichel-Allergie-Dermatitis (FAD) ist eine sehr häufige Allergie bei Hund und Katze. Reagieren die Tiere überempfindlich auf den Flohspeichel, sind die Hautreaktionen insbesondere im hinteren Körperbereich, an der Schwanzwurzel, den Innenseiten der Oberschenkel, an Bauch und Flanken, besonders heftig. Ein einziger Flohstich reicht in diesem Fall oft aus, dass sich die Tiere blutig kratzen. Die verletzte und ungeschützte Haut ist eine ideale Eintrittspforte für Bakterien. Infektionen können zu eitrigen Hautentzündungen mit Haarausfall sowie Verdickungen und Vernarbungen der Haut führen.

Flöhe können außerdem den Gurkenkernbandwurm (Dipylidium caninum) übertragen. Bedingt durch den Juckreiz, der stets mit akutem Flohbefall einhergeht, kratzen sich befallene Hunde und Katzen oder knabbern an ihrem Fell. Dabei kann es passieren, dass sie mit Bandwurmlarven infizierte Flöhe zerbeißen und schlucken. Dann gelangen die Entwicklungsstadien des Bandwurms, sogenannte Finnen, in den Organismus und nisten sich im Darm der Vierbeiner ein, wo sie zu geschlechtsreifen Würmern heranwachsen für den Menschen.

Der Mensch ist für den Katzenfloh zwar nicht der bevorzugte Wirt, dennoch nehmen sie ihn gerne als »Blutspender«. Auch in der menschlichen Haut führt Flohspeichel meist zu hef­tigem Juckreiz, lokalen Irritationen, seltener zu Allergien oder sogar zu Ekzemen. Und auch der Gurkenkernbandwurm ist potenziell auf den Menschen übertragbar. Daneben spielen verschiedene vom Floh übertragene Bakterien wie Bartonellen und Rickettsien eine wichtige Rolle für die Gesundheit der Menschen.

Schnell handeln

Ein Flohbefall muss daher schnell erkannt und umgehend mit geeigneten Methoden bekämpft werden. Hier können PTA und Apotheker Tierbesitzer mit fachkundiger Beratung und praktischen Tipps unterstützen, damit diese das Flohproblem schnell und dauerhaft in den Griff bekommen.

Auf Flohbefall weisen einige Zeichen hin, siehe Tabelle. Für den sicheren Nachweis gibt es einen einfachen Test aus drei Schritten:

  • Das Tier sorgfältig mit einem Flohkamm kämmen, der sehr feine Zinken hat,
  • dunkle Krümel (Flohkot) in einem angefeuchteten Papiertaschentuch zerreiben,
  • verfärbt sich das Taschentuch braun-rot (durch den Flohkot, der Blut enthält), ist dies ein eindeutiger Beweis für Flohbefall.

Wurden Flöhe nachgewiesen, müssen Tierbesitzer umgehend handeln. Zur Sofortbekämpfung stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Auswahl, aber nur wenige wirken auch schnell. Hierfür eignen sich sogenannte Spot-On-Lösungen, die beispielsweise Imidacloprid enthalten (wie Advantage®). Der Wirkstoff Imidacloprid verteilt sich nach dem Auftragen sehr schnell über den Körper des Tieres und lagert sich in die Lipidschicht auf der Hautoberfläche ein. Landet ein Floh auf dem behandelten Tier, nimmt er über seinen Körper den Wirkstoff auf, der sein Nervensystem attackiert. Bereits drei bis fünf Minuten nach Kontakt mit dem Antiparasitikum beginnt die Lähmung der Stechwerkzeuge des Flohs, das heißt, der Floh kommt nicht zum Blutsaugen. Imidacloprid wirkt sehr selektiv an den Nervenzellen des Parasiten. Dort bindet der Wirkstoff an bestimmte Rezeptoren und blockiert sie. Dadurch bleiben die Rezeptoren geöffnet und die Nervenzelle wird übererregt. Das gesamte Nervensystem des Flohs wird lahmgelegt und der Floh stirbt innerhalb kurzer Zeit. Imidacloprid tötet aber auch Larven in der direkten Umgebung des behandelten Tieres: Abgestoßene Hautschuppen, die den Wirkstoff enthalten, gelangen in die Umgebung des Tieres und können bei Kontakt auch Flohlarven zuverlässig abtöten. Schon kleine Mengen reichen dazu aus.

Weitere Informationen

Wer mehr über das Thema Flöhe erfahren und Tierhaltern in der Apotheke mit Tipps zum Schutz vor einem Flohbefall zur Seite stehen möchte, kann sich online im Bayer-Fernkolleg-Kurs mit dem Thema vertraut machen. Mehr Informationen dazu finden Interessierte unter www.tiergesundheit.bay-as.de

Allein mit der Sofortbekämpfung auf dem Tier ist Flohbefall nicht zu stoppen. Einen umfassenden Schutz, der alle Aspekte des Flohbefalls berücksichtigt, bietet das 4-Punkte-Programm. Dieses Programm berücksichtigt neben der Bekämpfung (Punkt 1) und Vorbeugung am Tier (Punkt 2) auch die Einbeziehung der Umgebung (Punkt 3), zum Beispiel mit einem Fogger (also einem Vernebler) oder mit einem Umgebungsspray, wodurch Eier und Larven miterfasst werden. Ergänzend dazu ist noch eine Bandwurmbehandlung (Punkt 4) sinnvoll. /

E-Mail-Adresse der Verfassers
S_Pachnicke(at)gmx.de