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Nur echten Testosteronmangel behandeln

01.09.2014
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Von Annette Immel-Sehr / Bei Männern über 60 Jahren gelten Testosteron-Präparate als Wundermittel: Das Hormon soll gegen Libidoverlust, erektile Dysfunktion, Antriebsschwäche und Müdigkeit helfen.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) sieht den Einsatz aber kritisch. »In vielen Medienberichten werden die Zusammenhänge stark vereinfacht. Altersbeschwerden werden generell auf einen Testosteronmangel zurückgeführt«, kritisiert Professor Dr. Helmut Schatz, Mediensprecher der Gesellschaft.

Dabei ist Altern ein komplexer Prozess. Zwar geht die Hormon­produktion bei vielen Männern mit zunehmendem Alter deutlich zurück, von einem behandlungsbedürftigen Mangel kann jedoch meist keine Rede sein. In solchen Fällen Testos­te­ron zu ver­ab­rei­chen, kann riskant sein. Zwei US-amerikanische Studien berichten über vermehrte Herzinfarkte, Schlaganfälle und eine erhöhte Gesamtsterblichkeit bei Männern, die mit Testosteron behandelt wurden. Auch wenn diese Studien wegen erheblicher Mängel in der Kritik stehen, sind sie für die DGE Grund genug, vor einer unkritischen Testosteron-Gabe zu warnen.

Nur 3 bis 5 Prozent der 60- bis 79-Jährigen leiden nachweislich unter einem Testosteronmangel. Bei ihnen steht der Nutzen einer Hormonbehandlung außer Zweifel. Männer mit vermin­der­ter Libido und erektiler Dysfunktion sollten daher ihren Hormon­ge­halt im Blut bestimmen lassen. Bei Prostatakrebs, einer erhöhten Anzahl roter Blutzellen, unbehandelter obstruk­ti­ver Schlafapnoe oder unbehandelter schwerer Herzschwäche darf Testosteron allerdings nicht gegeben werden.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)