PTA-Forum online
Otitis media

Schnupfen im Ohr

22.06.2015  10:43 Uhr

Von Daniela Hüttemann / Etwa jedes fünfte Kind erkrankt in seinem ersten Lebensjahr mindestens einmal an einer Mittelohrentzündung (Otitis media), die häufig mit Fieber und Schmerzen einhergeht. Oft verschreibt der Arzt dem Baby oder Kleinkind ein Antibiotikum. Dann sollten die Eltern in der Apotheke dazu konkrete Einnahmehinweise erhalten.

Eine Otitis media entsteht meist, weil Viren oder Bakterien während einer Erkältung von den Nebenhöhlen durch die Ohrtrompete (Tuba) ins Mittelohr gelangen. Das geschieht bei Babys schnell, weil bei ihnen die Tuba noch verhältnismäßig kurz ist. In der Folge wird auch dort Schleim gebildet, der schlecht abfließen kann, da die Ohrtrompete anschwillt. Dadurch entsteht Druck auf das Trommelfell. Das führt zu Schmerzen und beeinträchtigt vorübergehend das Hörvermögen.

Naturgemäß können Säuglinge nicht zeigen, dass ihnen die Ohren wehtun. Auch Kleinkinder zeigen bei Nachfrage eher auf ihren Bauch, weil sie den Schmerz häufig noch nicht lokalisieren können. Typische Symptome der Otitis media bei Babys und Kleinkindern sind Schnupfen, Fieber und vermehrtes Schreien. Den Eltern fällt vor allem auf, dass ihr Kind kaum essen will, besonders unruhig und reizbar ist. Als Risikofaktoren für die Erkrankung gelten Passivrauchen, häufiger und enger Kontakt mit anderen Kindern und kein Stillen in den ersten drei Lebensmonaten. Vermutet wird, dass auch Allergien sowie der Gebrauch von Schnullern eine Rolle spielen. Außerdem ergaben manche Studien, dass Jungen häufiger an einer Mittelohrentzündung erkranken als Mädchen.

Bakterien oder Viren

Die häufigsten bakteriellen Erreger sind Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae und Moraxella catarrhalis; als mögliche virale Aus­löser gelten Respiratory Syncytial Viren (RSV), Parainfluenzaviren, Influenza­- und Enteroviren. Meist verläuft eine Mittelohrentzündung komplikationslos und klingt nach zwei bis drei Tagen von selbst wieder ab. Ist das Kind noch keine zwei Jahre alt, sollten die Eltern bei Verdacht auf eine Otitis media trotzdem den Kinderarzt aufsuchen.

Die Leitlinie Ohrenschmerzen empfiehlt grundsätzlich das symptom­orientierte Handeln und nur bei besonderen Konstellationen ein Antibio­tikum zu verschreiben. Mittel der Wahl gegen die Schmerzen ist – auch schon bei Neugeborenen – Paracetamol (drei- bis viermal täglich 10 bis 15 mg/kg Körpergewicht) oder für Kinder ab drei Monaten das Ibuprofen (bis maximal 20 bis 30 mg/kg Körpergewicht pro Tag, verteilt auf drei bis vier Gaben). Die Kinder erhalten die Arzneistoffe als Suppositorium oder Saft.

Normalerweise setzen Kinderärzte Antibiotika zurückhaltend ein und empfehlen den Eltern, das Kind zunächst 24 Stunden lang genau zu beobachten. Bessern sich die Symptome während dieser Zeit nicht oder verschlechtern sie sich sogar, sollen sie erneut den Arzt aufsuchen, der dann ein Antibiotikum verordnen wird. Er kann die Medikamente auch vorsorglich verschreiben, zum Beispiel vor dem Wochenende. Dann muss er die Eltern allerdings ausführlich über den Beginn der Anwendung, die Dosierung und mögliche Nebenwirkungen informieren.

Als Gründe für die sofortige Antibiotikatherapie nennt die Leitlinie Ausfluss aus dem Ohr (Otorrhö), Kinder unter zwei Jahren mit beidseitiger akuter Otitis media, Begleit- oder Grund­erkrankungen, wiederkehrende Infekte, Paukenröhrchen, Immunsuppression, schlechtes Allgemeinbefinden, hohes Fieber sowie anhaltendes Erbrechen und/oder Durchfall.

In der Apotheke zubereiten

Antibiotikum der Wahl ist Amoxicillin in einer Dosierung von 50 mg/kg Körpergewicht verteilt auf zwei bis drei Einzel­dosen über sieben Tage, bei bekannten Resistenzen oder Therapie­versagen in der Vergangenheit in Kombination mit Clavulansäure. In der Regel verordnet der Arzt einen Trockensaft, den das Apothekenteam am besten sofort korrekt zubereitet, da Eltern hier erfahrungsgemäß häufig Fehler machen. Als zweite Wahl gelten orale Cephalosporine der zweiten Generation wie Cefuroximaxetil (20 bis 30 mg/kg Körpergewicht am Tag). Bei einer Penicillin- oder Cephalosporin-Allergie erhalten die Kleinen sieben Tage lang ein Makrolid wie Erythromycin.

Häufig verordnet der Arzt zusätzlich abschwellende Nasentropfen, damit sie den Schleimabfluss erleichtern. Zwar wurde bislang nicht in Studien nachgewiesen, dass sie den Verlauf der Mittel­ohrentzündung verkürzen, doch gilt es als Konsens, dass sie das Trinkverhalten und den Schlaf des Kindes verbessern können.

Für den Heilungsprozess ebenso wichtig wie die medikamentöse Therapie sind die intensive Zuwendung der Eltern und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Niemand sollte in Gegenwart des Kindes rauchen. Als Hausmittel gilt Wärme, zum Beispiel mit einer Wärmflasche mit warmem Wasser oder mit einem Zwiebelsäckchen.

Eltern können ihren Kindern zumindest einige durch Pneumokokken ausgelöste Mittelohr­entzündungen ersparen, wenn sie sie gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission impfen lassen. Die Standardimpfung gegen Haemophilus influenzae B schützt dagegen nicht vor Otitis media, da diese durch andere Varianten des Erregers ausgelöst wird. /

TEILEN
Datenschutz