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Verdünnter Apfelsaft statt Elektrolytlösung

04.07.2016  13:34 Uhr

Von Annette van Gessel / Bislang rieten Ärzte Eltern davon ab, bei akutem Brechdurchfall den Flüssigkeitsverlust ihrer Kinder mit süßen Säften auszugleichen. Nun gelangen kanadische Ärzte um Stephen B. Freedman von der Universität in Calgary zu einer anderen Einschätzung: Die Sorge sei unbegründet, durch Getränke mit hohem Zuckergehalt osmotische Diarrhö auszulösen.

»Zumindest bei Kindern mit nur leichter Dehydrierung ist die Flüssigkeitsaufnahme wichtiger als die damit verbundene Glucosezufuhr«, so die Studienautoren. »Unsere Ergebnisse stellen die Empfehlung infrage, Kindern mit Gastroenteritis routine­mäßig eine Re­hydrierungs­lösung zu geben.«

In die Studie wurden 647 Kinder im Alter zwischen 6 und 60 Monaten einbezogen, die mit akuter Gastroenteritis und nur geringfügig dehydriert in eine Notfallam­bulanz gebracht worden waren. 323 erhielten dort einen 1:1-Mix aus Apfelsaft und Wasser, 324 eine gleichfarbige Elektrolytlösung mit Apfelgeschmack. Auch nach der Entlassung sollten die Eltern weitere Flüssigkeitsverluste mit denselben Getränken ausgleichen. Diese Maßnahme galt unter anderem dann als gescheitert, wenn die Symptome anhielten, die Kinder erneut stationär aufgenommen und i.v. rehydriert werden mussten oder die Kinder mehr als 3 Prozent an Gewicht verloren.

Mit der Apfelsaft-Strategie versagte die Therapie innerhalb von sieben Tagen bei deutlich weniger Kindern: 17 Prozent zu 25 Prozent der Gruppe, die die Elektrolytlösung erhielten. Die Ärzte weisen allerdings darauf hin, dass sich die Rehydrierung mit Saft nur bei Kindern ab 24 Monaten als vorteilhaft erwies. Bei jüngeren Kindern war kein Unterschied zwischen den Strategien zu erkennen. Auch machten sie darauf aufmerksam, dass sie die besonders gefährdeten Säuglinge im Alter unter sechs Monaten nicht in die Studie aufgenommen hatten. /