PTA-Forum online
Häufig verkannt

Schilddrüsenentzündung nach der Entbindung

18.07.2016  11:25 Uhr

Von Annette Immel-Sehr / Anhaltende Erschöpfung und depressive Verstimmungen der Mutter nach der Geburt werden meist mit der Umstellung der Sexualhormone erklärt – der »Baby-Blues« eben. Doch die Beschwerden können auch eine andere Ursache haben: Fast jede zwölfte Mutter entwickelt wenige Wochen nach der Entbindung eine Schilddrüsenentzündung. Diese äußert sich durch Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Nervosität und depressive Verstimmung.

Eine Postpartum-Thyreoiditis entwickelt sich 4 bis 24 Wochen nach der Entbindung. »Die Erkrankung macht keine Schmerzen, weshalb man sie auch ›stille‹ Schilddrüsenentzündung nennt«, erläutert Professor Dr. Matthias Schmidt vom Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN). 

Besonders gefährdet seien Frauen, bei denen schon vor oder während der Schwangerschaft erhöhte Schilddrüsen-Antikörper festgestellt wurden, Frauen mit einer Neigung zu Hashimoto oder Morbus Basedow sowie Diabetespatientinnen. »Bei ihnen kann es nach der Schwangerschaft, die ja eine Art Stress-Test für die mütterliche Schilddrüse darstellt, zu einer hormonellen Entgleisung kommen«, erklärt der Nuklearmediziner.

Oft verläuft die Erkrankung in zwei Phasen. Zunächst kommt es zu einer Hyperthyreose mit Zittern, Nervosität, beschleunigtem Herzschlag und verstärktem Schwitzen. »Bei stark ausgeprägten Beschwerden hilft die vorübergehende Einnahme von Betablockern, wenige Wochen sind meist ausreichend«, berichtet Schmidt. Daran kann sich eine Phase der Hypothyreose anschließen – in dieser Zeit leiden die jungen Mütter vor allem an Müdigkeit und Antriebsarmut. Hält die Unterfunktion länger an, ist Levothyroxin das Mittel der Wahl zur Behandlung. /