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Neue Informationskampagne

Liebesleben klärt auf

18.07.2016  11:24 Uhr

Von Verena Arzbach / Die Bundeszentrale für gesundheit­liche Aufklärung (BZgA) hat Präventionsmaßnahmen und Informa­tionen zu HIV und anderen sexuell übertragbaren ­Infektionen (STI) in einer neuen Kampagne mit dem Namen ­»Liebesleben« gebündelt. Diese ist Teil der Strategie der Bundesregierung zur Eindämmung von HIV und anderen STI. Cartoon-Plakate mit den Botschaften »Benutzt Kondome« und »Wenn was nicht stimmt, ab zum Arzt« sind seit Mai bundesweit zu sehen.

Liebesleben hat damit »Gib Aids keine Chance« abgelöst. Die Präventionskampagne war seit fast 30 Jahren ­aktiv. Der Grund für den Wechsel liege im Wandel der Inhalte, so die BZgA. »Gib Aids keine Chance« war auf ­HIV/Aids fokussiert. Die Wahrnehmung der Krankheit Aids habe sich jedoch gewandelt. Eine HIV-Infektion ist zwar nach wie vor nicht heilbar, die Behandlungsmöglichkeiten haben sich jedoch enorm verbessert. Das Wissen zu HIV und Aids sowie zu Schutzmaßnahmen sei inzwischen weitverbreitet. Im Gegensatz dazu stehen STI und deren Symptome sowie Übertragungswege weniger im Bewusstsein der Bevölkerung.

 

Doch in vielen Ländern Europas, ­darunter auch Deutschland, steigt die Zahl der STI. Betroffen sind verschiedene Bevölkerungsgruppen: Männer, die Sex mit Männern haben, infizieren sich überproportional häufig mit ­Syphilis, dagegen sind Chlamydien-­Infektionen vor allem unter jungen Frauen und Männern weitverbreitet. Das gilt auch für Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV): Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich irgendwann in ihrem Leben mit HPV. Meist heilt die Infektion zwar aus, doch wenn nicht, können die Viren bei Frauen zu Gebärmutterhalskrebs führen. Aktuell erkranken in Deutschland jährlich etwa 4300 Frauen daran. Eine Impfung kann die Entwicklung von Krebsvorstufen am Gebärmutterhals verhindern, indem sie vor den häufigsten Hochrisiko-Papillomviren schützt.

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA: »Laut aktuellen Studienergebnissen ist das Wissen zu STI in Deutschland nach wie vor unzureichend. Kenntnisse darüber sind aber notwendig, damit Menschen sich schützen, Symptome von STI richtig deuten und bei Verdacht auf eine Ansteckung ärztliche Beratung aufsuchen können. Deshalb setzt Liebes­leben auf Aufklärung und Information und unterstützt Menschen darin, ­dass sie ohne Scham und Stigmatisierung über dieses sensible Thema sprechen können.«

Wenig Wissen

Eine Untersuchung der BZgA zeigt, dass das Wissen der Bevölkerung zu sexuell übertragbaren Infektionen gering ist. Die Bekanntheit der gerade unter jungen Frauen und Männern verbreiteten Chlamydien-Infektion liegt bei den über-16-jährigen Frauen bei 54 Prozent und bei den gleichaltrigen Männern bei 38 Prozent. HPV-Infektionen sind noch weniger bekannt. Auch im Hinblick auf die Symptome von STI existieren erhebliche Wissenslücken. Nur 43 Prozent der Frauen und 29 Prozent der Männer wissen, dass zum Beispiel Juckreiz Symptom einer STI sein kann. Ein Drittel der Befragten konnte in der Untersuchung gar keine Symptome benennen. /