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Hilfsmittel zur Inhalation

Einfach besser durchatmen

02.07.2018
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Von Edith Schettler / Inhalationen dienen der lokalen Anwendung von festen oder flüssigen Arzneimitteln im Bronchopulmonal­raum. Dabei bestimmt die Teilchengröße, wo das Medikament wirkt: Kleine Teilchen dringen bis zu den Bronchiolen vor, größere gelangen nur bis in die oberen Atem­wege. Der richtigen Auswahl des Hilfsmittels zur Inhalation kommt deshalb eine große Bedeutung zu.

Die Luftwege bestehen aus zwei Etagen. Zu den oberen Atemwegen zählen die Mundhöhle und der Nasen-­Rachen-Raum mit der Nase, den Nasen­nebenhöhlen (Stirnhöhle, Kieferhöhlen, Keilbeinhöhle und Siebbeinzellen) und dem Rachen (Pharynx). Ihren unteren Abschluss bildet der Kehlkopf (Larynx). Alle diese Teile sind mit einer Schleimhaut, dem so genannten respiratorischen Epithel, ausgekleidete Hohlorgane und dienen dem Transport der Luft in die tieferen Abschnitte des Respirationstraktes. Sie nehmen die Atemluft auf, befeuchten, erwärmen und filtern sie.

Die unteren Atemwege beginnen am Larynx, an den sich die Luftröhre (Trachea) anschließt. Sie besteht aus Knorpelringen und Sehnen und gabelt sich in die beiden Hauptbronchien. Diese verzweigen sich jeweils weiter in kleinere Bronchien, die die fünf Lungenlappen durchziehen. Die Lappenbronchien bestehen ebenfalls aus Knorpelspangen, sind jedoch von einer Muskulatur umgeben und mit einem Flimmerepithel ausgekleidet. Mit der Verzweigung in die Bronchiolen verringert sich das Lumen der Atemwege weiter. Sobald es den Durchmesser von einem Millimeter unterschreitet, sind keine Knorpelanteile mehr vorhanden, die ein Kollabieren der Atemwege verhindern könnten. Auch die Anzahl von Schleim-bildenden Becherzellen wird geringer, so dass die Struktur der Bronchiolen überwiegend aus mit einschich­tigem Flimmerepithel überzogenen Muskelzellen besteht. Eine Konstrik­tion dieser Muskelzellen in den unteren Bronchialabschnitten äußert sich als Asthmaanfall mit akuter Atemnot. Die Bronchiolen enden in den Lungenbläschen (Alveolen), wo ihr Durchmesser nur noch 0,4 mm beträgt. Hier, an der Blut-Luft-Schranke, erfolgt der Gasaustausch zwischen dem Blut der Lungenkapillaren und der Alveolarluft. Die Alve­olen sind mit einem grenzflächenaktiven Film (Surfactant) überzogen, der aus einem Gemisch von Proteinen und Lipiden besteht. Das Surfactant setzt die Oberflächenspannung an den Alveolen herab und unterstützt damit die Atmung. Die Alveolen öffnen und schließen sich beim Ein- und Ausatmen, ihr Durchmesser schwankt dabei zwischen 0,25 und 0,05 mm.

Für die oberen Atemwege

Erkrankungen der oberen Atemwege machen sich in der Nase als Rhinitis, den Nebenhöhlen als akute oder chronische Sinusitis, im Rachen als Pharyngitis und im Kehlkopf als Laryngitis oder Pseudo-Krupp bemerkbar. Neben anderen Maßnah­men haben Inhalationen einen festen Platz in der Therapie dieser Erkran­kungen. Die Teilchengröße der Inha­late muss oberhalb von 10 Mikrometern liegen, damit sie nicht in die tieferen Luftwege wandern.

Das bekannteste Hilfsmittel ist der Dampfinhalator zur Anwendung ätherischer Öle bei Beschwerden in Nase und Rachen (wie Wick® Dampf-Inhalator W1300). Kamillen-, Eukalyptus-, Fichtennadel- oder Latschenkiefernöl haben die Eigenschaft, sich an Wassermoleküle anzuheften und mit ihnen gemeinsam in die Dampfphase überzugehen. Die dabei entstehenden Tröpfchen haben eine Größe von etwa 15 μm. Diese als Wasserdampfflüchtigkeit bezeichnete Eigenschaft aller ätherischen Öle ist die Grundlage für die Wirkung des Dampfinhalators. Ein meist doppelwandiges Unterteil wird mit Wasser gefüllt, dessen Temperatur nicht höher als 60 °C sein sollte, um ein frühzeitiges Entweichen der ätherischen Öle zu verhindern. Dazu gibt man wenige Tropfen des Öles (zum Beispiel Babix® oder Sanopin®), setzt das Oberteil auf und inhaliert über die für Mund und Nase angebrachte Ausformung. Soll die Nase behandelt werden, atmet der Patient auch über die Nase ein. Bei einer beabsichtigten Behandlung des Rachens darf die Einatmung nicht durch die Nase erfolgen, weil die Zilien sonst bereits den größten Teil der Wirkstoffe absorbieren. Eltern sollten daran denken, Kleinkinder wegen der Verbrühungsgefahr zu beaufsichtigen. Öle mit einem Anteil von Menthol (in Pfefferminzöl) oder Campher sind für Kinder unter vier Jahren wegen der Gefahr eines Glottiskrampfes oder reflektorischen Bronchospasmus nicht geeignet. Auch Eukalyptus-, Rosmarin- und Salbeiöl sollten wegen ihres Ketongehaltes (vor allem Thujon) bei Kleinkindern nur sehr vorsichtig dosiert werden, am besten nicht in Form einer direkten Inhalation, sondern entweder durch Auftragen einer Erkältungssalbe auf den Rücken oder durch indirekte Inhalation über die Raumluft.

Neben dem Dampf-Inhalator können noch weitere, weniger bekannte Geräte für die Inhalation von ätherischen Ölen verwendet werden, so zum Beispiel der Kaltinhalator Nascondo®. In ein kleines gewundenes Glasrohr, das an eine Wasserpfeife erin­nert, wird das Öl ohne weitere Zusätze eingefüllt und mit der Handwärme verdunstet. Die HICO®-Climamaske erzeugt in einem Handgerät wahlweise trockene oder feuchte Luft zwischen 40 und 65 °C und erlaubt den Zusatz ätherischer Öle.

Mit Druckluft oder Ultraschall

Sitzen die Beschwerden tiefer in den oberen Atemwegen, können auch elektrische Geräte wie PARI®XLent oder PARI®SINUS zur Inhalation genutzt werden. PARI®XLent erzeugt mit einem Kompressor Druckluft, die das Inhalat im Medikamentenbecher in Teilchen mit einem Durchmesser von etwa 5 μm zerstäubt. Diese gelangen nicht weiter als bis zum Larynx, weshalb sich das Gerät gut zur Behandlung des Krupp-Syndroms bei Kindern und bei einer Pharyngitis oder Laryngitis bei Kindern und Erwachsenen eignet. Zur Behandlung einer akuten oder chronischen Sinu­sitis ist ein Gerät wie PARI®SINUS vorgesehen. Das vom Kompressor erzeugte pulsierende Aerosol atmet der Patient über die Nase ein, wofür er einen besonderen Nasenadapter verwendet. Das Gerät ist für Kinder ab sechs Jahre geeignet.

Teilchen mit einem Durchmesser zwischen 1 und 5 μm gelangen bis in die Bronchien und Alveolen. Größere Partikel setzen sich im Mund-Rachen-Raum ab, kleinere werden mit der Atemluft wieder ausgeatmet. Kompressor-Inhalatoren zur Anwendung bei Erkrankungen der unteren Atemwege erzeugen deshalb Aerosole, deren Teilchengröße in diesem Bereich liegt. Die größte Gerätevielfalt findet man bei den Marktführern PARI und Omron, doch auch die Firmen Beurer und Scala bringen gute Geräte auf den Markt. Die Arbeitsweise aller dieser Inhala­toren ist gleich: Die vom Kompressor erzeugte Druckluft leitet ein Schlauch an den Vernebler weiter, in den der Patient das Inhalat einfüllt. Über ein Mundstück oder eine Mundmaske inhaliert er das im Vernebler erzeugte Aerosol. Für Kinder gibt es kleinere Mundmasken mit Nasenklemmen, die das Atmen über die Nase verhindern. Als Inhalate sind Arzneistofflösungen oder -suspensionen geeignet, beispielsweise isoto­nische Kochsalzlösung, Ambroxollösung oder, auf ärztliche Verordnung, Corticoide. Ätherische Öle gehören nicht in einen Kompressor-Inhalator, sie verkleben die Düsen im Medikamentenbecher.

Ultraschall-Inhalatoren wie multisonic® InfraControl oder Beurer® IH40 erzeugen Schwingungen im Ultraschall-Bereich mit Hilfe eines Piezo-Kristalls. Diese hochfrequenten Schwingungen werden auf das Inhalat im Medikamentenbecher übertragen, aus dem sich energiereiche Teilchen lösen und als Aerosol eingeatmet werden können. Die Teilchengröße liegt unter 10 μm. Ultraschall-Inhalatoren sind im Vergleich zu den Kompressor-Inhalatoren sehr leise und kompakt und eignen sich gut zum Mitnehmen auf Reisen. Ihr Hauptanwendungsgebiet liegt in der Behandlung der chronisch-obstruktiven Pulmonalerkrankung (COPD) und der Mukoviszidose.

Elektronische Vernebler wie eFlow® rapid oder Geratherm® micromesh nutzen die Energie einer konstant mit 117 kHz schwingenden perforierten Metallmembran und sind damit nahezu geräuschlos. Sie erzeugen Teilchen mit einer mittleren Größe von 5 μm und haben eine hohe Verneblungsleistung, so dass die Inhalationszeiten nur etwa halb so lang wie bei den Kompressor-Inhalatoren sind. Das macht sie ideal zur Anwendung bei Kindern.

Vereinfachte Handhabung

Die am häufigsten praktizierte Form der Inhalation zur Behandlung der unteren Atemwege ist die Anwendung von Dosieraerosolen. Nicht jeder Patient kommt jedoch mit diesen Arzneimitteln gut zurecht. Für Säuglinge, Rheumatiker und Patienten mit Koordinationsschwierigkeiten wie Morbus Parkinson oder Demenz sind sie sogar meist ungeeignet. Gibt es für diesen Personenkreis jedoch keine andere Möglichkeit, spezielle Arzneistoffe zu inhalieren, kann ein Spacer wie zum Beispiel Volumatic® gute Dienste leisten. Diese Inhalationshilfen erleichtern die Handhabung der Dosieraerosole, indem die notwendige Koordination zwischen Einatmung und Auslösen des Sprühstoßes entfällt. Nach einer Vorbereitung des Spacers mit zwei Sprühstößen aus dem Dosieraerosol wird er nochmals kurz belüftet. Damit stellt der Patient sicher, dass das Innere der Inhalierkammer frei von Aerosol ist, die Wände des Kunststoffbehälters aber bereits so viel Wirkstoff adhäsiv gebunden haben, dass ein dritter Sprühstoß den Spacer ohne Verluste ausfüllt. Diesen dritten Sprühstoß oder noch weitere, wenn verordnet, gibt der Patient nun in die Inhalierkammer und kann ihn mit mehreren Atemzügen aus dem Spacer einatmen. Dabei sollte er darauf achten, über den Mund aus dem Spacer einzuatmen und nach einer kleinen Pause über die Nase in die Raumluft auszuatmen. Beim Ausatmen in die Kammer würde die feuchte Ausatemluft dazu führen, dass sich der Arzneistoff an die Wassertröpfchen anheftet und zu Boden sinkt. Für Säuglinge und Personen, denen diese Technik der Atmung schwer fällt, hat der Babyhaler® eine separate Vorkammer und ein Ventilsystem, das sicherstellt, dass die Ausatemluft nicht in den Spacer gelangt. Dem Patienten ist es so möglich, mit dem Spacer über den Mund ein- und auszuatmen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Bioverfügbarkeit des Wirkstoffes im Vergleich zum Dosier­aerosol bei Verwendung eines Spacers von 10 bis 15 auf 20 Prozent verbessert. Durch den Wegfall des direkten Aufpralls des Sprühstoßes auf die Rachenwand erhöht sich nicht nur die Bioverfüg­barkeit, sondern es treten auch weniger lokale Nebenwirkungen wie Xerostomie, Schleimhautreizungen und Mundsoor auf.

Die Effektivität der Behandlung von Erkrankungen der unteren Atemwege kann über eine Kontrolle des Atemvolumens erfolgen. Ein handliches und recht einfaches Gerät, das der Asthma- oder COPD-Patient gut zu Hause benutzen kann und auch sollte, ist das Peak-Flow-Meter, zum Beispiel Omron® PFM20. Der Peak Flow ist die maximale Ausatmungsgeschwindigkeit und lässt Rückschlüsse auf die Lungenfunktion zu. Je verengter die Atemwege, umso niedriger fällt der Messwert aus.

Der Patient ermittelt mit dem Gerät zunächst seinen persönlichen Bestwert an einem Tag, an dem er sich wohlfühlt. Dazu pustet er dreimal hinter­einander mit kleinen Pausen da­zwischen kräftig in das Gerät hinein, so als wollte er die Kerzen auf einer Geburts­tagstorte ausblasen. Der Atem­stoß bewegt einen­ Zeiger auf einer Skala nach vorn, und der Patient notiert sich den höchsten Wert. Dieser persönliche Bestwert gilt als Bezugsgröße mit 100 Prozent. Zwei- bis dreimal­ täglich sollte der Pa­tient sein Atemvolumen auf die gleiche Art überprüfen. Misst er einen Wert, der zwischen 80 und 100 Prozent seines­ Bestwertes liegt, gilt er als gut eingestellt. Liegt sein aktueller Messwert zwischen 50 und 80 Prozent, zeigt das eine Verengung der Bronchien an. In diesem Fall sollte er kurzfristig mit seinem Arzt über eine Anpassung der Medikation sprechen. Liegt der Wert unter 50 Prozent, sollte er sein Notfallmedikament benutzen und umgehend einen Arzt aufsuchen. Die meisten Peak-Flow-Meter­ haben mit den Ampelfarben versehene Aufkleber oder Clips, die der Patient an die Skala kleben­ oder klemmen­ kann. So muss er nicht jedes Mal seinen Messwert mit dem Bestwert vergleichen und kann auf einen­ Blick erkennen, ob er noch im »grünen« oder gar im »roten« Bereich liegt. /