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Endometriose

In der Regel Schmerzen

04.07.2016  13:34 Uhr

Von Manuela Kupfer / Endometriose ist eine Krankheit der Widersprüche: Sie gehört zu den häufigen Frauenkrankheiten – gleichzeitig auch zu den unbekannten und unerkannten. Die Ursachen sind ungeklärt, eine Heilung gibt es nicht. Die Erkrankung belastet viele betroffene Frauen stark, dennoch ist sie in der klinischen Forschung kaum präsent.

Normalerweise kleidet die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) nur das Innere des Uterus aus. Bei einer Endometriose wächst gebärmutterschleimhautartiges Gewebe jedoch außerhalb der Gebärmutterhöhle. Die entstan­denen Endometrioseherde können sich vergrößern und ausbreiten. Wie die Schleimhaut im Uterus unterliegen auch diese Herde meist den hormonellen Veränderungen während des Zyklus: Abhängig von der Estrogenproduktion wachsen sie heran und werden wieder abgestoßen. Allerdings kann die abgelöste Schleimhaut nicht mit der Menstruation über die Scheide abfließen, sondern bleibt im Körper. Dies kann zu (chronischen) Entzündungen, zu Verwachsungen und Vernarbungen führen. Mitunter bilden sich flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Gewebe (Zysten) oder die Endometrioseherde wachsen in andere Organe ein und rufen dort akute Komplikationen hervor.

Endometrioseherde treten im gesamten Bauchraum auf: an der Gebärmutter, am Bauchfell (Peritoneum), an den Eierstöcken, den Eileitern, dem Halteapparat der Gebärmutter, dem Scheidengewölbe sowie zwischen Enddarm und Scheide. In manchen Fällen bildet sich versprengtes Gewebe auch am Rektum und an der Harnblase, seltener an Zwerchfell, Blinddarm und Nabel. Manchmal bilden sie sich auch in Operationsnarben nach Entfernung der Gebärmutter, nach Kaiser- oder Dammschnitt. Äußerst selten siedeln sich die Herde in Milz, Lunge, Leiste, Niere, Gehirn oder Skelett ab. Sie bestehen aus Drüsen, Stromazellen und glatter Muskulatur und werden von Nerven, Lymph- und Blutgefäßen versorgt.

Leitsymptome beachten

Endometriose ist eine gutartige (benigne) Erkrankung. Überwiegend erkranken gebärfähige Frauen. Nach einer Studie sind unter den Betroffenen etwa 2 Prozent jünger als 20 Jahre und weniger als 3 Prozent bereits in der Postmenopause. Schätzungsweise 7 bis 15 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden an Endometriose. In Deutschland sind das 2 bis 6 Millionen Frauen, jährlich erkranken circa 40 000 neu, ungefähr 20 000 werden in ein Krankenhaus eingewiesen.

Wie sich eine Endometriose äußert, ist individuell verschieden und abhängig von der Lage der Herde (siehe Kasten). Das Leitsymptom sind zyklisch wiederkehrende Schmerzen im Unterbauch, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Hinzu kommen unspezifische Symptome wie Müdigkeit und Erschöpfung, depressive Verstimmungen und Depressionen oder Angststörungen. Dabei korrelieren die Beschwerden nicht mit dem Grad der Ausbreitung der Endometriose. Bei etwa der Hälfte der Frauen verursacht Endometriose keine Beschwerden. Auch der Krankheitsverlauf ist von Fall zu Fall verschieden. Zudem ist die Krankheit eine häufige Ursache für Unfruchtbarkeit

Anzeichen für eine Endometriose

  • starke Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhö)
  • Bauch- und Rückenschmerzen, oft in die Beine ausstrahlend
  • starke oder verlängerte Monats­blutungen
  • vom Zyklus unabhängige, starke Unterleibsschmerzen
  • Schmerzen beim Geschlechts­verkehr (Dyspareunie)
  • Schulterschmerzen
  • Schmerzen bei der Blasen­entleerung (Dysurie)
  • Schmerzen beim Stuhlgang (Dyschezie),
  • Blasen- und Darmkrämpfe, Blähungen,
  • Durchfall, Verstopfung
  • Blutungen aus Blase oder Darm
  • Schwellung in der Nabel- oder Leisten­gegend, teilweise mit Blutung

Unterschiedliche Theorien

Zur Entstehung der Endometriose existieren verschiedene Theorien. Manche Wissenschaftler sind der Überzeugung, dass die Erkrankung durch einen Blutrückfluss durch die Eileiter in die Bauchhöhle (retrograde Menstruation) ausgelöst wird. Andere gehen davon aus, dass sich Gewebezellen in Gebärmutterschleimhaut umwandeln, dass bei Gebärmutteroperationen die Schleimhaut lokal auf andere Gewebe verteilt wird oder sich die Endometriumzellen über Blut- und Lymphbahnen ausbreiten. Da eine erbliche Veranlagung erwiesen ist sowie Zusammenhänge mit Fehlfunktionen des Immunsystems und mit Umwelteinflüssen bestehen, ist die Entstehung einer Endometriose sicher ein multifaktorelles Geschehen.

Endometriose ist eine chronische, unheilbare Krankheit, die nicht verhindert werden kann. Dennoch lindern einige therapeutische Maßnahmen die Beschwerden und verringern die Sterblichkeit der Frauen. Bei der Behandlung orientieren sich die Ärzte an der individuellen Situation und dem Leidensdruck der Patientin. Veursacht die Endometriose keine Beschwerden, sind keine wichtigen Organe beeinträchtigt und möchte die Frau nicht schwanger werden, ist keine Therapie erforderlich. Zudem verschwinden die Beschwerden bei vielen Patientinnen nach der letzten Monatsblutung.

Meist als erste Maßnahme werden die Endometrioseherde mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie) beseitigt. Dadurch verringern sich bei den meisten Frauen die Schmerzen. Bei einer Endometriose des Bauchraums lassen sich die Beschwerden durch Einnahme von Gestagenen, oralen Antikonzep­tiva oder GnRH-Analoga verringern. Oft sind wiederholte Behandlungen notwendig, da eine Endometriose vielfach wiederkehrt.

Häufig verordnen Ärzte den Frauen Analgetika. Allerdings fehlt der Beweis, dass nicht steroidale Antirheumatika und Antiphlogistika sich positiv auf die spezifischen Beschwerden auswirken. Ferner liegt kein Nachweis vor, dass eine Behandlung mit Hormonen die Fruchtbarkeit verbessert. Dagegen erhöht das operative Entfernen der Endometrioseherde die Fertilität.

Komplementäre Ansätze

Bei chronisch rezidivierender Endometriose lindern komplementäre Thera­pien vielfach die Beschwerden der Pa­tientinnen und verbessern zudem deren Lebens­qualität. Das gilt unter anderem für die Akupunktur, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), klassische Homöopathie und Physiotherapie. Zu den genannten Behandlungsmethoden fehlen jedoch noch größere randomisierte und kontrollierte Studien.

Aquarobic und Yoga

Außerdem gibt es Hinweise, dass Vitamin D sowie Omega-3-Fettsäuren Entzündung und Wachstum des endometriotischen Gewebes reduzieren. Auch Bewegung tut gut. Viele Frauen empfinden Nordic Walking, Beckenbodentraining oder Bewegung im warmen Wasser bei Aquarobic als angenehm. Darüber hinaus wirken Entspannungstechniken wie Yoga und Strategien zur Stressbewältigung unterstützend.

Vor allem nach ausgedehnten chirurgischen Eingriffen ist ein wichtiger Aspekt, dass die Patientinnen – auch mit professioneller Hilfe – lernen, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen. In ihrer Situation gilt es zu akzeptieren, dass Endometriose häufig chronisch verläuft und mit teilweise unvermeidlichen Einschränkungen und Beschwerden einhergeht. Sich gesund zu ernähren, wirkt sich oft günstig auf die Erkrankung aus. Viele Frauen empfinden es als sehr wohltuend, sich mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe über die Krankheit, ihre Ängste und Einschränkungen austauschen zu können./