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Uterusmyome

Knoten in der Gebärmutter

04.07.2016  13:34 Uhr

Von Clara Wildenrath / Uterusmyome sind gutartige Geschwulste in der Muskelschicht der Gebärmutter. Sie kommen bei sehr vielen Frauen vor, bereiten aber nicht immer Beschwerden. Wenn doch, können sie heute oft auch ohne Operation behandelt werden.

Starke Blutungen während der Menstruation, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder ungewollte Kinderlosigkeit – Myome führen zu ganz unterschiedlichen Problemen. Fachleute schätzen, dass bis zu 70 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter an solchen gutartigen Tumoren der Gebärmutter (Myometrium) leiden. Manche Myome sind nur wenige Millimeter klein, andere aber so groß wie ein Handball. Hat sich eine Vielzahl gebildet, sprechen Mediziner von einem Uterus myomatosus.

Oft entdeckt der Frauenarzt Myome als Zufallsbefund bei einer Routine­untersuchung. Im Nachhinein erkennen die betroffenen Frauen dann häufig einen Zusammenhang zu verschiedenen Beeinträchtigungen, die sie vielleicht schon lange bemerkten, jedoch als normal ansahen – zum Beispiel starke, lang anhaltende oder sehr schmerzhafte Monatsblutungen. Kleine Myome bleiben oft völlig ohne Symptome. Ob und welche Beschwerden sie verursachen, hängt aber nicht nur von ihrer Größe, sondern auch von ihrer Lage im Uterus ab.

Am häufigsten finden sich die Knoten inmitten der Gebärmutterwand. Der Arzt bezeichnet sie dann als intramurale Myome. Sie führen bei vielen Frauen zu Störungen der Menstruation. Werden die Geschwulste größer, drücken sie irgendwann auf Nachbarorgane wie Blase oder Darm und bewirken Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang. Unter Umständen reizen sie auch Nervenendigungen wie den Ischiasnerv, sodass sie Schmerzen im unteren Rücken oder in den Beinen auslösen.

Sogenannte subseröse Myome sitzen dagegen an der Außenseite der Gebärmutter. Sie rufen ebenfalls oft Bauch- und Rückenschmerzen, verstärkten Harndrang oder Verstopfung hervor. Relativ selten bilden sich submu­köse Myome direkt unter der Gebärmutterschleimhaut (siehe auch Grafik). Sie verursachen fast immer Menstrua­tionsstörungen wie starke, lange, unregelmäßige oder mit Krämpfen einhergehende Blutungen.

Eine Sonderform sind gestielte Myome. Diese sind nur noch durch einen dünnen Steg mit der Gebärmutter verbunden und ragen entweder nach außen in den Bauchraum oder nach innen in die Uterushöhle. Verdreht sich der Stiel, unterbricht das die Durchblutung des Myoms. Das führt meist zu sehr heftigen Schmerzen, zum sogenannten akuten Abdomen. Dann müssen sich die Frauen sofort in ärztliche Behandlung begeben.

Risiko Blutarmut

Zu lange und zu starke Monatsblutungen führen bei vielen Frauen zu Blutarmut (Anämie). Durch die hohen Blutverluste sinkt der Bluteisenspiegel, sodass der gesamte Organismus schlechter mit Sauerstoff versorgt wird. Das äußert sich beispielsweise durch Abgeschlagenheit, geringe Leistungsfähigkeit, Herzklopfen, Schwindel, Blässe, brüchige Nägel oder Haarausfall. Ob tatsächlich ein Eisenmangel vorliegt, kann der Arzt mithilfe einer Blutuntersuchung bestimmen. Bei Bedarf verordnet er Eisenpräparate als Tabletten oder Trinklösung, um die Eisenspeicher des Körpers wieder aufzufüllen. In seltenen Fällen rät er auch zur intravenösen Eisentherapie.

Myome können der Grund dafür sein, dass eine Frau nicht wie erhofft schwanger wird – etwa, wenn die Wucherung die Eileiter blockiert oder die Einnistung einer befruchteten Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut behindert. Das muss aber nicht sein: Viele Frauen werden trotz Myomen schwanger. Allerdings zeigen Studien, dass bei Myom­patientinnen die Fehl- und Frühgeburtenraten erhöht sind. Zudem begünstigen Myome Lageanomalien des Kindes, vorzeitige Wehen und erschweren die Ablösung der Plazenta nach der Geburt.

Angst unbegründet

Betroffene Frauen müssen jedoch keine Angst haben, dass aus einem Myom ein bösartiger Tumor entsteht. Laut aktuellem Wissensstand entwickeln sich die sogenannten Sarkome unabhängig von eventuell vorhandenen Myomen. Sie treten etwa bei einer von 1000 Frauen auf. Allerdings lassen sich gutartige Myome nicht immer ohne chirurgischen Eingriff von einem bösartigen Sarkom unterscheiden.

Weshalb sich überhaupt Myome in der Gebärmutter bilden, konnten Forscher noch nicht eindeutig klären. Sie nehmen jedoch an, dass genetische Einflüsse eine Rolle spielen: Töchter von Myompatientinnen bekommen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit selbst welche. Auch die Tatsache, dass Frauen afri­kanischer Herkunft häufiger betroffen sind, spricht für eine erbliche Komponente.

Hormoneinfluss sicher

Die weiblichen Hormone Estrogen und Progesteron beeinflussen ganz sicher das Wachstum von Myomen. Deshalb entwickeln sich die Geschwulste erst nach der Pubertät, nach den Wechseljahren gehen sie wieder zurück. Die Ergebnisse der kürzlich veröffentlichten Deutschen Myom-Studie deuten darauf hin, dass diejenigen Mädchen später seltener an Myomen leiden, deren erste Regelblutung besonders früh oder besonders spät auftrat, das heißt, vor dem elften oder nach dem 15. Lebensjahr. Hingegen ließ sich nicht aus der Studie ableiten, Schwangerschaften könnten vor Myomen schützen, .

Zur Diagnose von Myomen reicht in der Regel eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) aus. Nur wenn der Befund unklar ist, rät der Arzt zur Magnet­resonanz­tomographie (MRT). Behandelt werden müssen die gutartigen Gebärmuttertumoren normalerweise nur, wenn sie Beschwerden verursachen. Je nach Alter der Patientin, Symptomen, Familienplanung sowie Lage und Größe der Myome kommen unterschiedliche Methoden in Frage.

Therapie ohne Skalpell

Jüngeren Frauen, die in nächster Zeit nicht schwanger werden möchten, hilft oft schon die Langzeiteinnahme einer gestagenhaltigen Antibabypille. Die Pille verringert deutlich die Inten­sität und Länge der Periodenblutung oder unterbindet sie sogar komplett. Die Hormonspirale wirkt manchmal ähnlich. Allerdings sehen viele Ärzte ihren Einsatz bei Myompatientinnen kritisch, weil die Wucherungen zur verringerten Wirksamkeit oder einem Verlust der Spirale führen können.

Therapieoption

Spezifischer wirkt der selektive Progesteron­rezeptor-Modulator Ulipristalacetat (Esmya®). Er wird in höherer Dosierung auch als Notfallkontrazep­tivum eingesetzt und ist seit 2012 zur kurzfristigen Behandlung von Myomen zugelassen. Ulipristalacetat blockiert das Andocken des Progesterons an den Myomzellen und hemmt so deren Teilung. In Studien verringerten sich dadurch bei 94 Prozent der Patientinnen die Blutungen innerhalb weniger Tage, ebenso deutlich gingen das Myomvolumen und auch die Schmerzen zurück. Nach Absetzen der Therapie blieb die verringerte Größe des Myoms weitgehend erhalten.

Im Mai 2015 genehmigte die EU-Kommission auch die Langzeit-Intervall-Therapie mit Ulipristalacetat. Zwischen den zwölfwöchigen Behandlungsphasen muss jeweils eine Zykluspause bis zum Einsetzen der zweiten Perioden­blutung eingehalten werden. PTA und Apotheker sollten die Patientinnen darauf hinweisen, dass sie während der Therapie keine Antibabypille einnehmen, sondern mit Kondomen oder Pessar verhüten sollten.

Auch Estrogen-Gegenspieler wie die sogenannten Gonadotropin-Releasing-Hormone-(GnRH)-Analoga (zum Beispiel Leuprorelin) können Myome zum Schrumpfen bringen. Da diese Substanzen jedoch oft zu belastenden Wechseljahresbeschwerden führen, beispielweise Hitzewallungen, Nachtschweiß oder Stimmungsschwankungen, ist ihre Anwendung auf sechs Monate begrenzt. Nach dem Absetzen der Arzneimittel wachsen die Myome meist wieder.

Ein relativ neues nicht-operatives Behandlungsverfahren ist der MRT- gesteuerte hochfokussierte Ultraschall. Dabei werden die Myome durch gebündelte energiereiche Schallwellen erhitzt und zerstört. Eine Vollnarkose ist nicht notwendig; kurz nach der Behandlung kann die Patientin nach Hause gehen. Anschließend baut das körpereigene Immunsystem die abgestorbenen Gewebezellen ab. Aktuell bieten nur wenige spezialisierte Zentren diese kostenintensive Methode an und nicht alle gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Schonende Eingriffe

Nur in Ausnahmefällen entfernen Ärzte Frauen, die unter den Beschwerden der Myome leiden, heute noch die Gebärmutter. Als gerechtfertigt gilt diese Radikallösung bei Frauen mit zahlreichen, sehr großen oder schnell wachsenden Myomen, deren Familienplanung abgeschlossen ist. Eine organ­erhaltende Alternative ist die Ausschälung der knotigen Geschwulste (Enukleation) im Rahmen einer Bauch- oder Gebärmutterspiegelung. Danach kann die Patientin in der Regel noch schwanger werden. Bei sehr großen Myomen rät der Arzt unter Umständen vor diesem Eingriff zur medikamentösen Therapie, um die Größe der Myome zu verringern.

Eine andere Methode ist die sogenannte Embolisation: Dabei verstopft der behandelnde Radiologe über einen Katheter mithilfe kleiner Kunststoff­partikel die Uterusarterie, die die Myome mit Blut versorgt. Danach bilden sich die Geschwulste innerhalb weniger Monate zurück. Da auch die Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut leiden kann, ist die Embolisation für Frauen mit Kinderwunsch weniger geeignet. /