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Nagel-Check

Die Zeichen richtig deuten

30.06.2017
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Von Carina Steyer / Das Erscheinungsbild der Nägel prägt den ersten Eindruck eines Menschen entscheidend mit. ­­Doch jeder Fünfte plagt sich mit Problemnägeln, die oft durch äußere ­Einflüsse ­verursacht werden und sehr belasten.

Finger- und Fußnägel bestehen aus Keratin, einer festen, hornartigen Substanz, die in der Nagelwurzel gebildet und ständig nach vorne geschoben wird. Bis zu 150 Schichten von Hornzellen liegen übereinander und schützen das empfindliche Nagelbett. Neben seiner Schutzfunktion erhöht der Nagel das Feingefühl und den Tiefensinn der Finger und Zehen, zusätzlich dient er als wichtiges Kratz- und Zupfwerkzeug. ­Gesunde Nägel glänzen matt und haben eine glatte Oberfläche. Das gut durchblutete Nagelbett scheint durch die durchsichtige Nagelplatte und verleiht­ dem Nagel eine blassrosa Färb­ung. Der Nagelhalbmond, der sichtbare Ausläufer der unter der Haut liegenden Nagelwurzel, grenzt sich weiß ab. Allerdings sind nicht alle Menschen mit diesem Idealbild gesegnet. Im Gegenteil: Nagelprobleme sind weitverbreitet. Meist entstehen sie durch äußere Einflüsse, wozu auch die falsche Pflege gehört.

Suchen Betroffene Rat in der Apotheke, sollten PTA und Apotheker genau­er nachfragen. Oft reichen Schutzhandschuhe aus oder es hilft ein Wechsel bei den Pflegeprodukten, um den Nagel­ wieder in Form zu bringen. Allerdings ist hier Geduld gefragt, denn Nägel wachsen zwar kontinuierlich, aber doch recht langsam. Fingernägel benötigen etwa sechs Monate, um sich vollständig zu erneuern, Fußnägel sogar­ 18 Monate. Lässt sich keine äußere Ursa­che festmachen, ist der Dermatologe der richtige Ansprechpartner.

Richtige Pflege

Gesunde Nägel brauchen regelmäßige Pflege. An erster Stelle steht dabei die richtige Mani- und Pediküre. Eine Grundregel lautet: Feilen eignet sich besser als Schneiden oder Knipsen, weil das Verletzungsrisiko geringer ist. Sandblatt- oder Glasnagelfeilen schmirgeln dabei schonender als Metall­feilen. Zangen, Knipser oder Scheren sollten immer rostfrei und möglichst hochwertig verarbeitet sein.

Fingernägel schneidet man rund, Fußnägel werden gerade gekürzt, damit die Nägel links und rechts nicht in die Haut einwachsen. Wer sich fürs Schneiden entscheidet, macht das am besten nach einem Bad oder einer Dusche­, denn dann sind die Nägel beson­ders weich. Um gut zu feilen, braucht es hingegen harte Nägel. Die Nagelhaut bleibt dann unverletzt, wenn sie nicht abgeschnitten, sondern nur vorsichtig zurückgeschoben wird. Regelmäßiges Eincremen pflegt nicht nur die Haut, sondern auch die Nägel. Fettreiche Cremes mit Feuchthaltesubstanzen wie Harnstoff oder Glycerin eignen sich gut. Handbäder in lau­warmem Mandel-, Oliven- oder Jojobaöl sowie spezielle Nagelöle spenden zusätzlich Fett und Feuchtigkeit.

Veränderte Farbe

Verfärbte Nägel kommen häufig vor, die Ursachen sind vielfältig. Vor allem weiße Punkte, Streifen oder Flecken werden oft als Zeichen eines Mangel­s fehlinterpretiert. In den meisten Fällen handelt es sich lediglich um kleine Luftbläschen, die zwischen die Lamellen der Nagelplatte geraten und eingelagert werden.

Damit das passiert, reicht schon ein kleiner Stoß, wie beim Tippen auf der Computer­tastatur, oder das unsanfte Zurückschieben der Nagelhaut. Vollständig weiß gefärbte Nägel sind meist genetisch bedingt oder Begleiterscheinung einer Leberzirrhose.

Verfärben sich die Nägel grün, liegt das in der Regel an einer Besiedlung mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa. Für graue bis schwarze Verfärbungen sind meist Enterobakterien verantwortlich. Rauchen färbt den gesamten Nagel bräunlich. Treten lediglich braune Streifen auf, steckt meist ein Pilz dahinter, der Melanin produziert. Eine Rotfärbung der Nägel zeigt oft eine akute Entzündung an. Sie tritt zum Beispiel bei Lupus erythematodes, Erythema exsudativum multiforme oder Psoriasis auf. Ein roter oder dunkler Längsstreifen kann durch einen ­Tumor des Nagelbettes verursacht sein. Nagelhärter oder UV-Filter-haltige Nagel­lacke lösen häufig gelbliche Verfärbungen aus, können aber auch auf eine Nagelpilzerkrankung hinweisen.

Splitternde Nägel

Von Onychoschisis sprechen Mediziner, wenn ein Nagel vom freien Rand her schichtweise absplittert. Besonders trifft das Menschen, deren Nägel viel mit Feuchtigkeit in Kontakt kommen. Das konsequente Tragen von Schutzhandschuhen kann das Problem dauerhaft lösen. Begünstigt wird die Onychoschisis auch durch Vibration, etwa bei Berufspianisten, die häufige Verwendung von Nagellackentferner oder ­einen Eisen- und Calciummangel. Ähnliche Auslöser sind auch für die Onychor­rhexis verantwortlich, eine längs verlaufende Brüchigkeit, bei der die Nagel­oberfläche einreißt und splittert. Erkrankungen, die mit häufigem Kratzen einhergehen, können die Nageloberfläche ungewöhnlich glänzend oder auffallend stumpf erscheinen lassen. Der freie Nagelrand ist zudem oft abgenutzt. Auch verschiedene Berufsgruppen, vor allem Arbeitnehmer, die viel mit schweren Plastiksäcken umgehen, sind von diesem Problem betroffen.

Rillen, Furchen, Dellen

Eine feine, flache, parallel verlaufende Riffelung auf der Nageloberfläche kommt meist mit dem Älterwerden. Manchmal lässt sich der Zustand durch das Einreiben mit Olivenöl oder Massagen des Nagelwalls verbessern. Tiefe Rillen weisen auf eine lange dauernde Wachstumsverminderung hin. Die sogenannten Beau-Reil-Furchen verlaufen quer über den Nagel und betreffen alle Finger einer Hand. Sie kennzeichnen eine kurzzeitige Wachstums­störung, zum Beispiel durch fiebrige Erkrankungen oder Verletzungen. Hält die schädigende Wirkung länger als zwei Wochen an, kann sich der Nagel sogar ablösen, was Ärzte als Onychomadesis bezeichnen. Viele dicht nebeneinanderliegende Furchen entstehen, wenn die Nagelhaut aggressiv zurückgeschoben oder geschnitten wird. Auch die Anwendung eines Nagelhautentferners kommt als Ursache infrage.

Eine gewellte oder mit Grübchen versetzte Nageloberfläche spricht für eine fehlerhafte Nagelbildung in der Nagelwurzel. Die Ursache kann physiologisch oder berufsbedingt sein, das Zeichen einer Psoriasis oder eines Ekzems. Eine ursächliche Therapie hierfür existiert nicht. Es lässt sich lediglich der Auslöser meiden, soweit bekannt. Stören die Grübchen, können sie mit Schleif- oder Polierkissen geglättet werden.

Typisch für die sogenannten Löffelnägel sind weiche, nach innen eingedellte Nägel, die am freien Nagelrand splittern können. Löffelnägel gelten als Anzeichen eines ausgeprägten Eisenmangels, der therapiert werden muss. Aber auch der häufige, ungeschützte Kontakt mit Zement, Waschmitteln oder Chemikalien sowie das ständige Arbeiten in feuchtwarmem Milieu können­ zu dieser Verformung führen.

Schmerzhafte Probleme

Nagelbettentzündungen betreffen vor allem die Fingernägel und gehören zu den häufigsten Infektionen der Hand. Sie können auf den Nagelfalz begrenzt bleiben oder das gesamte Nagelbett betreffen. Ursache ist eine Unterbrechung der Barriere zwischen Nagel­platte und Nagelfalz, was das Eindringen von Bakterien ermöglicht. Meist entsteht sie durch Verletzungen, aggressive Nagelpflege oder Nagelbeißen sowie­ bei berufsbedingt stark beanspruchten Händen. Eine Nagelbettentzündung beginnt mit einer geröteten, druckempfindlichen Schwellung, die sich warm anfühlt und zunehmend Schmerzen verursacht. Warme, antiseptische Bäder und das Ruhigstellen des betroffenen Fingers lassen die Entzündung schnell ausheilen. Wird die Entzündung nicht rechtzeitig be­handelt, bilden sich Abszesse, die chirurg­isch entlastet werden müssen. Unbehandelt kann sich die Entzündung auf Knochen und Sehnen ausbreiten sowie Nagelverformungen und -ablösungen verursachen.

Eingewachsene Nägel hingegen finden sich fast immer am großen Zeh. Meist wächst einer der beiden seitlichen Nagelränder ein, manchmal sind es aber auch beide. Falsch sitzende, drückende Schuhe und rund geschnittene Nägel kommen als Hauptur­sachen infrage. Der eingewachsene Nagel macht sich mit Schmerzen bemerkbar, später kann sich außerdem der Nagelfalz röten und entzünden. Abhilfe schaffen sogenannte Nagelklammern, die an den Nagel angelegt werden und den seitlichen Nagelkanten das Auswachsen ermöglichen. Zusätzlich müssen die auslösenden Fakto­ren beseitigt werden. Bringt das Vorgehen keinen Erfolg, kann der Arzt den Nagel chirurgisch verkleinern. /