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Depressionen einheizen

04.07.2016  13:34 Uhr

Von Elke Wolf / Den ganzen Körper durch Infrarotstrahlen und Heizspiralen zu erwärmen, könnte dazu beitragen, depressive Symptome zu mildern. Das haben US-Wissenschaftler um Dr. Clemens Janssen von der Universität Madison erstmals zeigen können.

Ihre Ergebnisse begründen sie mit der Beobachtung, wonach eine als angenehm empfundene Wärme bestimmte Hirnregionen wie den mittleren orbifrontalen Cortex, das vordere Cingulum oder das ventrale Striatum aktiviert, also alles Bereiche, die bei Depressiven nur vermindert aktiv sind.

Ihre Untersuchung führten die Wissenschaftler mit 30 Probanden durch, die bereits seit zwei Jahren an einer Depression litten und deren Hamilton-Depressionsscore HAMD-17 bei rund 22 Punkten lag. Die Studienteilnehmer durften es sich auf einer Liege bequem machen, während über ihnen angebrachte Heizspiralen und Infrarotstrahler ihren Körper erhitzten. Allerdings nicht bei allen Probanden: Bei 14 wurden nur die Heizspiralen etwas aktiviert, damit sie nur eine wohlige Wärme erzeugten.

Nach etwa zweistündiger Wärmebehandlung stieg die Körpertempe­ratur der Verumgruppe um 1,9 °C auf 38,9 °C, in der Kontrollgruppe um 0,8 °C auf 37,7 °C an. Die um ein Grad höhere Körpererwärmung brachte statistisch signifikante Unterschiede mit sich. Nach einer Woche ließ die richtige Wärme­therapie den HAMD17-Wert um 6,1 Punkte sinken, die Schein­behandlung nur um 1,9 Punkte. Nach zwei Wochen analysierten die Forscher einen Rückgang um jeweils 8,0 und 4,0 Punkte. In den folgenden vier Wochen blieben die HAMD17-Scores in beiden Gruppen relativ konstant.

Nach diesen Daten, so schreiben die Studienautoren, scheint eine einmalige Ganzkörper­wärme­therapie die Stimmung anhaltend verbessern zu können. Sie räumten jedoch ein, die Studie sei mit 30 Teilnehmern relativ klein und der Wärmeeffekt war geringer als das üblicherweise in Studien mit Anti­depressiva der Fall sei. /