PTA-Forum online
Infektionen der Mundschleimhaut

Der wunde Punkt

03.07.2015  11:05 Uhr

Von Elke Wolf / Jede Erkrankung hat ihre Zeit. Die Mundschleimhaut ist zum Beispiel besonders im Säuglings- und Kleinkindalter im Visier von Pilzen und Viren. Zwar sind die Läsionen infolge eines Mundsoors, der Hand-Fuß-Mund-Krankheit, der Stomatitis aphthosa (Mundfäule) oder der Herpangina in aller Regel harmlos. Doch sie sind äußerst schmerzhaft, und die kleinen Patienten verweigern nicht selten ihr Essen.

Mit zunächst stippchen-, später rasenartig weißen Belägen an Zunge, Wange oder Gaumen macht der Hefepilz Candida albicans auf sich aufmerksam. Die Beläge sind in der Regel schwer abwischbar und daher von Milchresten oder Ähnlichem gut zu unterscheiden. Zurück bleiben ein Erythem oder bei hartnäckigeren Auflagen leichte Blutungen. Zwar gehört C. albicans zur normalen Flora der Mundhöhle wie auch des Gastrointestinaltraktes, verhält sich aber gewöhnlich ziemlich unauffällig. Er ist nur etwa bei der Hälfte seiner Träger nachweisbar. Unter bestimmten Umständen vermehrt sich der Pilz im Übermaß, ändert in charakteristischer Weise seine Morphologie und bildet Mycele aus.

Im Säuglingsalter tritt Mundsoor besonders häufig auf, da das Gleichgewicht innerhalb der auf der Schleimhaut lebenden Mikrobiota noch sehr labil ist. Meistens ist eine Infektion auf mangelnde Hygiene zurückzuführen. Zum einen nehmen Babys gerne sämtliche Gegenstände in den Mund – auch solche, die nicht dafür bestimmt sind. Zum anderen bringen Gegenstände wie Flaschensauger oder Beißringe den weißen Soorrasen zum Blühen, wenn sie im Vorfeld nicht sorgfältig sterilisiert wurden. Übrigens kommt es häufig parallel zur Mundinfektion zu einer Windeldermatitis im Pobereich.

Im Kleinkindalter setzt meist eine vorausgegangene Antibiotikabehandlung bakterielle Gegenspieler von C. albicans in der normalen mikrobiellen Flora schachmatt und begünstigt somit eine unphysiologische Vermehrung der Hefe. Bei Jugendlichen können schlecht sitzende oder ungereinigte Zahnspangen einem Soor den Weg bereiten. Manchmal ist eine Soor-Besiedlung auch ein Hinweis auf Diabetes mellitus. Ansonsten sind nur Menschen mit einer Abwehrschwäche (wie HIV-Positive) anfällig für diese Infektion.

Zeigen sich entsprechende Symptome im Mund, sollten PTA oder Apotheker zunächst an den Kinderarzt verweisen. Die Infektion bekommt man mit lokal anzuwendenden Nystatin-, Miconazol- oder Amphotericin-B-haltigen Suspensionen, Gelen und Pasten in den Griff (zum Beispiel Nystatin Lederle®, InfectoSoor® Mundgel, Ampho-Moronal®). Wichtig ist, dass die Kontaktzeit zwischen dem Wirkstoff und der betroffenen Partie möglichst lang ist. Bevor das jeweilige Präparat aufgetragen wird, empfiehlt es sich, die betroffene Region mit einem Wattestäbchen oder Papiertuch trockenzutupfen. Dann erst das Gel oder die Tinktur mit einem Wattestäbchen entnehmen und dünn auf die Wunde aufstreichen.

Bei älteren Kindern greift die orale Candidose manchmal auf die Lippenschleimhaut über. Dann ziehen sich feine, äußerst schmerzhafte Furchen durch die Mundwinkel, die Essen und Sprechen behindern. Meist ist zwar der Soorinfekt der Grund für diese Faulecken oder Mundwinkel-Rhagaden, dennoch kann auch ein Eisen- oder Vitamin-B-Mangel dahinterstecken.

Die Heilung von Mundwinkel-Rhagaden ist eine zähe Angelegenheit. Die ständige Beanspruchung reißt die Wunden immer wieder auf. Wer nach dem Essen die betroffenen Stellen nicht sorgfältig abtupft, riskiert eine Superinfektion mit Bakterien und Krustenbildung. Reizende und irritierende Stoffe in Lippenstiften und scharfe Speisen sind zu meiden. Eine Fettsalbe oder -stift hält die betroffenen Stellen geschmeidig. Ist C. albicans auch hier der Auslöser, helfen die weiter oben genannten Präparate.

Punktueller Schmerz

Neben dem Soor sind es vor allen Dingen Aphthen unterschiedlicher Genese, die den Mundbereich im Kindesalter zeitweise zur sensiblen Zone machen. Die Mundschleimhaut reagiert etwa auf die Erreger der Hand-Fuß-Mund-Krankheit, der Stomatitis aphthosa (Mundfäule) oder der Herpangina mit Aphthen, also rundlich-ovale, etwa linsengroße Schleimhautläsionen. Der entzündliche Defekt ist von einem roten Hof umgeben und von einem weißlich-gelb-gräulichen Fibrinbelag überzogen. Die Herde sitzen einzeln oder in größerer Anzahl am Mundboden, seitlich und unten an der Zunge sowie an der Innenseite der Lippe, manchmal auch im Rachenraum. Doch wo immer sie sitzen: Da sie Mini-Ulcera gleichen, liegen die Nervenenden bloß und reagieren empfindlich, wenn sie durch scharfe und saure Speisen gereizt werden.

Die Aphthen sind mitunter so schmerzhaft, dass die Kinder das Essen verweigern. Alles, was zu kalt, heiß oder sauer ist, brennt wie Feuer im Mund. Kinder sollten dann nur zimmerwarme, breiige, ungesalzene Nahrung ohne Fruchtsäure oder sauren Geschmack bekommen. Bewährt haben sich Milchreis, Kartoffelbrei, ungesalzene Fleischbrühe, kalte Milch und Wackelpudding mit Vanillesoße. Trinken nicht vergessen!

Mehrmals täglich aufgetragene Lokal­anästhetika wie Lidocain (wie Dynexan® Gel, Dentinox® Gel N, Kamistad® Gel) oder Polidocanol (wie Recessan®) als Gel versprechen Linderung. Auch Tinkturen mit Extrakten von Tormentillwurzelstock, Rhabarberwurzel, Myrrhe oder Rathania (wie Repha®-Os, ratiosept®, Pyralvex®) haben sich durch ihren adstringierenden und entzündungshemmenden Effekt bewährt. Zudem ist Propolis-Urtinktur ein guter Beratungstipp. Kontrollierte Studien zur Effektivität bei Kindern gibt es nur für die wenigsten Gele, Mundspülungen und Sprays, so etwa für 2%-prozentiges Lidocain-Gel. Lokalanästhetika-haltige Gele helfen auch über die zum Teil schwierige Eingewöhnungsphase einer Zahnspange hinweg.

Ältere Kinder können mit verdünntem Kamillenextrakt (zum Beispiel Kamillosan®) oder Antiseptika wie Polyvidon-Iod (wie Betaisodona®) oder Chlorhexidin (wie Clorhexamed® Lösung, Meridol® Lösung) mehrmals täglich und nach den Mahlzeiten spülen. Dexpanthenol als Lösung für Pinselungen oder Spülungen (wie Bepanthen® Lösung) kann als Adjuvans seine wundheilenden Eigenschaften entfalten. Benzydamin (wie Tantum® Verde) hat antimikrobielle Eigenschaften, wird aber mehr noch wegen seiner starken analgetischen Wirkung geschätzt.

Ein schmerzhemmender Effekt ist auch von Hyaluronsäure (wie Blox­aphte® Junior Gel, ab 30 Monaten) zu erwarten. Sie legt sich wie ein Film über die schmerzenden Bläschen und bringt somit einen gewissen Schutz vor weiterer Reibung. Hyaluronsäure fördert die Zellerneuerung, weshalb eine schnellere Abheilung der Läsionen zu erwarten ist. Einen ähnlich abdeckenden Effekt hat auch eine Fixkombination mit hämodialysiertem Kälberblut und Polidocanol (Solcoseryl® akut Paste).

Aphthen-Auslöser

Hand-Fuß-Mund-Krankheit: Auslöser sind Coxsackie-A-Viren. Die Infektion führt zu Bläschen im Mund und – ein bis zwei Tage später – auch zu rötlichen Flecken und kleinen Knötchen an Händen und Füßen, manchmal auch am Po, Knie oder Ellbogen. Die Symptome werden manchmal von Fieber begleitet. Die Infektion ist in der Regel harmlos und ist nach rund einer Woche ausgestanden.

Stomatitis aphthosa (Mundfäule): Auslöser sind Herpes-simplex-Viren Typ 1. Sie tritt meist bei Kindern zwischen zehn Monaten und drei Jahren als Erstinfektion des Virus auf und ist somit der Vorbote für Lippenherpes. Bei der Erstinfektion schwillt die Mundschleimhaut stark, um dann die charakteristischen Aphthen auszubilden. Die Symptomatik wird meist von hohem Fieber begleitet. Hinweis: Die Therapie mit Aciclovir kann zwar in Einzelfällen die Heilung beschleunigen, wird aber nicht per se für alle Patienten empfohlen.

Herpangina: Auslöser sind Coxsackie-A-Viren. Die charakteristischen Bläschen sitzen vor allem an den Gaumenbögen, manchmal auch an den Tonsillen. Fieber, Abgeschlagenheit, manchmal auch Erbrechen und Kopfschmerzen begleiten die Mundsymptomatik. Der Infekt dauert etwa eine Woche und verläuft komplikationslos.

Mundsoor: Auslöser ist der Hefepilz Candida albicans. Im Unterschied zu den anderen Infektionen zeigen sich beim Mundsoor zusätzlich auf den geröteten Läsionen weißliche, cremige Beläge auf der Zunge oder in den Wangentaschen.