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Hautentzündungen

Rasche Hilfe, wenn es brennt und juckt

27.09.2013
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Von Andrea Gerdemann / Ausgelöst werden Entzündungen der Haut durch unterschiedliche Noxen, zum Beispiel Insekten­stiche, Verbrennungen oder Sonnenbrand. Zur Behandlung leichter Entzündungen steht eine reichhaltige Auswahl an Präparaten zur Verfügung. PTA oder Apotheker helfen dem Patienten in der Beratung, das richtige Präparat für sein Hautproblem zu finden.

Unabhängig vom Auslöser gehen alle entzündlichen Veränderungen der Haut mit typischen Symptomen einher. Hierzu gehören

  • Rötung (Rubor)
  • Erwärmung beziehungsweise Hitze (Calor)
  • Schwellung (Tumor)
  • Funktionsverlust oder -störung der betroffenen Hautstelle
  • eventuell Schmerzen (Dolor).

Abhängig vom Enzündungsgrad der Haut kommen neben den charakteris­tischen Beschwerden häufig weitere begleitende Symptome hinzu, beispielsweise Juckreiz, Schleimhautveränderungen, Kopf-, Gelenk- oder Muskelschmerzen. Bei manchen Patienten schwellen die Lymphknoten an, andere entwickeln Fieber oder Schüttelfrost. Viele Betroffene klagen über Müdigkeit, fühlen sich abgeschlagen und matt. Schildert der Patient in der Apotheke die genannten Begleitsymptome, sollte er einen Arzt, am besten einen Dermatologen aufsuchen.

Jede Entzündung führt zu einer Aktivierung der Leukozyten. In der Folge wird die entzündete Hautstelle stärker durchblutet und weitere weiße Blutkörperchen werden angelockt. Die Leukozyten beseitigen (phagozytieren) vorliegende Fremdkörper und nicht mehr intakte Zellen. In manchen Fällen entsteht dabei Eiter.

Akute Entzündungen klingen meist innerhalb einiger Tage wieder ab. Die Betroffenen können sie in der Regel unter Beratung von PTA oder Apotheker selbst behandeln. Entwickelt sich die Dermatitis jedoch zu einer chronischen Entzündung oder kehrt sie regelmäßig wieder, sollten die Patienten die Ursachen von einem Arzt abklären lassen.

Insektenstich sofort kühlen

Nach einem Insektenstich ist es sinnvoll, die Stelle sofort zu kühlen, aber nicht zu stark, beispielsweise durch Auflegen eines Kühlakkus auf die Haut. Eine Unterkühlung führt dazu, dass die Hautstelle anschließend vermehrt durchblutet wird. Das verstärkt die Symptome der Entzündung eher, statt sie zu lindern. Damit sich die Einstichstelle nicht infiziert, darf der Stich keinesfalls aufgekratzt werden, auch, wenn er juckt. Gegen den Juckreiz und auch gegen die Schwellung helfen Cremes und Gele mit Antihistaminika, zum Beispiel Bamipin oder Dimetinden. Indem die Wirkstoffe die Histaminrezeptoren blockieren, wirken sie abschwellend und sorgen für eine rasche Linderung des Juckreizes. Die Cremes und Gele eignen sich für die ganze Familie, auch für Kleinkinder. Der Vorteil eines Gels: Es wirkt gleichzeitig kühlend. Homöopathisch zusammengesetzte Gels oder Salben enthalten beispielsweise Arnica und Kleine Brennessel. Anthroposophen empfehlen bei Hautentzündungen und Ekzemen ein- bis dreimal täglich fünf Globuli mit Calcium carbonicum und Cortex Quercus in der Potenz D6 einzunehmen.

Bei Roll-ons oder Stiften, die als Medizin­produkte angeboten werden, steht der kühlende Effekt im Vordergrund. Reicht die Wirkung eines lokalen Antihistaminikums nicht aus, können PTA oder Apotheker auch kurzfristig eine corticoidhaltige Creme oder ein Spray empfehlen, die bis 0,5 Prozent Hydrocortison enthalten. Eine Übersicht über die Wirkstoffe und deren Besonderheiten gibt die Tabelle .

Schwillt die Hautstelle stark an, schmerzt sie heftig oder treten Allgemein­symptome wie Atemnot, Übelkeit, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Schwindel auf, kann das auf einen anaphylaktischen Schock hinweisen. In diesem Fall ist sofort der Notarzt zu rufen, da ein anaphylaktischer Schock lebensbedrohlich ist. Bis zum Eintreffen des Arztes sollte der Patient liegen und die Beine um 30 Grad hochlagern. Bei Bewusstlosigkeit ist der Betroffene in die stabile Seitenlage zu bringen.

Schnelles Handeln gefragt

Ein kurzer unachtsamer Moment führt im Alltag schnell zu einer Verbrennung: Das Kind fasst auf die heiße Herdplatte, eine Tasse Tee fällt um, beim Braten spritzt Fett aus der Pfanne. Verbrennungen werden in drei Schweregrade unterteilt. Bei Schweregrad 1 ist nur die Epidermis geschädigt. Als Folge rötet sich die Haut, schwillt an und schmerzt oder juckt. Schweregrad 2 betrifft Epidermis und Dermis. Es bilden sich Blasen und die Schmerzen sind relativ stark. Bei Verbrennungen des Schweregrades 3 wurden Dermis und Subkutis geschädigt, in der Regel entstehen schwarz-weiße Nekrosen, die nicht schmerzen, da die Nerven­endigungen durch die Verbrennung zerstört wurden.

Wichtig bei allen Verbrennungen und Verbrühungen ist schnelles Handeln. Die betroffene Stelle sollte etwa 15 Minuten unter fließendem Wasser gekühlt werden. Ebenso wie bei den Insektenstichen darf auch in diesem Fall das Wasser nicht zu kalt sein, da sonst die Haut noch mehr geschädigt wird. Verbrennungen mit nur leicht geröteter Haut können selbst behandet werden. Ist die Fläche allerdings größer als eine Hand, muss der Betroffene einen Arzt aufsuchen.

Wer die Sonne unterschätzt hat oder sich zu spät eincremt, entdeckt meist abends beim Zubettgehen gerötete Stellen, die spannen, brennen, jucken und eventuell auch schmerzen. Diese ersten Symptome treten in der Regel vier bis acht Stunden nach dem Sonnenbad auf, ihren Höhepunkt erreichen die Beschwerden nach 24 bis 36 Stunden.

Bekanntermaßen erhöht jeder Sonnenbrand, vor allem im Kindesalter, die Wahrscheinlichkeit, später an Hautkrebs zu erkranken. Darüber hinaus lassen Sonnenbrände die Haut schneller altern; sie fördern Falten und Altersflecken. Führt der Sonnenbrand zu Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Kreislaufproblemen und Übelkeit, deutet dies auf einen Hitzschlag hin. Dann muss der Betreffende einen Arzt konsultieren.

Da Sonnenbrände häufig ein größeres Hautareal betreffen, eignen sich hier kühlende Umschläge sowie »After-Sun«-Präparate mit kühlenden und feuchtigkeitsspendenen Substanzen wie Aloe, Dexpanthenol, Hamamelis und weiteren hautberuhigenden und antientzündlichen Wirkstoffen. Um Juckreiz zu lindern, sollten PTA und Apotheker ein Gel empfehlen, da es gleichzeitig einen kühlenden Effekt hat. Als Wirkstoff kommen ein Antihistaminikum oder Hydrocortison in Frage.

Anthroposophen setzen auch bei Sonnenbrand vor allem Arnika und Kleine Brennnessel ein. Verwendet werden die Darreichungsformen Gel, Salbe oder Lösung für Umschläge.

Juckreiz bekämpfen

Ekzeme sind entzündliche Hautveränderungen mit verschiedenen Ursachen und Erscheinungsformen. Die meisten Ekzeme haben einen Durchmesser von mehr als 1 Zentimeter und durchlaufen verschiedene Entwicklungsstadien: Während sie zu Beginn rötlich aussehen und scharf abgegrenzt sind, kommen nach einiger Zeit oft juckende Bläschen oder Knötchen hinzu. Wegen des Juckreizes kratzen die Betroffenen die Hautstellen häufig auf. Dadurch entstehen Krusten, die bei der Abheilung meist schuppen.

Ekzeme sind ein Symptom, keine Erkrankung. Charakteristisch sind sie beispielsweise für die Neurodermitis, auch atopisches Ekzem genannt, für das seborrhoische Ekzem, das in der Regel auf der Kopfhaut auftritt, sowie für das allergische Kontaktekzem, bei dem Antigene die Überempfindlichkeit der Haut verursachen. Entsteht ein Ekzem zum ersten Mal, sollte der Patient den Arzt aufsuchen. Nur dieser kann die verschiedenen Formen des Ekzems sicher unterscheiden.

Die Patienten möchten vor allen Dingen den Juckreiz in den Griff bekommen. Das verhindert ein Aufkratzen der Ekzeme, die den Abheilungsprozess verlängern, und reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass Keime in die Wunde eindringen oder sich Narben bilden. Für trockene und intakte Haut am besten geeignet sind äußerlich anzuwendende Präparate, zum Beispiel mit lokalanästhetisch wirkendem Polidocanol oder synthetischen Gerbstoffen.

Schnelle Hilfe

Bei nässenden Hautstellen helfen feuchte, kühlende Umschläge, die mit synthetischen Gerbstoffen oder auch schwarzem Tee getränkt sind. Die Umschläge müssen etwa 20 Minuten auf der betroffenen Hautstelle verbleiben.

Reicht das noch nicht, haben sich fett-feuchte Umschläge bewährt: Diese werden aus zwei Schlauchverbänden gefertigt, die in passende Stücke geschnitten übereinander gelegt werden. Der untere wird mit handwarmen Wasser angefeuchtet und über die betroffenen Hautstelle gezogen, auf die zuvor eine rückfettende Basiscreme (zum Beispiel Linola® Fett Creme, Asche Basis® Fettsalbe oder Excipial® Lipocreme) aufgetragen wurde. Der zweite, trockene Verband deckt dann den ersten ab. Beide können etwa sechs Stunden auf der betroffenen Stelle verbleiben und dann erneuert werden. Nach drei Stunden empfiehlt es sich, den unteren der beiden Verbände erneut mit handwarmem Wasser anzufeuchten.

Noch ein Tipp für diejenigen, die sich immer wieder kratzen: Statt die Haut direkt mit den Nägeln zu »kratzen«, die Haut nur kneten, drücken oder mit der flachen Hand reiben. Insbesondere bei Kindern hilft es, diese mit manuellen Tätigkeiten wie Kneten oder Basteln abzulenken. Der Handel bietet auch »Kratzhilfen« wie Rollen mit Noppen an, die man über die juckenden Stellen reiben kann, ohne sich zu verletzen.

Führen alle diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Effekt, sind Zubereitungen mit maximal 0,5 Prozent Hydrocortison eine Alternative. PTA oder Apotheker sollten die Patienten darauf hinweisen, dass sie diese Präparate in der Selbstmedikation nur kurzfristig anwenden und bei ausbleibender Wirkung einen Arzt aufsuchen.

Manchen Patienten helfen bei akutem Juckreiz nur systemisch wirkende Antihistaminika wie beispielsweise Dimetinden. Dieses Antihistaminikum der ersten Generation macht außerdem müde, was bei nächtlichem Juckreiz sehr erwünscht sein kann. Die rezeptfreien Antihistaminika ohne ermüdende Nebenwirkung wie Cetirizin oder Loratadin sind nur zur Behandlung der allergischen Rhinitis sowie der Urtikaria zugelassen. /

Ausgewählte Wirkstoffe bei entzündlichen Hautveränderungen

Wirkstoff Anwendungsempfehlung Produktbeispiele Hinweise
Bamipin Mehrmals täglich dünn auftragen Soventol® Nicht bei nässenden akuten Ekzemen
Dimetinden Dreimal täglich dünn auf­tragen Fenistil® Nicht bei geschädigter Haut
Chlorphenoxamin Mehrmals täglich auftragen Systral®
Hydrocortison Zwei- bis dreimal täglich dünn auftragen Soventol® Hydocort, Fenistil® Hydrocort, Systral® Hydrocort, Linola® Akut 0,5%, Ebenol® Generika Hautinfektionen gesondert behandeln, Vorsicht bei Kindern, älteren Menschen und Anwendung im Augenbereich, keine Selbstmedikaton bei Kindern < 6 J.
Benzalkoniumchlorid-Lsg., Carbomer Mehrmals täglich dünn auftragen Fenistil® Kühl Roll-on
Alkohol denat., Menthol, Panthenol, Aloe Barbadensis Mehrmals täglich punktuell auftragen Soventol® Stift Bei Kindern < 2 Jahren nicht am Hals oder im Gesicht anwenden, nicht in der Nähe der Augen anwenden
Polidocanol 400 (Lauromacrogol 400) Ein- bis dreimal täglich dünn auftragen Anaesthesulf® Lotio Pruriderm® Lotio Vor Gebrauch schütteln, nicht in die Augen bringen
Synth. Gerbstoffe (Phenol-Methanal-Harnstoff-Polykondensat) Ein- bis dreimal täglich dünn auftragen, Badezusatz für Voll-, Teil-, Sitzbäder und Umschläge Tannosynt®, Tannolact®, Delagil® Keine Anwendung am Auge Lotio: vor Gebrauch schütteln
Ger. Wasser, Glycerol 85%, Harnstoff, Na-dihydrogenphosphat, Na-monohydrogenphosphat, Na-alginat Mehrmals täglich in dünner Schicht auf­tragen Brand- und Wundgel Medice® Harnstoff kann nässende und entzündete Hautstellen reizen
Homöopathische Kombination aus Argentum Coll., Arnica mon., Calendulam off., Cantharis, Symphytum off., Thuja occ., Urtica u. Messerrückendick auftragen und feucht halten Wund- und Brandgel® Wala

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andrea(at)gerdemann.info