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PLD und Mallorca-Akne

Von wegen Sonnenallergie

18.07.2016
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Von Elke Wolf / Ungewöhnliche Reaktionen auf der Haut nach ­einem Aufenthalt in der Sonne werden leichthin als Sonnenallergie bezeichnet. Doch der polymorphen Lichtdermatose und der ­Mallorca-Akne liegt keine allergische Ursache zugrunde. Wer weiß, wie die Knötchen und Quaddeln die Haut zum Jucken bringen, kann mit der Wahl des richtigen Sonnenschutzmittels die Symptome verhindern.

Einige Stunden bis Tage nach der Sonnenexposition beginnen bestimmte Hautpartien, intensiv zu jucken. Es bilden sich fleckige Erytheme, die sich deutlich von der gleichmäßigen Rötung bei einem Sonnenbrand unterscheiden. Danach verändert sich die Haut je nach Patient recht unterschiedlich, allerdings beim selben Patienten stets gleich: ­So können sich stecknadelkopfgroße, Urtikaria-ähnliche Knötchen zeigen, aber auch Plaques bis hin zu größeren Blasen. Die Hautveränderungen stehen zunächst einzeln und können nach einigen Tagen zusammenfließen.

 

Dieses vielgestaltige Aussehen (griechisch: polymorph) gab der Lichtdermatose ihren Namen. Die Haut­reaktionen zeigen sich nur an den Stellen, die plötzlich der Sonne ausgesetzt sind, und zwar an Hals und Dekolleté, aber auch an den Außenseiten der Arme und auf den Handrücken. Beine, Rumpf und Gesicht werden seltener in Mitleidenschaft gezogen. Bei Kindern ist häufig das Gesicht betroffen. Vor allem Menschen mit heller Haut leiden unter einer polymorphen Lichtdermatose (PLD), und zwar immer dann, wenn sie sich nach längerer Pause intensivem Sonnenlicht aus­setzen. Deshalb liegt der Häufigkeitsgipfel im Frühsommer, nicht etwa im Hochsommer.

Sonnenallergie meist PLD

Die Diagnose der PLD ist nicht ganz einfach. Deshalb ist es ratsam, einen Kunden, der in irgendeiner Weise übermäßig auf Sonnenlicht reagiert, zum Dermatologen zu schicken. Die PLD ist die häufigste durch Licht verursachte Hautkrankheit; sie macht rund 90 Prozent aller Photodermatosen aus. Experten vermuten, dass jüngere Frauen und Kinder häufiger betroffen sind als Männer und schätzen die Häufigkeit auf bis zu 20 Prozent.

 

Die Pathogenese der Erkrankung ist nicht vollends geklärt. Unbestritten ist, dass sie durch ultraviolette Strahlung der Sonne ausgelöst wird. Etwa 75 Prozent der Patienten reagieren ausschließ­lich auf den UV-A-Anteil der Strahlung, ­lediglich 10 Prozent auf reines ­UV-B-Licht und 15 Prozent auf die Kombination aus beiden. Das ist auch der Grund, warum manche Menschen selbst durch ein Fensterglas hinweg Hautreaktionen zeigen, zum Beispiel am Arm nach einer Autofahrt. Fensterglas lässt einen nicht unerheblichen Anteil an UV-A-Licht passieren, ­während es die UV-B-Strahlung zum größten Teil reflektiert.

Kein Photoallergen

Wegen des verzögerten Auftretens nach der Sonnenexposition wird die PLD manchmal als immunologische Reaktion vom verzögerten Typ ein­geordnet. Das ist jedoch nicht richtig: ­Ein auslösendes Photoallergen konnte bislang nicht identifiziert werden. Neuere Untersuchungen weisen vielmehr darauf hin, dass die UV-B-Strahlung die Immunabwehr der Haut schwächt und in der Folge natürliche Photoprodukte eine Allergie auslösen können. Außerdem wird oxidativer Stress durch freie Radikale als mögliche Ursache der PLD diskutiert. Durch UV-A-Strahlung bilden sich in der Haut aggressive freie Radikale. Speziell hochreaktiver Singulett-Sauerstoff entsteht, der die Expression des ICAM-1-Gens induzieren kann. ICAM-1 (Intercellular Adhesion Molecule 1) ist ein Protein mit einer Immunglobulin-artigen Domäne, das auf Immunzellen zu finden ist, aber auch frei zirkulieren kann und Entzündungsreaktionen beeinflusst. In Laborversuchen konnte ein Gemisch aus Antioxidanzien die PLD verhindern oder abschwächen.

 

Die meisten Patienten gewöhnen sich während des Sommers an die UV-Strahlung. Doch dieser Gewöhnungs­effekt hält nur eine Sonnenperiode an, im nächsten Jahr kehren bei vielen die Ausschläge zurück. Im akuten Stadium ist absolute Sonnenkarenz angezeigt. Wer sich draußen aufhält, sollte die betroffenen Hautstellen mit leichter Baum­wollkleidung bedecken. Nach ein paar Tagen heilen die Ausschläge ­folgenlos ab.

UV-A-Strahlen filtern

Am besten lässt sich vorbeugen, indem man sich langsam an die Sonne gewöhnt und sich nach und nach immer länger draußen aufhält. Betroffenen ist ein Sonnenschutzmittel zu empfehlen, das einen sehr hohen Lichtschutzfaktor (50+) inklusive einem wirksamen UV-A-Schutz enthält. Durch die Verwendung eines UV-A-Filters bleiben viele Betroffene oft auch ganz verschont.

 

Bei Präparaten mit dem UV-A-Symbol beträgt gemäß den Empfehlungen der EU der UV-A-Schutz etwa ein Drittel des UV-B-Schutzes. Deshalb besitzen Sonnenschutzmittel mit Faktoren von 50+ per se einen hohen UV-A-Schutz. Bei den Spezialprodukten zur Verhinderung von Lichtdermatosen (»schützt vor Sonnenallergie«, »bei allergischer Haut«) werden durch hoch konzentrierte Filterkombinationen die UV-A-Strahlen in noch größerem Ausmaß als vorgeschrieben abgeblockt.

 

Einen zusätzlichen Prophylaxe-­Effekt bringen Sonnenschutzpräparate, denen Substanzen mit antioxidativem Potenzial zugesetzt sind. Vitamin E ist in seiner Acetatform in fast jedem Sonnenschutzmittel enthalten. Meist wird es mit anderen Radikalfängern wie α-Glucosylrutin, Ferulasäure oder Licochalcon A kombiniert (wie in Eucerin® Sun Protection, Daylong™ extreme SPF 50+, Ladival® Allergische Haut). Dagegen hat die systemische Gabe von Antioxidanzien in Studien nicht überzeugt. Die aktuelle Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft betrachtet die Einnahme von Betacaroten dennoch als Option, beginnend möglichst vier Wochen vor Urlaubsantritt. Doch Vorsicht bei Rauchern: Nachweislich erhöhen tägliche Dosen über 20 mg Betacaroten das Lungenkrebsrisiko.

 

Besonders empfindliche Personen können vor Urlaubsantritt beim Hautarzt eine sogenannte »Lichttreppe« durchführen lassen. Dabei wird der PLD-eigene Gewöhnungseffekt ausgenutzt, indem die Haut stufenweise ­spezieller UV-A- und UV-B-Strahlung ausgesetzt wird.

Mallorca-Akne im Süden

Vorwiegend bei Frauen mittleren Alters, die meist in der Pubertät Akne hatten, kann eine PLD-Sonderform, die Mallorca-Akne, die Ferienstimmung an Urlaubsorten mit hoher Sonnenintensität vermiesen. In Deutschland kommt die Mallorca-Akne so gut wie nie vor. Sie tritt insgesamt sehr viel seltener auf als die PLD. Die akneartigen, an Haarfollikel gebundenen Knötchen und Pusteln entstehen vorwiegend auf talgdrüsenreichen Hautarealen am Dekolleté, auf den Ober­armen, manchmal auch an den Schultern, aber nie im sonnengewöhnten Gesicht. Im Gegensatz zur Akne fehlen Komedonen. Leitsymptom ist der heftige Juckreiz. Die Hautveränderungen bleiben viele Tage bis Wochen bestehen, ein Gewöhnungseffekt bleibt aus.

 

Die Hautveränderungen entstehen durch das Zusammenspiel von fett- und emulgatorhaltigen Sonnenschutzprodukten und UV-A-Strahlung. Durch Lipidperoxide, die in den Grundlagen der Pflegeprodukte unter UV-A-Einwirkung gebildet werden, sowie durch entstehende reaktive Sauerstoffspezies wie Singulettsauerstoff entzünden sich die Talgdrüsenfollikel. Die gute Nachricht: Das lässt sich zu rund 90 Prozent verhindern, indem Betroffene Sonnenschutzmittel verwenden, deren Grundlagen keine Lipide und keine Emulgatoren enthalten. Geeignet sind wässrige Hydrogele, wässrig-alkoholische Lösungen und Hydrodispersionsgele (wie Ladival® Sonnenschutz Gel allergische Haut, Eucerin® Sonnenallergie-Schutz Sun Creme-Gel, Piz Buin® Allergy Lotion). Gleiches gilt ­übrigens für alle Körperpflegemittel wie After-Sun-Präparate, Nachtcremes oder Pflegelotionen; auch sie sollten lipid- und emulgatorfrei sein. /

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