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Capsaicin

Heilkraft aus der Chilischote

30.10.2013
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Von Angelika Rusche-Göllnitz / Mit heftigen Stürmen und Dauerregen bringen die ersten Tiefdruckgebiete aus den Polarregionen auch Feuchtigkeit und Kälte. Gerade in Herbst und Winter leiden viele Menschen vermehrt an Verspannungen und Schmerzen in Nacken und Rücken. Fragen die Betroffenen dann in der Apotheke nach einer natürlichen und schonenden Schmerzlinderung, hat sich eine Heilpflanze mit Tradition bewährt: Chili.

Die wohltuend wärmende Wirkung von Chili ist lange bekannt. Hauptwirkstoff ist das enthaltene Capsaicin. Im Gegensatz zur Anwendung der diversen Capsicumfrüchte als Gewürz muss die arzneilich angewandte Droge strenge pharmakologische Qualitätskriterien erfüllen. So wird »Cayennepfeffer« im europäischen Arzneibuch detailliert beschrieben. Capsaicin wird aus den getrockneten und gemahlenen Früchten der Varianten Capsicum annum und Capsicum frutescens gewonnen.

»Obwohl die Anwendung von Capsaicin bei Schmerzzuständen der Muskulatur und der Gelenke eine lange Tradition hat, wurde erst in den letzten Jahren die Forschung zu dieser Substanz intensiviert«, erläutert Stefanie Conzelmann, Leiterin der Forschung & Entwicklung Healthcare bei der Beiersdorf AG. »So konnten der Wirkmechanismus und die Wirksamkeit durch klinische Studien bei Erkrankungen des Bewegungsapparates gezeigt werden.«

Doppelt wirksame Heilkraft aus der Natur

Capsaicin verfügt über eine einzigartige Doppelwirkung bei Verspannungen und Schmerzen: Auf der einen Seite fördert es die Durchblutung direkt im schmerzenden Bereich. Kurz nach dem Auftragen einer Salbe oder Aufkleben eines Pflasters mit Capsaicin breitet sich lokal eine angenehme, wohltuende Wärme aus. Dadurch entspannen die Muskeln nachweislich, Verkrampfungen lösen sich. Die Zellen im Muskelgewebe werden stärker durchblutet und damit wieder besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Dies unterstützt die Selbstheilungskräfte. Auch Stoffwechselprodukte werden dadurch schneller aus dem Muskelgewebe abtransportiert. Die Wirkung des Capsaicins kann man nicht nur fühlen, sondern auch sehen. Da die Substanz die Gefäße erweitert und die Durchblutung fördert, rötet sich die Haut. Das gehört zur beabsichtigten pharmakologischen Reaktion und ist ein Indiz für die Wirkung.

Allroundtalent Chili

  • Die Chilipflanze wurde bereits vor rund 9000 Jahren in Südamerika gesammelt und gezüchtet.
  • Mit der Nahrung aufgenommen ist Chili nicht nur für die feurige Schärfe der Speisen verantwortlich, sondern wirkt aufgrund seiner antibakteriellen Eigenschaften auch gegen mögliche Krankheitserreger. Zudem wird es wegen des posi­tiven Einflusses auf die Verdauung und den Stoffwechsel geschätzt.
  • Äußerlich angewendet wird Chili auch bei Hauterkrankungen, Juckreiz, neuropathischen Beschwerden und rheumatischen Erkrankungen.

Auf der anderen Seite beeinflusst Capsaicin die Übertragung von Schmerzsignalen aus dem betroffenen Areal an das Zentralnervensystem. Neurotransmitter wie die Substanz P werden durch Schmerzimpulse aus den Nervenenden freigesetzt und übermitteln das Signal »Schmerz« permanent weiter – ein Dauerschmerz entsteht. Capsaicin unterbricht diesen Schmerzkreislauf und verhindert vorübergehend die Aufnahme von Substanz P in die Nervenfasern. Die Nervenendigungen verarmen daher an Substanz P und die Weiterleitung von lokalen Schmerzimpulsen wird unterbrochen.

Anwendung bei Tag und bei Nacht

Capsaicin wird – als Pflaster oder Salbe – direkt auf der Haut angewendet. Das hat zwei Vorteile: Der Chili-Wirkstoff belastet dadurch nicht den Magen-Darm-Trakt. Außerdem gelangt er direkt an die Stelle, wo der Schmerz sitzt, und wirkt dort intensiv und lang anhaltend. Die entstehende heilende Wärme ist schnell spürbar und wird individuell unterschiedlich empfunden – ähnlich der Schärfe von Chili im Essen.

Die Anwendung als ABC Pflaster ist besonders komfortabel. Es kann einerseits tagsüber gut genutzt werden, da es unter der Kleidung nicht sichtbar ist. Andererseits ist auch die Applikation über Nacht unproblematisch: Das Pflaster klebt fest auf der gesamten Fläche, verrutscht nicht und beeinträchtigt die gewohnten Schlafpositionen nicht. /

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