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Gesundheitsbewusstsein stärken

30.06.2017
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ABDA / Bundesweit betrachtet hat sich seit 2008 das Gesundheitsbewusstsein der Deutschen kaum verändert. Eine aktuelle repräsentative Umfrage zeigt jedoch: Es gibt große regionale Unterschiede und Veränderungen.

»In Hamburg und Schleswig-Holstein trinken doppelt so viele Menschen täglich­ Alkohol wie in Thüringen. In Nordrhein-Westfalen wird am häufigsten und in Hessen am wenigsten geraucht­. Die Brandenburger bewegen sich weniger, die Norddeutschen sind am sportlichsten«, sagte Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apotheker­verbände. Damit fasste er die Ergebnisse einer repräsentativen Meinungs­umfrage anlässlich des »Tags der Apotheke« am 7. Juni 2017 zusammen.

Das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft hatte dafür im Auftrag der ABDA insgesamt 3415 Bundesbürger ab 16 Jahren telefonisch befragt. Die Ergebnisse wurden nun mit einer weitgehend identischen Umfrage aus dem Jahr 2008 verglichen.

Die wichtigsten Aspekte der Prävention sind für die Bundesbürger nahezu unverändert: 87 Prozent aller Befragten gaben an, sich regelmäßig zu bewegen (Mehrfachnennungen möglich), 84  Prozent setzen auf gesunde Ernährung. Fast ebenso viele nennen wenig Alkohol (81 Prozent), Stressreduktion (74 Prozent) und Nichtrauchen (65 Prozent). Mit nur 17 Prozent abgeschlagen ist der Besuch von Präventionskursen. Deutlich ergaben sich aber regionale Unterschiede und Veränderungen.

Unterschiedliche Trends

Nach wie vor raucht jeder vierte Bundesbürger (28 Prozent). Am meisten gequalmt wird in Nordrhein-Westfalen (33 Prozent). In Hessen waren die Anti-Raucher-Kampagnen am erfolgreichsten: Hier reduzierte sich der Anteil­ der Raucher von 31 Prozent im Jahr 2008 auf aktuell 22 Prozent. Gegenläufig ist hingegen der Trend in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Hier rauchen heute mehr Menschen als vor neun Jahren (2008: 22 Prozent, 2017: 33 Prozent).

Bundesweit gaben 10 Prozent der Befragten an, täglich oder fast täglich­ Alkohol zu trinken. In Schleswig-­Holstein und Hamburg lag der Anteil bei 18 Prozent, in Bundesland Thüringen hingegen nur bei 8 Prozent.

26 Prozent der Bundesbürger gaben an, täglich oder fast täglich mindestens eine halbe Stunde Sport zu treiben. Am meisten Bewegung haben die Hamburger und Schleswig-Holsteiner (31 Prozent). In Brandenburg sind es dagegen nur 19 Prozent.

Apotheken stärker nutzen

Schmidt: »Insgesamt haben wir ein großes Gesundheitsbewusstsein in Deutschland. Aber wir verzeichnen keine­ dynamischen Verbesserungen. Ich glaube, wir könnten das ändern, wenn wir das Potenzial der Apotheken in der Vorsorge stärker nutzen würden. Sie sind flächendeckend vor Ort und haben jedes Jahr über eine Milliarde niedrigschwellige Patientenkontakte. Damit lässt sich gute Aufklärungs­arbeit leisten.« Die Umfrageergebnisse unterstreichen das. Jeder vierte Bundesbürger wünscht sich danach mehr Präventionsangebote von Apothekern. Besonders gefragt sind dabei Ange­bote zu Ernährung, Bewegung und zum richtigen Umgang mit Medikamenten. 74 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Vorsorgeangebote von Apotheken und sind auch bereit, dafür zu bezahlen. So gut wie alle (94 Prozent) wünschen sich aber eine Finanzierung der Vorsorgeangebote durch die Krankenkassen.

Schmidt zu diesen Umfrageergebnissen: »Wir können mehr tun, wenn die Rahmenbedingungen für Präven­tionsleistungen der Apotheken besser werden. Erstens brauchen wir eine saubere Rechtsgrundlage für Dienstleistungsverträge zwischen Apo­theken und Krankenkassen im SGB V. Zweitens gehören Apotheken als Leistungserbringer in den ›Leitfaden Prävention‹ der Krankenkassen. Und drittens muss die Vergütung von Präventionsleistungen geregelt werden.«

Deutlicher Imagegewinn

Schmidt schätzt das Vorsorge­potenzial der Apotheken auch deshalb hoch ein, weil die Umfrage hohe Vertrauens- und Zustimmungswerte in der Bevölkerung zeige: »Die Zufriedenheit mit dem Apothekensystem ist deutlich gestiegen. Im Jahr 2008 bewerteten 59 Prozent der Bundesbürger das Apothekensystem mit ›gut‹ oder ›sehr gut‹. Mittlerweile liegt dieser Wert bei 73 Prozent.« Besonders ausgeprägt sei der Imagegewinn bei Menschen bis 29 Jahren. Hier steigerte sich die Zustimmung von 55 Prozent auf 79 Prozent /