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Ophthalmologika

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16.09.2014
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Von Susanne Poth / Ein Termin beim Augenarzt ist oft mit einer langen Wartezeit verbunden. Daher fragen viele Patienten bei akuten Beschwerden am Auge erst einmal in der Apotheke um Rat. Hier müssen PTA und Apotheker entscheiden, wann die Grenzen der Selbstmedikation erreicht sind.

Im Unterschied zu den meisten anderen Organe haben die Augen direkten Kontakt mit der Außenwelt. Deshalb ist die Gefahr der Kontamination mit Keimen besonders groß. Diese Tatsache gilt es, im Alltag und beim Umgang mit Opthalmologika zu berücksichtigen.

»Generell gilt, dass Kinder und Jugendliche, die Probleme am Auge haben, immer zum Arzt gehen sollten«, empfiehlt die Ophthalmologin Dr. Monica Lang, Oberärztin in der Klinik für Augenheilkunde am Klinikum Darmstadt. »Erwachsene können hingegen bei brennenden, juckenden oder leicht geröteten Augen ruhig zwei bis drei Tage abwarten.« Meist besserten sich die Beschwerden dann wieder. »Anders ist es, wenn Schmerzen am Auge auftreten oder bei Funktionsverlust des Auges, also wenn der Betroffene plötzlich schlecht oder doppelt sieht. Dann sollte der Augenarzt umgehend aufgesucht werden«, rät Lang.

Zu wenig Tränenflüssigkeit

Die meisten Menschen, die wegen Augenbeschwerden den Augenarzt oder die Apotheke aufsuchen, haben Probleme mit trockenen Augen. »Der Patient hat dann das typische Fremdkörpergefühl durch den Mangel an Tränenflüssigkeit«, weiß Lang. »Das führt schnell zu roten Augen und kann dauerhaft zu Schäden an der Hornhaut führen.« Das sogenannte Sicca-Syndrom tritt heute verstärkt auf, da viele Räume im Sommer klimatisiert und im Winter überheizt sind. Aber auch draußen an der frischen Luft können Sonne und starker Wind dafür sorgen, dass die Tränenflüssigkeit schneller verdunstet und die Bindehaut austrocknet.

Ein weiterer Grund ist, dass die Produktion der Tränenflüssigkeit nachlässt. Das ist bei den meisten älteren Menschen der Fall. Frauen sind durch die Hormonveränderung in den Wechseljahren besonders stark betroffen. Nicht selten ist das Sicca-Syndrom die Begleiterscheinung einer Erkrankung wie Diabetes mellitus, Funktions­störungen der Schilddrüse und rheumatischen Erkrankungen. Oder es tritt als Nebenwirkung von Medikamenten auf, beispielsweise bei Betablockern, hormonellen Kontrazeptiva oder Antidepressiva. PTA oder Apotheker könnten bereits bei der Abgabe eines dieser Medikamente auf diese Nebenwirkung hinweisen, damit der Patient die Beschwerden richtig einordnen und ihnen rechtzeitig entgegenwirken kann. An diesen Zusammenhang sollten sie auch denken, wenn ein Kunde sie nach einem Präparat gegen trockene Augen fragt. Eine dritte Variante, die zum Sicca-Syndrom führt, ist der Effekt, dass der Lidschlag die Tränenflüssigkeit unzureichend auf dem Auge verteilt. Das ist beispielsweise der Fall, wenn jemand am Arbeitsplatz stundenlang konzentriert auf den Computerbildschirm starrt.

Erst den Arzt konsultieren

Mit künstlichem Tränenersatz lässt sich das Problem des Trockenen Auges weitestgehend in den Griff bekommen. Auch wenn die Präparate in der Apotheke rezeptfrei zu kaufen sind, sollte der Betroffene vorab den Augenarzt aufsuchen. Nur dieser kann entscheiden, ob die rein symptomatische Therapie mit künstlichen Tränen ausreicht.

Die Wahl des Präparates richtet sich nach dem Grad der Beschwerden: Leichte Trockenheit wird durch wäss­rige Lösungen mit synthetischen Polymeren wie Polyvinylpyrrolidon gelindert, stärkere Probleme erfordern Filmbildner mit Cellulosederivaten wie Hypromellose oder Carbomer. Bei starker Augentrockenheit helfen höherviskose Hyaluronsäure-Präparate.

Auch Zusätze von Lipiden oder Phospholipiden, die die natürliche Lipidschicht des Tränenfilms imitieren, sind sinnvoll und bringen bei entzündeten Lidrändern einen zusätzlichen Nutzen. Präparate mit Phospholipid-Liposomen können direkt auf die geschlossenen Augen gesprüht werden, denn sie wandern durchs Lid, integrieren sich in den Tränenfilm und stabilisieren ihn so.

Augentropfen gegen das Sicca-Syndrom sollten keine Konservierungs­mittel enthalten, da diese das Auge zusätzlich reizen und bei dauerhaftem Einsatz das Hornhautepithel schädigen können. Konservierungsmittelfrei sind Einzeldosis- und Mehrdosis-Ophthiolen, bei denen eine spezielle Pumpe verhindert, dass Keime in den Behälter eindringen. Alpha-Sympathomimetika sind beim Sicca-Syndrom kontraindiziert. »Ihre vasokonstriktive Wirkung verstärkt im Grunde die Problematik des Trockenen Auges«, erklärt dazu die Augenärztin. »Diese Präparate ziehen die Blutgefäße zusammen und so wird das Auge noch schlechter mit Sauerstoff versorgt.«

Akute Reizung

Unspezifische Reizungen der Bindehaut können, sofern sie nicht auf mangelnder Tränenflüssigkeit beruhen, lokal mit einem Alpha-Sympathomimetikum behandelt werden. Bessern sich die Beschwerden nicht, sollte der Patient die Ursache von einem Augenarzt abklären lassen. Bei akuter Reizung, beispielsweise durch Sonne oder Wind, kann sich der Zusatz von Euphrasia beruhigend aufs Auge auswirken.

Ist die Augenreizung allergisch bedingt, helfen Antihistaminika wie Azelastin oder Levocabastin und Mastzellstabilisatoren wie Chromoglicinsäure oder Nedocromil. Auch alpha-Sympathomimetika wie Tetryzolin, Naphazolin oder Xylometazolin lindern Juckreiz und Brennen. Der Patient sollte diese Präparate nur kurzfristig anwenden, alpha-Sympathomimetika am besten nur ein, maximal zwei Tage. Bei sehr starken Beschwerden verordnet der Arzt meist ein Glucocorticoid-haltiges Ophthalmikum.

Virale Infekte

Der Übergang vom trockenen Auge hin zur Konjunktivitis ist oft fließend. Da der Tränenfilm fehlt, der beim gesunden Auge Fremdkörper wegschwemmt, können auf der Bindehaut kleine Schädigungen entstehen, in denen sich Keime ansiedeln können. »Meist ist die Bindehautinfektion mit Schmerzen verbunden und Sekret verklebt das Auge«, erklärt Lang. Bei Erwachsenen lösen am häufigsten Viren die Infek­tionen aus, dann ist das Sekret meist weiß. »Gelbliche und grünliche Verfärbung weisen in der Regel auf bakte­rielle Auslöser hin«, klärt die Oberärztin auf. Bei diesen Symptomen verbietet sich eine Selbstmedikation. Hier muss der Arzt nach der Diagnose mit der Spaltlampe entscheiden, ob der Einsatz eines Antibiotikums erforderlich ist.

Angebrochene Augentropfen sind nur begrenzt haltbar. Wird diese Frist nicht beachtet, können die kontaminierten Augentropfen das Auge immer wieder infizieren. Doch Vorsicht, warnt Lang, hat der Patient mit dem Fläschchen den Lidrand berührt, kann sich die Haltbarkeit drastisch verkürzen. »Das macht sich meist dadurch bemerkbar, dass die Augentropfen beim Einbringen ungewohnt stark brennen.«

Spezialfall: Gerstenkorn

Ein Gerstenkorn weist auf eine bakterielle Infektion der Liddrüse hin. Dabei schwillt der Lidrand eines Auges an und schmerzt. Oft entsteht eine korngroße Eiteransammlung. Auslöser sind Bakterien wie Staphylococcus aureus, die zur normalen Hautflora gehören. Dass diese plötzlich zu einem Gerstenkorn führen, hängt oft mit einem geschwächten Immunsystem zusammen. Auch eine verstopfte Augendrüse kann für den geeigneten Nährboden sorgen, sodass sich die Bakterien stark vermehren und eine Infektion auslösen.

Das Gerstenkorn ist in der Regel eine harmlose Infektion, die unbehandelt nach wenigen Tagen abklingt. In der Regel öffnet es sich von selbst, keinesfalls darf das Gerstenkorn ausgedrückt oder aufgestochen werden. Trockene Wärme, zum Beispiel Rotlicht, fördert die Reifung des Gerstenkorns. Feuchte Wärme, beispielsweise durch Kompressen, hingegen weicht die Lidhaut auf und kann zur Verbreitung der Bakterien führen. In seltenen Fällen ist der Einsatz von Antibiotika-haltigen Salben notwendig. Gegebenenfalls öffnet der Augenarzt das Korn durch einen Einstich.

Strikte Hygiene bei Kontakt­linsen

Viele Kontaktlinsenträger leiden unter trockenen Augen – mit fatalen Folgen. Die Linsen scheuern auf dem Auge und die Bindehaut entzündet sich. Lässt sich die Augentrockenheit durch künstliche Tränen nicht ausreichend beheben, sollten Betroffene häufiger zur Brille greifen.

»Wer Kontaktlinsen trägt«, so die Augenärztin, »muss sich einfach an bestimmte Spielregeln halten, dann gibt es selten Probleme.« Dazu gehört in erster Linien die sorgfältige Hygiene. Bevor Kontaktlinsenträger mit der Linse hantieren, müssen sie immer die Hände gründlich waschen. Auch müssen sie die geeigneten Pflegemittel benutzen. »Hier wird oft am falschen Ende gespart«, beobachtet Lang. Mal eben die Linse unter Leitungswasser abspülen oder mit Spucke anfeuchten – das sind absolute Tabus. »Immer wieder stellen sich in der Klinik insbesondere junge Kontaktlinsenträger mit schlimmen Hornhautgeschwüren vor«, weiß die Darmstädter Augenspezialistin. Als Auslöser für sehr schwere Hornhautinfektionen nennt Lang Akanth­amöben. Diese Amöbenart kommt beispielsweise im Trinkwasser oder in verkeimten Kontaktlinsenbehältern vor. Durch minimale Schäden in der Horn­haut­ober­fläche dringen die Krankheitserreger in das Auge ein. Bei einer solchen Infektion treten starke Schmerzen auf, die Tränen fließen und das Sehvermögen ist beeinträchtigt. Dann muss schnell gehandelt werden, sonst kann das Hornhautulkus zur Erblindung führen. »Oft bleibt eine Narbe zurück, die die Hornhaut eintrübt und je nach Größe und Lage eine Hornhauttransplantation erforderlich macht«, so die Erfahrung der Augenärztin. Und noch etwas beobachtet sie im Klinikalltag: »Es treten zunehmend Probleme mit schlecht angepassten Kontaktlinsen auf.« Lang führt dies darauf zurück, dass immer mehr Kontaktlinsenträger ihre Sehhilfen im Internet ordern. Kontaktlinsen haben jedoch unterschiedliche Radien und Wölbungen. Passen diese nicht genau zum Auge, treten Reibungen auf. Ihr Tipp: Kontaktlinsen stets vom Augenarzt oder spezialisierten Optiker anpassen lassen.

Empfehlung zur korrekten Anwendung von Augenarzneien

  • Vor jeder Anwendung von Augentropfen die Hände stets sorgfältig reinigen.
  • Die Tropferspitze von Augenmitteln darf das Auge nicht berühren, da sonst Keime in das Fläschchen geraten können. Beim Eintropfen von Augenarznei das untere Lid leicht vom Auge abheben. Danach die Augen ein bis drei Minuten schließen.
  • Kindern, die sich die Arznei nicht verabreichen lassen wollen, kann man die Tropfen bei geschlossenem Lid in den inneren Lidwinkel tropfen. Die Flüssigkeit fließt dann beim Augenöffnen von selbst auf die Bindehaut.
  • Bei Augeninfektionen strenge Hygieneregeln einhalten, sonst entzündet sich durch eine Schmier­infektion noch das gesunde zweite Auge oder die Augen einer anderen Person.
  • Bei Infektionen das Auge nie direkt mit dem Finger berühren und Einmal­tücher verwenden.
  • Gekühlt sind angebrochene Augentropfen nur wenige Wochen haltbar (Angabe des Herstellers beachten).
  • Durch Berühren des Lidrandes mit dem Tropfer kann sich die angegebene Haltbarkeit deutlich verkürzen.

Augenkosmetik als Bakterien­pool

Zum Sortiment vieler Apotheken gehören auch Kosmetikartikel ausgewählter Firmen. Bei der Beratung zu dekorativer Kosmetik, die rund um das Auge angewendet wird, sollten PTA oder Apotheker sich danach erkundigen, ob die Kundin Kontaktlinsen trägt oder ob ihre Augen empfindlich reagieren. So kann beispielsweise Puder-Lidschatten Reizungen auslösen, wenn die feinen Partikel ins Auge geraten. Insbesondere für Trägerinnen von Kontaktlinsen hat dies unangenehme Folgen, da die Puder-Partikel unter den Kontaktlinsen auf der Hornhaut scheuern. Auch wird Wimperntusche häufig zum Reizfaktor fürs Auge, wenn die feinen Fasern oder Härchen in die Augen gelangen. Für diese Fälle haben die Hersteller von Apothekenkosmetik spezielle Produkte für empfindliche Augen entwickelt.

Oft überschätzen die Anwenderinnen die Haltbarkeitsfristen der Augenkosmetika. Denn auf Wimperntusche und in flüssigem Eyeliner können sich Bakterien ansiedeln. Die Stiftung Warentest empfiehlt, diese Kosmetik­produkte nach Anbruch nicht länger als ein halbes Jahr zu verwenden.

Ein Tipp für die Beratung: Bei der Abgabe von Augentropfen oder -salben gegen eine Infektion sollten PTA oder Apotheker Frauen immer raten, nach der Behandlung alle Kosmetikprodukte zu erneuern, die sie rund ums Auge anwenden.

Glaukommittel in Kosmetika

Beim Wirkstoff Latanoprost, der zur Senkung des Augeninnendruckes bei Glaukom angewandt wird, zeigte sich als Nebenwirkung, dass die Wimpern der Patienten dunkler, dicker, länger und zahlreicher wurden – der Wunschtraum vieler Frauen. Der neueste Trend auf dem Kosmetikmarkt ist deshalb ein Serum mit Derivaten dieses Wirkstoffs, das wie ein Lidstrich auf den Lidrand aufgetragen wird und das Wimperwachstum anregen soll. Doch hier rät die Augenärztin zur Vorsicht: »Zwar ist die Dosierung des Wirkstoffes sehr gering, doch diffundiert er ins Auge. Dies kann zum irreversiblen Nachdunkeln der Iris und einem leichten Fremdkörpergefühl im Auge führen.« Auch führen die Kosmetikprodukte häufig zu Rötungen und Brennen der Augenbindehaut. »Wer solche Produkte anwendet, sollte dies auf jeden Fall bei der augenärztlichen Untersuchung angeben, da dies bei der Messung des Augendrucks zu veränderten Werten führen kann.« /