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Hauhechel

Wurzel für die Blase

04.07.2016
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Von Monika Schulte-Löbbert / Als Heilpflanze hat Hauhechel eine lange Tradition. Bereits in der Antike kannten die Menschen die harntreibende Wirkung der Wurzel. Noch heute hat sie ihren festen Platz als mildes Diuretikum bei Entzündungen der ableitenden Harnwege.

Die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa L.) gehört zur Familie der Schmetterlingsblütler, der Fabaceae. Sie ist in Europa, Vorderasien sowie an der Nordküste Afrikas heimisch und bis auf 1500 m Höhe anzutreffen. Hauhechel war früher sehr viel weiter verbreitet. Aktuell sind ihre Bestände zwar noch nicht gefährdet, nehmen aber wegen der Überdüngung zunehmend ab. Der Schmetterlingsblütler bevorzugt sonnige Standorte mit mageren Lehm- und Kalkböden, beispielsweise trockene Weiden, brachliegende Wiesen und Wegböschungen.

Der bis zu 80 Zentimeter hohe Halbstrauch bildet einen kurzen Wurzelstock und eine 50 Zentimeter lange, verholzende Pfahlwurzel. Die leicht behaarten aufrechten Stängel verholzen teilweise. Die mehr oder weniger dichten Kurztriebe sind vor allem im oberen Teil zu stechenden Dornen umgewandelt. Alle Blätter sind gezähnt und mit sehr feinen Drüsenhaaren besetzt, die unteren Blätter sind ähnlich wie beim Klee dreizählig gefiedert, die oberen Blätter kleiner und ungefiedert.

Zur Blütezeit von Mai bis Oktober schmücken rosarote bis hellviolette Schmetterlingsblüten die Pflanze. Sie sitzen meist einzeln in den Blattachseln der Kurztriebe, die an Stängel- und Zweigenden entspringen. Dadurch entsteht der Eindruck einer mäßig dichten Blütentraube. Im Herbst reifen die Blüten zu etwa ein bis zwei Zentimeter langen Hülsenfrüchten heran. Die gesamte Pflanze verströmt einen leicht unangenehmen Duft.

Vorsicht Dornen

Während der Blütezeit lockt die Hau­hechel mit ihren zartrosa Blüten nicht nur Insekten an. Wanderer sollten sich ihr allerdings vorsichtig nähern, denn die kräftigen Dornen der Pflanze werden erst auf den zweiten Blick sichtbar. Auf diese Dornen bezieht sich auch der deutsche Name »Hauhechel«. Ein Hechsel oder Heckel ist ein Stachelwerkzeug, mit dem früher Flachsfasern gekämmt wurden. Auch der lateinische Begriff »spinosa« bedeutet »dornig« oder »stachelig«.

Der Name »Ononis« wird mit den griechischen Wörtern »onos« (= Esel) und »oninemi« (= nützlich) in Zusammenhang gebracht. Die Kombination von beidem ergibt, dass die Pflanze nur dem Esel nützlich sei, weil nur er sie trotz der scharfen Dornen fressen kann. Darüber hinaus bevorzugt auch ein anderes Tier die Hauhechel als Nahrungsquelle: die Raupe eines kleinen blauen Schmetterlings, des Hauhechel-Bläulings.

Volkstümliche Namen wie »Weiberkrieg« oder »Pflugsterz« und »Ochsenbruch« weisen darauf hin, dass die Pflanze früher bei den Bauern sehr unbeliebt war. Viele empfanden sie als große Plage auf ihren Feldern. Die spitzen Dornen verfingen sich leicht in den langen Röcken der jätenden Frauen. Und die Bauern mussten die harten, tief in den Boden reichenden Wurzeln regelrecht heraushauen, da sie fürchteten, dass ihr Pflug bei der Feldbestellung Schaden nehmen könnte.

Andere volkstümliche Namen wie »Harnkraut« oder »Steinwurzel« weisen darauf hin, dass die Hauhechel schon früher als harntreibende Arzneipflanze bekannt war.

Lange Tradition

Erstmalig erwähnt wurde Hauhechel im 4. Jahrhundert v. Chr. von dem griechischen Naturforscher Theophrast (371–287 v. Chr.). Er bezeichnete die Pflanze jedoch noch als lästiges Unkraut. Erst 400 Jahre später berichtete der griechische Arzt Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) von der harntreibenden Wirkung ihrer Wurzel. In Essig gekocht, empfiehlt er sie als Mittel gegen Zahnschmerzen. Auch die Heilkundler des ausgehenden Mittelalters kannten die diuretische Wirkung der Hau­hechelwurzel. So schrieb Lonicerus (1528–1586) in einem seiner Kräuter­bücher: »Dieses Kraut ist der fürnehmsten Steinkräuter eines, so den Stein und Harn in Menschen und Viehe austreiben, daher es auch Steinwurtzel genennet wird.«

Als Arzneidroge führt das Europä­ische Arzneibuch in der Monographie »Hauhechelwurzel – Ononis radix« die ganze oder geschnittene, getrocknete Wurzel von Ononis spinosa L. auf. Die Monographie enthält die Prüfung auf Identität und Reinheit, fordert aber ­keinen Gehaltsnachweis. Die Droge stammt aus Wildsammlungen in Südosteuropa. Die im Herbst ausgegra­benen Wurzeln werden gewaschen, zerkleinert und getrocknet. Die frische Wurzel riecht sehr unangenehm, die Droge allerdings nur noch schwach, sie schmeckt süßlich-herb und kratzend.

Zu den Hauptinhaltsstoffen zählen neben Triterpenen wie α-Onocerin vor allem eine Vielzahl an Isoflavonoiden, unter anderem Ononin und Genistein, sowie eine kleine Menge eines ungewöhnlich zusammengesetzten ätherischen Öles mit trans-Anethol, Carvon und Menthol. Außerdem enthält die Droge Spinonin, ein Glucosid mit sel­tener Struktur.

Eines der Isoflavonoide, das Genistein, wirkt ähnlich salidiuretisch wie Furosemid und das Spinonin leicht antibakteriell. Experimentelle Studien mit Ratten und Mäusen bestätigten die erhöhte Harnausscheidung nach oraler Gabe eines Hauhechelextrakts. Der Isoflavonoidgehalt der Wurzel scheint bei Menschen für diese Effekte jedoch zu gering. Daher schreiben Experten die mäßig diuretische Wirkung eher dem Gesamtkomplex zu als einzelnen Komponenten.

Die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamts bewertete die Hauhechelwurzel positiv zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und als Durchspülung zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengrieß. Auch die Experten der europäischen Fachgruppe ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) beurteilen Hau­hechel positiv zur Spülung des Harntrakts, besonders bei Entzündungen und Harngrieß und empfehlen die Droge zusätzlich zur unterstützenden Behandlung von bakteriellen Infektionen des Harntraktes.

Durchspülungstherapie

Für die Teezubereitung wird ein Teelöffel der fein geschnittenen Droge mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen, kurze Zeit gekocht und erst nach 20 bis 30 Minuten abgeseiht. Zur vermehrten Diurese können die Patienten mehrmals täglich eine Tasse Tee trinken. Die Tageshöchstdosis beträgt 12 Gramm Droge.

Die Droge ist auch Bestandteil fertiger Teemischungen, meist enthalten in Blasen- und Nierentees, und wird häufig mit Birkenblättern, Bärentraubenblättern, Brennnesselblättern, Gold­rutenkraut oder Schachtelhalm kombiniert. Für Patienten, die ungern Tee trinken, sind in Tablettenform Kombinationen mit Hauhechelwurzelextrakt im Handel, zum Beispiel Aqualibra® Filmtabletten, die zusätzlich Extrakte aus Orthosiphonblättern und Gold­rutenkraut enthalten.

Bei der Durchspülungstherapie sollten die Patienten auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei Litern pro Tag achten. Die Durchspülungstherapie ist kontraindiziert bei Patienten mit Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit. Auch länger anhaltende Beschwerden bei einem Harnwegsinfekt sollten Patienten nicht selbst behandeln, sondern einen Arzt aufsuchen.

Bei bestimmungsgemäßer Anwendung therapeutischer Dosen der Droge sind keine Risiken und Nebenwirkungen bekannt. Für die Anwendung von Hauhechel während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine Studien zur Unbedenklichkeit vor. Daher sollten die Frauen während dieser Zeit auf die Anwendung verzichten. Auch Kinder unter zwölf Jahren sollten wegen fehlender Erkenntnisse keine Zubereitungen mit Hauhechel erhalten.

Die Volksmedizin empfiehlt die Wurzel auch bei Gicht und rheumatischen Beschwerden, vor allem aber als mildes Diuretikum.

Urtinktur aus Frischpflanze

Homöopathen setzen Hauhechel bei Erkrankungen des Herzens (Wassersucht), der Niere und der ableitenden Harnwege ein. Das Homöopathische Arzneibuch verwendet zur Herstellung der Urtinktur von Ononis spinosa die frischen, zur Blütezeit geernteten oberirdischen Teile der Heilpflanze. So enthält zum Beispiel das homöopathische Arzneimittel Pascodem® Tropfen Ononis spinosa Urtinktur neben Apis mellifica und Kalium carbonicum. Das Präparat soll bei Ödemen im Gewebe die Flüssigkeitsausscheidung anregen.

Dass Hauhechelwurzel noch heute als Urologicum geschätzt wird, verdankt sie vermutlich ihrer langen Tradition als harntreibende Pflanze – wissenschaftlich ist noch immer die Frage offen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung verantwortlich sind. /

Kohltrio mit Hauhechelbutter

Zutaten für 4 Portionen:

Ein Viertel Blumenkohl, ein Viertel Romanesco und ein Viertel Brokkoli, jeweils geputzt und in Röschen zerteilt mit Salz und 10 Tropfen Tabasco in wenig Wasser bissfest garen.

In der Zwischenzeit 80 g Butter in einem Töpfchen schmelzen und 1 EL gemahlene Mandeln dazugeben, kurz aufschäumen lassen und den Topf vom Herd nehmen. Die Kräuter, 1 EL Petersilie und 1 EL fein gehackte Hauhechelblätter, unterrühren und die Würzbutter über den gegarten, abgetropften Kohl gießen.

Die Hauhechelblätter geben dem Kohl ein sehr frisches, interessantes Aroma und überspielen den kohligen Geschmack. Dazu schmecken Gerichte mit weniger Eigenaroma gut. Geflügel und Stampfkartoffeln mit Schmand sind bestens geeignet.

Quelle: www.chefkoch.de